Wenn 16 Grundschulen auf Korbjagd gehen

Unter Regie der Niners ist der Turmball-Pokal ausgespielt worden. Ein Turnier, bei dem Kinder auf besondere Weise an den Basketballsport herangeführt werden sollen.

Dort, wo sonst die Niners vor mehr als 2000 Zuschauern auflaufen, versenkten diesmal Mädchen und Jungen aus 16 Chemnitzer Grundschulen die Bälle in den Körben. "150 Kinder sind heute hier. Wir haben die Anzahl der Schulen bewusst begrenzt und nur diejenigen eingeladen, die zuverlässig sind und genügend Schüler schicken", berichtete Konstantin Lwowsky.

Er ist seit dem vergangenen Sommer Sportlicher Leiter beim Basketball-Zweitligisten und will vor allem die Talentsuche- und -förderung forcieren. Sein Motto: "Wir kämpfen um jedes Kind." Von großem Kampf war in der Hartmannhalle bei den Spielen um den Turmball-Pokal am Mittwoch nichts zu spüren. Es ging entspannt und ausgelassen zu, und genau das war auch die Absicht der Veranstalter. "Das hier ist keine Talentschau", betonte Lwowsky, der vorher bei Alba Berlin gearbeitet hat. Es gehe erst mal nur darum, bei den Kindern Begeisterung für den Basketball und einen gesunden Ehrgeiz zu wecken - verbunden mit der Hoffnung, Nachwuchs für die beiden führenden Basketball-Vereine der Stadt zu gewinnen. "Heute bekommt jedes teilnehmende Mädchen eine Einladung zum Probetraining bei den Chem-Cats, jeder Junge wird zu den Niners eingeladen. Wenn aus den 16 Schulen anschließend jeweils zwei bis drei Kinder dauerhaft Basketball spielen, wäre das ein Erfolg", sagte Lwowsky.

Für Alea Laureen Stephan aus der Klasse 4a der Rudolfschule stand fest: "Ich werde zu dem Probetraining gehen." Sport sei in der Schule ihr Lieblingsfach. Eigentlich wollte die Viertklässlerin den Turmball- Pokal gewinnen. Letztlich spielte die Rudolfschule um die Plätze fünf bis acht. Für Alea kein Problem: "Es macht viel Spaß, da ist die Platzierung nicht das Wichtigste." Ihrem Klassenkameraden Finley Antrag war vorher klar, dass der Turmball-Pokal fetzt. "Ich war schon mal bei dem Turnier dabei und wusste, was auf mich zukommt", erzählte Finley. Geht er zum Probetraining bei den Niners? Der Kleine überlegte kurz. "Eher nicht" sagte er dann und lieferte gleich die Begründung: "Ich spiele schon Fußball bei Blau-Weiß Chemnitz."

Ins muntere Treiben beim Grundschüler-Turnier hatte sich auch ein guter Bekannter aus der städtischen Basketball-Szene gemischt: Ex-Zweitligaspieler Andreas Endig. "Ich helfe bei der Betreuung der Gebrüder-Grimm-Schule mit, in die meine beiden Töchter gehen", berichtete Endig. Er war begeistert von dem, was die Kinder zeigten. "Sie treffen richtig gut", sagte der 36-Jährige. Beim Turmball werden die Knirpse auf besondere, sprich behutsame Weise an den Basketballsport herangeführt. Jeweils zwei Teams á fünf Spieler treten gegeneinander an. Damit die Distanz zum Korb nicht zu groß ist, darf der Schütze von einem Hocker, dem "Turm", aus werfen.

Angesichts der Begeisterung in der Hartmannhalle konnte Endig nur mit dem Kopf schütteln, als er auf die vorgesehene Reduzierung des Sportunterrichts in Sachsen zu sprechen kam. "Diese Pläne sind fatal. Die Kinder werden sowieso schon immer unsportlicher, sitzen vor ihren Tablets und spielen Playstation. Umso wichtiger ist der Sport als Ausgleich dazu", betonte der frühere Niners-Basketballer.

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