Eigenes Leid als Antrieb für Spendentour

Holger Schwabe kämpft gegen Mandelkrebs. Bei der Jubiläumsauflage des Heavy 24 strampelte der Meinersdorfer dennoch für einen guten Zweck.

Meinersdorf.

An die 1300 Fahrer sind zur 10. Auflage des Heavy 24 am Wochenende am Stausee Rabenstein an den Start gegangen. Bei dem 24-Stunden-Rennen der Mountainbiker müssen diese an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gehen. Noch vor drei Jahren wäre Holger Schwabe nie auf die Idee gekommen, dass er es jemals schaffen könnte, in einem Team einen Tag lang mitzufahren.

Im Juni 2013 ging es dem Meinersdorfer gesundheitlich sehr schlecht: Alles begann mit einer Beule am Hals. Was sich zunächst wie geschwollene Mandeln anfühlte, stellte sich nach einer intensiven Untersuchung als Mandelkrebs heraus. "Mein Leben veränderte sich schlagartig", sagt der 43-Jährige. Er erhielt aller drei Wochen eine Chemotherapie - ein halbes Jahr lang. Man könne sich kaum vorstellen, wie einem die Chemo zu schaffen macht, beschreibt der schlanke Mann seinen Kampf. Jede Kleinigkeit des alltäglichen Lebens sei für ihn eine große Herausforderung gewesen. "An Sport war überhaupt nicht mehr zu denken. So kraftlos war ich." Doch Schwabe gab nicht auf. Nach der Behandlung gelang es ihm, allmählich wieder ins Leben zurück zu finden.

Anfangs waren es kleine Erfolge, die ihm wieder Spaß am Leben bereiteten. Spaziergänge und Fahrradtouren gehörten dazu. Fuhren er und seine Frau vor 2013 oft an der Ostsee entlang, wagte sich der Meinersdorfer nun ins Gelände. Allmählich kam das Leistungsvermögen zurück und Holger Schwabe suchte sich ein Ziel: "2015 haben wir uns mit Freunden erstmals für das Heavy 24 angemeldet. Und weil es so viel Spaß gemacht hat, wollten wir in diesem Jahr unbedingt wieder dabei sein", sagt Schwabe, für den die Rennteilnahme ein wichtiger Ansporn war. Noch immer sind Krebszellen da. Zweimal jährlich geht es zur Kontrolle. 2018 möchte der Erzgebirger den Krebs besiegt haben.

Zum zehnjährigen Bestehen des Heavy 24 schlug Teammitglied Marco Hösel vor, zu Gunsten des Leipziger Vereins Kinderherzkammer zu fahren. Julien, der älteste Sohn des sechsfachen Trialweltmeisters, kam mit einem komplexen Herzfehler auf die Welt. Seitdem ist Juliens Leben geprägt von unzähligen Operationen. Doch auch der Neunjährige ist ein Kämpfer - so wie Holger Schwabe. Was die Eingriffe für den Neunjährigen bedeuten müssen, lässt sich kaum in Worte fassen. So bleiben nicht nur große und teils beängstigende Narben zurück, denen nicht nur Juliens Klassenkameraden mit Respekt begegnen. Auch durchlebt die Familie schwere Zeiten, wenn wieder eine Operation ansteht. Deshalb sind die Hösels sehr dankbar, dass sie durch den Verein Kinderherzkammer unterstützt werden. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder wie Julien auf ihrem schweren Weg zu begleiten. So werden beispielsweise Spielzimmer, Kinderclowns oder Erste-Hilfe-Kurse für Eltern gefördert.

Auch von den Heavy-24-Veranstaltern wurde der gute Zweck mitgetragen. Dem Team wurde die Startgebühr erlassen. Die Fahrer um Holger Schwabe und Marco Hösel konnten daher ihren Teilnehmerbeitrag an den Verein Kinderherzen spenden. Freunde und Sponsoren stockten ihn auf die stolze Summe von 1500 Euro auf. Unterstützung am Streckenrand gab es übrigens auch von Julien, seinem vier Jahre jüngeren Bruder Finley und Mama Heike, die sich einen Start im Achterteam vorgenommen hatte. Krankheitsbedingt konnte sie nicht antreten, womit das aus fünf Herren und zwei Damen bestehende Team "We ride 4 Kinderherzkammer" nur zwischen sieben Fahrern wechseln konnte. Dass die Erzgebirger deshalb nach 48 Runden mit gut sechs Minuten Rückstand auf dem neunten und letzten Rang einkamen, war Nebensache.www.mtb-chemnitz.de


Oelsnitzer bester Einzelfahrer

Toni Ebersbach aus Oelsnitz hat den Start beim "Heavy 24" genutzt, um für die Hohndorfer Kindertagesstätte "Rappelkiste" Spenden zu sammeln. "3500 Euro kamen zusammen, die vorrangig für Spielgeräte im Außenbereich eingesetzt werden sollen", so der 24-Jährige, der nahezu unermüdlich 23:15 Stunden im Sattel saß und mit 49 Runden à 9,2 Kilometern als bester Solist unter 86 Fahrern glänzte. Ebersbach: "Ohne die Unterstützung durch Freunde und Familie wäre das alles jedoch nicht möglich gewesen."

Mehrmals aufs Podest fuhren die Mountain-Biker des in Zwönitz ansässigen RSV Erzgebirge, die gemeinsam mit dem Team Stein-Bikes aus Chemnitz in die Pedale traten. So schaffte das Zweier-Mix-Team Susan Kunz/Sören Grimmer 53 Umläufe und damit vier Runden mehr als die Zweitplatzierten. Der als "Flaggschiff" angetretene Herren-Achter lieferte sich wie im Vorjahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Team Bike4Mike. Eine Runde betrug der Vorsprung des Chemnitz-Zwönitzer Oktetts, das 69-mal über die Linie fuhr. Das Mixed-Achter-Team des RSV Erzgebirge (58 Runden) belegte Rang 3. (tka)

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