Überraschend stark

Leonie Mercedes Martin hat bei der Jugend-EM im Gewichtheben den 5. Platz belegt. Dass sie jetzt im Kraftsport Erfolge feiert, verdankt sie auch ihrer Angst vor der Höhe.

Beim Kampf der Gewichtheber-Bundesliga zwischen dem Chemnitzer AC (CAC) und dem Athletenteam Vogtland saß sie unter den Zuschauern: Leonie Mercedes Martin. Eine ungewöhnliche Rolle, denn lieber steht sie selbst auf der Heberbühne. Und dort hat sie schon für Furore gesorgt - kürzlich auch auf internationaler Bühne. Bei der Jugend-Europameisterschaft in Pristina (Kosovo) belegte sie in der Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm den 5. Platz.

Dabei war die Chemnitzerin mit zwölf Jahren eine der jüngsten Teilnehmerinnen. "Es war mein erster großer internationaler Wettkampf", sagte das Hebertalent, das am vergangenen Sonntag 13 wurde. Bei der Premiere auf der internationalen Bühne habe sie nur ein Ziel gehabt: nicht Letzte werden. Dieses Vorhaben habe sie mit Platz fünf weit übertroffen. Über noch etwas hat sich die CAC-Sportlerin gefreut: "Ich hatte sechs gültige Versuche. Das wollte ich unbedingt erreichen."

In Pristina sei sie nervöser als bei den bisherigen Wettkämpfen gewesen. "Am Morgen des Wettkampftages habe ich noch dreimal meine Mutti angerufen, damit ich ruhiger werde", erzählt die 13-Jährige. Im Wettkampf habe sich die Aufregung aber gelegt. Und so steigerte sie sich von Versuch zu Versuch, erreichte im Zweikampf 136 Kilogramm, im Reißen 62 Kilogramm und 74 Kilogramm im Stoßen. Damit stellte sie drei neue Sachsenrekorde auf.

Die gute Platzierung bei der Europameisterschaft kam auch für Trainer Hartmut Keitel, der die Chemnitzerin seit gut zwei Jahren betreut, überraschend. "Mit so einem hervorragenden Abschneiden habe ich nicht gerechnet. Leonie sollte erst einmal ein wenig internationale Luft schnuppern", sagt er.

Als ihre Lieblingsdisziplin bezeichnet Leonie Mercedes Martin das Reißen. "Dort habe ich kontinuierlich meine Technik verbessert", sagt die Sportgymnasiastin. Beim Stoßen müsse man "zweimal etwas machen" - das Umsetzen und das Ausstoßen. Dabei sei es wichtig, genau auf den Punkt zu kommen.

Dass sie das Gewichtheben sehr schnell gelernt hat, ist umso bemerkenswerter, da Leonie noch vor zwei Jahren begeisterte Turnerin war. "Bereits mit drei Jahren habe ich geturnt, ab der ersten Klasse leistungsmäßig", erzählt sie. Dann habe sie plötzlich zu viel Angst vorm Balken und dem oberen Holm des Stufenbarrens bekommen. "Da sagten mir meine Trainerinnen Gabi Frehse und Romy Nürnberger, ich sollte es doch mal mit Leichtathletik oder Gewichtheben versuchen", sagt sie.

Dabei habe ihr das Gewichtheben auf Anhieb gefallen. Denn auch hier half ihr das Turnen. "Sie brachte dadurch gute koordinierte Fähigkeiten mit. So lernt man schneller die Technik beim Gewichtheben", hebt ihr Coach hervor. Zudem besitze das Hebertalent eine starke Beinkraft. Beides habe mit dazu beigetragen, dass Leonie im vergangenen Jahr bei einem Wettkampf in Rodewisch erstmals 100 Kilogramm im Zweikampf erreichte. "Damit wurde sie in der Altersklasse 13 bereits in den C-Kader aufgenommen, was selten ist", lobt Hartmut Keitel.

Fünfmal in der Woche geht Leonie Mercedes Martin zum Training. Da bleibt kaum Zeit für andere Hobbies. Dennoch - ein Leben ohne Gewichtheben kann sie sich nicht mehr vorstellen.

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