Wie Fans ihre FCK-Meisterhelden feiern

Mit einem Marsch vom Hauptbahnhof zum Stadion werden morgen vor dem Punktspiel gegen Preußen Münster die Titelträger von 1967 gewürdigt. Zuvor könnte es zu einer besonderen Geste kommen.

Für einige Stunden das Elend der Gegenwart vergessen und stattdessen in Erinnerungen an glorreiche Fußballzeiten in der Stadt schwelgen: Mit einer besonderen Aktion werden die Ultra-Szene Karl-Marx-Stadt sowie der Verein Fanszene Chemnitz vor dem morgigen Dritt- liga-Spiel gegen Preußen Münster die FCK-Meistermannschaft von 1967 ehren. Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem größten Triumph im städtischen Fußballsport ist ein Meistermarsch vom Hauptbahnhof zum Stadion an der Gellertstraße vorgesehen. "Spieler der Elf von 1967 werden die Strecke in einer Kremser-Kutsche zurücklegen, hinter der die Fans marschieren", erklärt Mitorganisator Tino Schlegel. Die Aktion sei bei den Behörden für 1000 Teilnehmer angemeldet worden. "Das ist die Resonanz, auf die wir hoffen", fügt der Anhänger der Himmelblauen hinzu.

Im bisherigen Saisonverlauf hatten die Fans des CFC schon mehrfach auf das Jubiläum hingewiesen. Bereits im ersten Heimspiel Ende Juli gegen Großaspach hatte es eine "Meistersaison-Choreografie" der Südkurve mit einem Spruchband in schwarz-weiß sowie unzähligen hellblauen und weißen Luftballons und Fahnen gegeben. "Der Jahrestag des Titelgewinns mit dem Spiel gegen Münster sollte der Höhepunkt werden. Unsere Idee, einen Marsch zu veranstalten, kam beim CFC gut an und fand in der Fan-Szene großen Anklang", berichtet Tino Schlegel, der seit 13 Jahren aktiver Fan des Clubs ist. Der morgige Zeitplan sieht vor, dass die Spieler der Meistermannschaft gegen 10 Uhr mit der historischen Straßenbahn der Chemnitzer Verkehrs AG vom Museum in Kappel zum Hauptbahnhof fahren. Dort werden sie von den Fans begrüßt - wie 1967, als die FCK-Truppe mit einem 1:0 bei Hansa Rostock den Titelgewinn perfekt machte und bei der Ankunft in Karl-Marx-Stadt von tausenden Anhängern empfangen wurde. "Diese Situation wollen wir nachahmen", sagt Mitorganisator Schlegel.

Vor 50 Jahren wurden die Meisterspieler sogar auf Schultern getragen. Ob es morgen wieder dazu kommt? "Geplant ist es nicht, aber es kann schon spontan passieren", so Schlegel. Wohl wissend, dass man die heute über 70-jährigen Herren nicht mehr ganz so toll durch die Luft schleudern sollte. Gegen 12.30 Uhr werden Kremser-Kutsche und Fans an der Community4you-Arena ankommen. "Die Spieler der Meistermannschaft sind VIP-Ehrengäste des CFC und verfolgen die Partie gegen Preußen Münster von der Haupttribüne aus", berichtet Vereinssprecherin Nicole Oeser. Wer im Übrigen glaubt, dass das Heimspiel gegen die Preußen-Elf auf Antrag der Chemnitzer extra auf Sonntag verlegt wurde, damit es am Jahrestag der 67er-Meisterschaft stattfindet, irrt. "Es ist ein sehr schöner Zufall, dass die Begegnung exakt auf das gleiche Datum und auch noch auf den gleichen Wochentag fällt", erklärt Nicole Oeser.

Tino Schlegel spricht von Momenten der Glückseligkeit, mit den FCK-Legenden unterwegs zu sein. "Ansonsten ist es sehr deprimierend, wie das aktuelle Spieljahr verlaufen ist", sagt der 35-Jährige. Sportlich sei mehr drin gewesen. "Aber schon in der Hinrunde hat die Mannschaft zu viele Punkte verschenkt, allein fünf in der Nachspielzeit", so Schlegel. Und dann noch die schwere Finanzkrise, "die voraussehbar war", wie er betont. "Nahezu jeden Euro ins Team zu stecken, funktioniert vielleicht ein, zwei Jahre, in denen der Verein von seiner Substanz leben kann", sagt Schlegel. Die Devise "Zweitliga-Aufstieg um jeden Preis" musste seiner Meinung nach aber in die Hose gehen. Auch aus den Reihen der Fans sei lange auf die gefährliche Entwicklung hingewiesen worden. "Von der Vereinsführung wurde dies jedoch ignoriert. Gesprächs- termine mit Fan-Vertretern wurden einfach nicht wahrgenommen - die Probleme des CFC sind haus- gemacht", betont Schlegel.

Probleme, die vor allem auch Cheftrainer Sven Köhler zu spüren bekommt. Die Frage nach seiner Zukunft konnte Köhler gestern erneut nicht beantworten, weil niemand im Verein mit ihm darüber gesprochen habe. Nichtsdestotrotz fordert der 51-Jährige von seiner Truppe im morgigen Spiel gegen Preußen Münster volle Pulle Einsatz. Dies habe nur bedingt damit zu tun, dass auf der Haupttribüne die Meister von 1967 sitzen. "Natürlich kann das eine kleine Zusatzmotivation sein, und ich werde das bei der Spielvorbereitung vielleicht auch ansprechen", sagte Köhler. Prinzipiell gehe es jedoch darum, jedem Stadiongast eine ansprechende Leistung zu zeigen. Wenn man ehrlich ist, so Köhler, interessiert es die meisten Profis wohl kaum, dass der Verein vor 50 Jahren mal einen Titel geholt hat. Schließlich komme der Großteil des Kaders aus anderen Regionen.

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