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Stefanos (links) und Angelos Georgakopoulos stammen aus Athen, starteten aber für den SCC.

Foto: Andreas Seidel

Warum zwei Griechen für einen Chemnitzer Verein schwimmen

Die Brüder gingen am Wochenende bei einem großen Nachwuchs- Wettkampf an den Start. Nun stehen die Zeichen aber auf Abschied - wegen des Wetters.

Von Bernd Wild
erschienen am 30.10.2017

In der Schwimmhalle im Sportforum: Acht Schwimmer sind im Becken. Kurz darauf ertönt der Startschuss zum Wettbewerb über 50 Meter Rücken. Zu den Teilnehmern gehört der neunjährige Stefanos Georgakopoulos aus Griechenland. Wenig später geht sein zwei Jahre älterer Bruder Angelos über 100 Meter Rücken an den Start. Beide Schwimmer zählen zu den 240 Sportlern beim Telefonbuchpokal, den der SVV Plauen am Samstag gewann. Bei dem Wettbewerb messen sich die besten Nachwuchsschimmer Sachsens in den Disziplinen Brust-, Rücken-, Schmetterling- und Freistilschwimmen.

Die beiden Talente seien keine Unbekannten beim Telefonbuchpokal, berichtet Steffen Uhlich, Trainer und Organisations-Chef vom ausrichtenden Schwimm-Club Chemnitz (SCC). Angelos habe 2015 und 2016 teilgenommen, sein jüngerer Bruder sei im Vorjahr dabei gewesen. Beiden Griechen sind 2015 für ein halbes Jahr Mitglied des SCC gewesen, bevor die Familie wieder in die Heimat zurückkehrte.

Und wie sind Angelos und Stefanos überhaupt nach Chemnitz gekommen? "Die Schwester meiner Oma lebt in Deutschland. Das war mit ein Grund dafür, dass meine Mutter hierher kam und auch einen Job fand", erzählt Angelos. Für ihn und seinen Bruder sei es wichtig gewesen, in Deutschland schnell einen Schwimmverein zu finden, denn beide bezeichnen sich als Wasserratten. "Ich wurde schon mit eineinhalb Jahren ins Wasser geschmissen, nämlich beim Babyschwimmen", sagt Angelos schmunzelnd. Ab dem sechsten Lebensjahr trainierte er beim Argiroupoli Swimming Club Athen. "Ein Leben ohne den Schwimmsport kann ich mir nicht vorstellen", so der Elfjährige.

Auch Stefanos hat schon mit gut zwei Jahren Bekanntschaft mit dem Schwimmen gemacht. "Ich freue mich, dass ich beim Turnier dabei sein kann und will so weit wie möglich vorn ankommen. Eine Medaille in einer Disziplin wäre nicht schlecht", betont der Neunjährige. Letzteres hat nicht geklappt. Seine beste Platzierung erreichte Stefanos mit Platz acht über 50 Meter Brust. Für Angelos steht ein fünfter Rang über die 100 Meter Brust zu Buche.

Steffen Uhlich hat die beiden Griechen und ihre Mutter am Donnerstag vom Flughafen in Dresden abgeholt. Er ist begeistert von ihnen. "Vor allem Angelos ist in einer sehr guten körperlichen Verfassung. Sein jüngerer Bruder muss noch ein wenig an der Technik feilen. Das ist aber in dem Alter normal", erklärt der Coach.

Fast wären die beiden Nachwuchsschwimmer beim SCC geblieben. Vor allem Angelos, der sehr gut deutsch spricht, wollte das gern. Doch nach den Worten von Uhlich sei unter anderem das Wetter mit ausschlaggebend gewesen, dass es nun anders kommt. "In Deutschland ist es der Familie zu kalt. Sie vermissen Sonne und Meer." Deshalb seien sie nach sechs Monaten wieder zurück in ihr Heimatland gereist und nur für den Wettkampf am Samstag nach Chemnitz zurückgekehrt. Morgen nehmen sie bereits wieder den Flieger nach Athen.

Womöglich kehren sie aber bald dauerhaft zurück. Marianna Psarrou, die Mutter von Angelos und Stefanos, sagt. "Wegen der hohen Arbeitslosigkeit möchten wir Griechenland verlassen. Ich versuche, so schnell wie möglich in Deutschland wieder Arbeit zu finden." Schön wäre es, wenn sie einen Job in der Nähe von Chemnitz bekäme, sagt Psarrou. "Denn dann könnten meine Söhne wieder beim Schwimm-Club Chemnitz trainieren."

 
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