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Trainer Sven Kwiatkowski, der bei Olympia 2004 selbst als Turner an den Start gegangen war, zeigt die Entwürfe der künftigen Kunstturnhalle im Sportforum. Deren Fassade soll entweder dunkelbraun (oberer Entwurf) oder hellbraun aussehen. Im Hintergrund: die jetzige Turnhalle.

Foto: Andreas SeidelBild 1 / 2

Turnhallen-Anbau: Ende der quälenden Warterei in Sicht

Von den groß angelegten Modernisierungsvorhaben der Stadtverwaltung im Sportforum sollen die Gerätekünstler maßgeblich profitieren. Dabei spielt auch die Beseitigung von Gefahrenquellen eine Rolle.

Von Mario Schmidt
erschienen am 14.07.2017

Es ist eine Sportart, die besonders viel Geduld und Stehvermögen erfordert. Bevor ein Kunstturner seine Übungen nahezu perfekt präsentieren kann, gehen viele Jahre harten Trainings und voller Entbehrungen ins Land. In Chemnitz sind diese Qualitäten besonders gefragt - auch jenseits des sportlichen Bereiches. Keiner weiß darüber besser zu berichten als Hans Müller, Manager des Bundesstützpunktes und Geschäftsführer des Kunstturnvereins (KTV) Chemnitz.

"Schon seit 2004 warten wir darauf, dass sich an den Bedin- gungen hier etwas ändert", sagt Müller. Damals gab es erste Pläne zum Neubau einer Turnhalle auf dem Gelände des Sportforums, weil die alte Sportstätte schier aus den Nähten platzte. Das Projekt wurde immer wieder verschoben - und ging den Bach runter, "weil der Bund für Neubauten keine Fördergelder mehr bereitstellt", erklärt Müller.

Gemeinsam mit der Stadt wurde eine andere Lösung gefunden: Ein Anbau an die große Turnhalle soll die Platzprobleme der Leistungssportler beheben. Im Februar wurde das Projekt vom Stadtrat abgenickt, genauso wie die Rekonstruktion des Hauptstadions, der Eisschnelllaufbahn im Küchwald und der Schwimmhalle im Sportforum. 5,6 Millionen Euro soll der Turn- hallen-Anbau kosten. "Damit verdoppelt sich die Hallenfläche von jetzt 900 Quadratmeter auf 1800 Quadratmeter", sagt Müller.

Wie dringend notwendig die Erweiterung ist, erläutert Trainer Sven Kwiatkowski. "Es geht einerseits darum, Gefahrenquellen zu minimieren", betont der Olympia-Teilnehmer von Athen 2004. Der Hochleistungsbereich und die Nachwuchsturner könnten dann räumlich besser getrennt trainieren. Zurzeit komme es vor, dass ein Kind quer durch die Halle rennt, während ein 60, 70 Kilogramm schwerer Turner gerade zum Sprung anläuft - eine Kollision könnte fatale Folgen haben. Außerdem, so Kwiatkowski, könne man in der größeren Halle methodisch deutlich besser trainieren. "Es würden unter anderem neue Reck- und Sprunganlagen eingebaut werden, wie sie in vielen Hallen Deutschlands allerdings längst Standard sind", ergänzt der frühere Weltklasseturner.

Von der Modernisierung sollen jedoch nicht nur die Jungen bzw. Männer, die in der großen Turnhalle trainieren, profitieren. Auch die benachbarte kleinere Turnhalle, in der die Mädchen und jungen Damen des TuS Altendorf zu Hause sind, wird auf Vordermann gebracht - und ebenfalls erweitert, wie Stützpunktmanager Müller berichtet. "In die Halle soll zum Beispiel noch ein Stufenbarren gestellt werden", kündigt Müller an.

Er hofft, dass das quälende Warten bald ein Ende hat und die Arbeiten an den Sportstätten Mitte nächsten Jahres beginnen können. Seitens der Stadtverwaltung wird diese Hoffnung genährt. Geplant sei, mit den Baumaßnahmen zwischen Mai und Juli 2018 zu beginnen und die Arbeiten nach etwa 16 Monaten abzuschließen, heißt es aus der Pressestelle des Rathauses. "Der Fördermittelantrag wurde fristgemäß im Juni beim Sächsischen Innenministerium eingereicht. Nach Prüfung durch das Landesministerium wird über die gemeinsame Förderung mit dem zuständigen Bundesministerium entschieden", sagt ein Stadtsprecher. Der Anbau an die große Turnhalle sowie die Umgestaltung der kleineren Sportstätte sollen insgesamt 7,1 Millionen Euro kosten. "Derzeit ist davon auszugehen, dass sich die Stadt mit 2,4 Millionen Euro beteiligt", so der Pressesprecher.

Auch wenn das Vorhaben offenbar umgesetzt wird: Gute Laune am Bundesstützpunkt in Chemnitz sieht anders aus. "Nach dem erfolgreichen Abschneiden der Turner bei Olympia 2016 mit der Goldmedaille für Fabian Hambüchen und Bronze für Sophie Scheder hatten wir fest damit gerechnet, dass dem Deutschen Turnerbund im Zuge der Spitzensportreform deutlich mehr Gelder zur Verfügung gestellt werden", sagt Hans Müller. Doch das Bundesinnenministerium blockiere die angekündigten Mittel. Die Entscheidung werde wohl bis weit nach den Bundestagswahlen vertagt. "Wir brauchen jedoch eine Etat- Erhöhung, vor allem, um unsere Trainer besser bezahlen und mit langfristigen Verträgen ausstatten zu können", betont Müller. Selbst eine überaus erfolgreiche Trainerin wie Gabi Frehse vom TuS Altendorf müsse nach wie vor mit Einjahresverträgen vorlieb nehmen. "Und die Bezahlung ist lausig", so Müller.

Hoch sei hingegen das Engagement der Kommune, vor allem bei der Sportstättensanierung, einzuschätzen: "Im Gegensatz zur Bundesregierung bekennt sich die Stadt Chemnitz zum Leistungssport."

 
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