Pfeiffersches Drüsenfieber: Niners-Profi lange außer Gefecht

Für den 2,07 Meter großen Basketballer Jonas Richter nimmt eine Seuchensaison voller Verletzungen und Krankheiten ihren Lauf. Mit der Situation geht der Chemnitzer auf seine Weise um.

Experten trauen ihm eine große Karriere zu. Basketballer Jonas Richter gilt als Ausnahmetalent. Das 20-jährige Eigengewächs der Niners hat sich zur festen Größe im Chemnitzer Team entwickelt und wurde im Vorjahr zum besten Youngster der gesamten 2. Bundesliga gekürt. In der langsam zu Ende gehenden Spielserie 2017/18 ist Richter aber nahezu brutal ausgebremst worden. Neben Verletzungsproblemen hatte der 2,07 Meter große Korbjäger in den vergangenen drei, vier Wochen immer wieder über Unwohlsein geklagt. "Er sah blass aus und fühlte sich kraftlos", berichtet Niners-Sprecher Matthias Pattloch.

Im Vorfeld der jüngsten Auswärtspartie gegen Trier gab der Verein Entwarnung. Nach Lage der Dinge sei Richter wieder fit. Ein Irrtum. Als es dem jungen Chemnitzer nach der rund 600 Kilometer langen Fahrt an die Mosel richtig dreckig ging, war schnelles Reagieren gefragt. In einer Pressemitteilung des Zweitligisten war von "alarmierenden Schwäche-Erscheinungen" die Rede. Jonas Richter sei direkt ins Krankenhaus gebracht worden. "Dort stellten die Ärzte bedenkliche Blutwerte fest", teilten die Niners mit. Nach der Rückkehr aus Trier wurde Richter am Sonntag im Klinikum Flemmingstraße weiter untersucht. Inzwischen liegt der Befund vor. "Ich habe Pfeiffersches Drüsen- fieber", berichtete der 20-Jährige gestern im Gespräch mit der "Freien Presse".

Er sei jetzt erst einmal vier Wochen krankgeschrieben. "In dieser Zeit darf ich keinen Sport machen. So lange ohne Basketball - das wird ein komisches Gefühl sein", sagte Richter. Er müsse sich regelmäßigen Blutkontrollen unterziehen, "und die Milz muss wieder abschwellen". Seine jetzige Erkrankung passe zum insgesamt unglücklichen Saisonverlauf der Niners. "Wir haben unser Ziel nicht erreicht", bemerkte der junge Profi hinsichtlich der verpassten Playoffs. Von Resignation war bei Richter gestern jedoch nichts zu spüren. "Ich muss hinter das Spieljahr einen Haken machen und nach vorn schauen. Im Sommer will ich neu angreifen", betonte der gebürtige Chemnitzer. Allerdings sei ihm klar, dass die Zwangspause länger dauern kann. "Bei Pfeifferschem Drüsenfieber lässt sich das schwer voraussagen. Laut Ärzten kann es vier Wochen, aber auch ein halbes Jahr dauern", so Richter, dessen Vertrag bei den Niners ausläuft. Wo er nach seiner Genesung spielen wird, stehe noch nicht fest.

Neben seiner Basketball-Laufbahn studiert er Wirtschaftsingenieurwesen an der TU. Und dort gab es gute Nachrichten. "Mit einer Ausnahme habe ich alle Prüfungen nach dem ersten Semester absolviert. Es ist gut gelaufen", sagte Richter. Auch in "Höhere Mathematik" habe er bestanden - wenigstens ein Grund zur Freude für den leid- geprüften Niners-Spieler.


Infektion klingt meist nach wenigen Wochen ab

Pfeiffersches Drüsenfieber ist eine ansteckende Krankheit. Der Name geht auf den Kinderarzt und Internisten Emil Pfeiffer (1846 bis 1921) zurück, der die Krankheit erstmals beschrieb und sie aufgrund der Hauptsymptome - Fieber und angeschwollene Lymphknoten - "Drüsenfieber" nannte. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich durch Speichelkontakt. Da vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene von der Krankheit betroffen sind, wird das Pfeiffersche Drüsenfieber auch als "Studenten-Kuss-Krankheit" bezeichnet.

Eine wirksame Therapie gibt es nicht. Meist klingt die Infektion nach wenigen Wochen ab. Manchmal kann sich das Pfeiffersche Drüsen- fieber jedoch über Monate erstrecken. Aufgrund der weltweiten Verbreitung sind rund 95 Prozent der Bevölkerung bis zum 30. Lebensjahr mit dem Epstein-Barr Virus, Auslöser des Drüsenfiebers, infiziert.

Erkrankte Sportler kehren in den allermeisten Fällen auf die Wettkampfbühne zurück. Zu den tragischen Ausnahmen zählt der frühere Fußball-Bundesliga-Profi Olaf Bodden, der 1996 an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankte und seine Karriere 1997 beenden musste. Seitdem verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dermaßen, dass Bodden heute im Rollstuhl sitzt. (ms)

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