"Das hat niemand für möglich gehalten"

Leichtathletik: Kugelstoß-Bundestrainer Sven Lang spricht anlässlich des Jubiläums über seine 25 Jahre beim LV 90 Thum/Erzgebirge

Das morgen beginnende Jubiläum anlässlich des 25. Geburtstages des LV 90 Erzgebirge hat am Freitag ein prominent besetztes Sportlerforum zu bieten. Mit Christina Schwanitz und David Storl geben ab 19 Uhr in Gelenau zwei Kugelstoßer, die von Sven Lang zu Weltmeistertiteln geführt wurden, Auskunft und Autogramme. Wie im Mai 1990 alles begann, verrät der 53-jährige Bundestrainer im Gespräch mit Andreas Bauer.

Freie Presse: Was überwiegt - die Vorfreude auf das Jubiläum oder der Organisationsstress?

Sven Lang: Auf jeden Fall die Freude, denn es ist ein tolles Gefühl, auf 25 Jahre zurückblicken zu können. Es werden viele Leute zusammenkommen, die ihren Anteil hatten an der Entwicklung des LV 90 - sowohl Athleten als auch Funktionäre. Dass damit ein großer Aufwand verbunden ist, versteht sich von selbst.

Lohnt sich denn der Stress?

Wir haben viele mündliche Zusagen erhalten, was die Organisation aber nicht unbedingt erleichtert. Verbindliche Rückmeldungen wären besser, aber auch so wird es sicherlich schöne Veranstaltungen geben - verteilt über drei Tage.

Was steht auf dem Programm?

Uns war wichtig, möglichst viele Bereiche abzudecken - vom offiziellen Festakt, der am Samstagabend im Gelenauer Volkshaus in Form des Sportlerballs ansteht, bis hin zum Breitensport. Die Bevölkerung kann beim morgigen Stundenlauf in Thum aktiv werden und sich beim Sportlerforum am Freitagabend Autogramme der Weltmeister Christina Schwanitz und David Storl holen. Jeder ist eingeladen.

Neben Rebekka Haase steht beim Forum mit Jirka Zapletal auch ein ehemaliger LV-90-Athlet Rede und Antwort. Warum?

Die Geschichte des Vereins und die Erfolge der Vergangenheit sollen beim Jubiläum natürlich wichtige Rollen spielen.

Was sind denn aus Ihrer Sicht die Höhepunkte dieser 25 Jahre?

Natürlich ist das Erlebnis Peking noch frisch. Dass Christina Schwanitz dort den ersten WM-Titel im Erwachsenenbereich für unseren Verein gewinnen konnte, ist schon ein Highlight. Aber gerade bei so einem Jubiläum kommen die Erinnerungen an die ersten Erfolge hoch. Das waren schon ganz besondere Momente, als Sandy Lämmel 1991 die erste deutsche Medaille gewann und Jörg Tobisch 1993 bei der Junioren-Europameisterschaft in Spanien als Dritter die erste internationale Plakette für den LV 90 holen konnte - beide im Speerwerfen.

Haben Sie da geahnt, dass der LV 90 einmal zu den erfolgreichsten Leichtathletik-Vereinen in Deutschland aufsteigen wird?

Das hat niemand für möglich gehalten. Es waren nach der Wende schwierige Zeiten, da keiner wusste, was passieren wird. Aber es hat sich gezeigt, dass es im Mai 1990 genau richtig war, die Kräfte zu bündeln und den LV 90 als zweiten Verein ins Register des Amtsgerichtes Zschopau eintragen zu lassen.

Welche Kräfte wurden gebündelt?

Es gab damals ein Trainingszentrum für die drei Betriebssportgemeinschaften Fortschritt Ehrenfriedersdorf, Lok Thum und Werner Seelenbinder Gelenau. Im Zuge der Umstrukturierung war das Ende der BSG's abzusehen. Das war unsere Chance. Fachkräfte aus den drei Orten haben sich dann zusammengetan, dazu gehörten unter anderem Rolf Kohlmann, Wolfgang Köhler, Roberto Melzer und ich.

Warum wurde Thum der Heimatort des LV 90?

Dort gab es mit dem Stadion und der Turnhalle in unmittelbarer Nähe die besten Bedingungen. Ganz wichtig für den Verein war dann noch einmal der Umbau 1997, als die Tartanbahn installiert wurde.

Anfangs gab es große Erfolge mit dem Speer, mittlerweile mit der Kugel. Spielte der Wurf schon immer die wichtigste Rolle?

Das lässt sich so nicht sagen. Als wir 1990 mit 36 Mitgliedern angefangen haben, war kein Sportler älter als 16. Da gab es noch keine Spezialisierung. Erst als die Athleten älter wurden und im Zuge der Neustrukturierung im Landesverband rückten bestimmte Bereiche in den Fokus. Es hat sich so ergeben, dass unsere Speerwerfer stark waren.

Mittlerweile sind Sie Bundestrainer der Kugelstoßer. War das Traineramt für Sie schon immer ein Vollzeit-Job?

Anfangs war es eine ganz schöne Hangelei, die Zeit mit ABM-Hilfe zu überbrücken. Da war ich dankbar, für das Landratsamt Zschopau als Leichtathletik-Trainer arbeiten zu können. Mitte der 1990er-Jahre wurde ich beim Landesverband angestellt, da wuchsen die Strukturen.

Kommen durch den Wurf andere Disziplinen nicht zu kurz?

Neben mir gibt es ja noch zwölf andere Trainer und Übungsleiter im Verein, die sich um die mittlerweile 260 Sportler kümmern. Was im Vordergrund steht, hängt auch von den Athleten ab. Mit Rebekka Haase haben wir eine gute Sprinterin hervorgebracht und mit Annika Gärtz eine gute Weitspringerin. Dazu kommen mit Tony Zeuke und Maximilian Klaus starke U-20-Diskuswerfer. Unser Ziel ist es, noch besser zu werden - nicht nur in einer Disziplin.

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