Wie der Sportverband für den Nachwuchs am Ball bleibt

Die Flying Bowlers waren unter den Vereinen, die sich an der Sport-Woche für Kinder beteiligt haben. Beim Schnuppertraining zeigte sich, dass sich die Nachwuchsprobleme in allen Sportarten gleichen.

Zuerst Liegestütze. Dann noch ein wenig Auflockern und Dehnen. Bevor die ersten Bälle auf die Bahn geschickt werden, bedarf es eines Aufwärmprogrammes. Die Mädchen und Jungen machen fleißig mit, schließlich wollen sie ja gleich zeigen, was sie schon können. Denn Bowling gespielt haben sie alle schon einmal. Mit der Familie, mit Freunden. "Mal sehen, ob das auch im Verein etwas für mich sein könnte", sagt die neun Jahre alte Pauline Rößler und trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Denn der Stadtsportbund Chemnitz will mit seinen Sport-Wochen in den Ferien genau das erreichen: Kinder aus der Stadt sollen sich in verschiedenen Vereinen umschauen können, sich austesten, die Sportarten kennenlernen. Seit Montag läuft die 16. Auflage, an der sich knapp 20 Vereine beteiligen.

Auch die Flying Bowlers sind dabei. "Nicht zum ersten Mal", sagt Jugendwart Andreas Berthold. "Neue junge Vereinsmitglieder kann man schließlich immer gebrauchen." Mit Nachwuchssorgen habe der Verein mit seinen aktuell 75 Mitgliedern zwar nicht zu kämpfen, allerdings fehle es an Spielern, die den Verein auch im Seniorenbereich weiter treu bleiben.

"Vielen gefällt Bowling, auch Kindern macht es großen Spaß", sagt Berthold. "Obwohl es sich um eine Randsportart im Wettkampfbetrieb handelt, kennt diesen Sport ja jeder." Allerdings fehle bei vielen Mitgliedern, die sich in jungen Jahren für den Verein entscheiden, nach dem Ende der schulischen Ausbildung die Zeit und das Interesse, weiter Bowling zu spielen. "Es gehören schließlich Training und Wettkämpfe dazu", sagt Berthold. "Da geht es uns wie vielen anderen Vereinen in anderen Sportarten. Die Zeit für Hobbys wird überall weniger."

Umso wichtiger findet der Jugendwart Aktionen wie die Sport-Woche, bei denen die Kinder ohne jede Verbindlichkeit schauen können, welcher Sport der richtige für sie sein kann. Pauline Rößler hat dieses Angebot ausgiebig genutzt. Neben dem Bowling hat sie sich auch im Floorball und beim Bogenschießen versucht. Was es am Ende werden soll? "Das weiß ich noch nicht", sagt sie. "Immerhin mache ich ja schon Trampolinspringen." Am Bowling habe ihr immerhin sehr gefallen, dass die Sportart recht einfach zu erlernen ist.

Der Jugendwart der Flying Bowlers wird hinter diese Aussage allerdings ein dickes Fragezeichen setzen. "Es gehört schon mehr dazu, als nur den Ball Richtung Pins zu werfen", sagt er. Mit Betonung auf Ball und Pins, die hier nicht Kugel und Kegel heißen. "Die richtige Technik erlernt man nur mit viel Training, auch die Ausrüstung muss passen, um erfolgreich zu sein." Und Liegestütze gehören auch dazu.


"Manche Vereine müssen schon Kinder wegschicken"

Über die allgemeine Situation im Nachwuchssport sprach Thomas Reibetanz mit Janette Berndt, Geschäftsführerin des Stadtsportbundes Chemnitz.

Frau Berndt, wie fällt das Fazit zur Sport-Woche in den Ferien aus?

Positiv. Es haben sich über 200 Kinder angemeldet, fast alle sind auch gekommen. Wetterbedingt kamen es zu kurzfristigen Absagen.

Gab es besonders beliebte Vereine?

Zu den Floorballern wollten viele Kinder, auch Bogenschießen und Karate waren sehr beliebt. Damit haben wir das Ziel erreicht, dass die Kinder mal bei den Vereinen reinschnuppern können, bei denen es sonst scheinbar schwierig ist.

Ist die Sport-Woche notwendig, weil zu wenig Chemnitzer Kinder in Vereinen aktiv sind?

Das nicht. Im sachsenweiten Vergleich treiben in Chemnitz sogar sehr viele Kinder bis sechs Jahren Sport. Vielmehr wollen wir denen, die noch nicht im Verein aktiv sind, die Chance geben, sich umzuschauen.

Viele Kinder heißt oft auch: Übungsleiter dringend gesucht ...

Das stimmt. Auch der Mangel an Hallenzeiten macht Probleme. Manche Vereine müssen aus diesen Gründen schon Kinder wegschicken.

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