Erfahrene Kräfte sorgen für neuen Elan

In die Olympia-Saison wird der LV 90 Erzgebirge von einem neuen (alten) Präsidenten geführt. Andreas Mey. Neben internationalen Erfolgen liegt ihm die Entwicklung der Basis am Herzen. Dabei soll den Leichtathleten ein Förderverein helfen.

Gelenau.

Mit den Erzgebirgsmeisterschaften im Mehrkampf hat gestern für den LV 90 Erzgebirge die aktuelle Freiluftsaison begonnen. Knapp 250 Leichtathleten der Altersbereiche U 10 bis U 14 kämpften in Stollberg um die Medaillen. Von nun an nimmt das Wettkampfgeschehen kontinuierlich an Fahrt auf, bis im August als Höhepunkt die Olympischen Spiele in Brasilien anstehen. "Ich hoffe, dass es in Rio de Janeiro mit der ersten Olympia- Medaille für den Verein klappt", sagt Andreas Mey. Dem 54-Jährigen aus Thum, der vergangene Woche als Nachfolger von Rüdiger Kunze zum LV-90-Präsidenten gewählt wurde, ist bewusst, dass Spitzenathletinnen wie Kugelstoßerin Christina Schwanitz und Sprinterin Rebekka Haase als Aushängeschilder des Vereins enorm wichtig sind. "Es kommt aber auf die gesunde Mischung an", sagt Mey mit Blick auf die Basis. Er will noch mehr Kinder aus dem Erzgebirge für die Leichtathletik begeistern - ebenso wie Sponsoren.

"Die Vereinsarbeit ist ein täglicher Spagat zwischen Ausgaben und Einnahmen", weiß Mey aus Erfahrung. Schließlich war der Verlagsbezirksleiter der "Freien Presse", der seit 1993 im Vorstand mitgearbeitet hatte, von 2000 bis 2003 Präsident des damaligen LV 90 Thum, der nun aufgelöst wurde. An große Erfolge wie die Bronzemedaille von Speerwerfer Jörg Tobisch bei der U-20-EM 1993 kann sich der Thumer auch deshalb gut erinnern, weil er oft live dabei war. "Einige Busfahrten und Übernachtungen bleiben unvergessen", sagt Mey, der sich nicht nur einmal mit Bundestrainer Sven Lang ein Doppelbett teilen musste. Lockerheit und Humor sollen auch künftig wichtige Faktoren bleiben, doch Mey kennt auch den Ernst der Lage: "Um das wirtschaftliche Gleichgewicht abzusichern, ist die Sponsorenarbeit enorm wichtig. Dabei müssen wir auch mal über den Tellerrand hinausblicken", kann er sich überregionale Kooperationen gut vorstellen.

Um speziell die Nachwuchsarbeit voranzutreiben, wurde der Förderverein LV 90 Erzgebirge gegründet. Die Stärkung der Popularität des Vereins ist ebenso ein erklärtes Ziel wie die organisatorische Unterstützung bei Veranstaltung. Auch im Förderverein stehen einige alte Bekannte an der Spitze. Als Vorsitzender arbeitet Klaus Schubert. Der ehemalige Bürgermeister von Thum gehörte bereits in der Vergangenheit zum LV-90-Vorstand. Mit inzwischen 65 Jahren ist er noch längst nicht müde geworden, zumal er ehemalige Mitstreiter an seiner Seite hat. Während der aus dem Wintersport bekannte 2. Vorsitzende Ulrich Meyer einst schon als ehrenamtlicher Geschäftsführer beim LV 90 tätig war, ersprintete Schatzmeister Sebastian Hofmann einst als Athlet Medaillen für den Verein. "Ende der 1990er-Jahre war er deutscher Jugend-Meister über 200 Meter", erklärt Trainer-Urgestein Sven Lang, der sich über die Zusammenarbeit freut. "Das Engagement unserer Rückkehrer verleiht uns allen einen Motivationsschub", ist der Bundestrainer der Kugelstoßer überzeugt. Auch die Vereinsführung trage zu Erfolgen bei, wie sie in Rio gefeiert werden sollen.


"Es geht darum, den Nachwuchs bei der Stange zu halten"

Klaus Schubert fungiert als Vorsitzender des Fördervereins LV 90 Erzgebirge. Andreas Bauer hat sich mit dem 65-Jährigen aus Thum unterhalten.

Wie kam es dazu, dass Sie sich dieser Aufgabe stellen?

Ich habe mich ja schon seit 1993 im LV 90 engagiert - über einige Jahre hinweg auch im Vorstand. Obwohl ich zuletzt nur noch passives Mitglied war, riss der Kontakt zu den Trainern nie ab. Speziell Rolf Kohlmann, der bei der Gründung des Fördervereins die treibende Kraft war, kenne ich schon ewig. Er war mein Trainer, als ich den 1960er-Jahren selbst zur Leichtathletik-Kreisauswahl gehörte.

Was hat Sie noch motiviert?

Mittlerweile ist der LV 90 von großer Bedeutung. Er hat die Region auch überregional bekannt gemacht. Nun muss alles getan werden, dass das auch so bleibt. Die wahnsinnige Arbeit, die hier seit 1990 von so vielen Leuten geleistet wurde, muss fortgesetzt beziehungsweise durch den Förderverein unterstützt werden. Als Bürgermeister von Thum war ich ja selbst beteiligt, als wir damals das Stadion gebaut haben.

Worin sehen Sie konkret die Aufgaben des Fördervereins?

Es vor allem darum, den Nachwuchs bei der Stange zu halten und zu motivieren. Allein schon durch die Beiträge der Mitglieder ist eine Basis gegeben, um gute Leistungen beispielsweise bei einem Grillabend zu honorieren. Dafür sind keine großen Gelder notwendig. Es helfen schon Sachpreise von Sponsoren. Darum werden wir uns kümmern - und bei der Organisation von Wettkämpfen helfen.


Zahlen & Fakten zum LV 90

Die Nachwuchsarbeit des LV 90 Erzgebirge erstreckt sich über weite Teile der Region. So gibt es mittlerweile Trainingsgruppen nicht nur in Thum und Gelenau. Auch in Stollberg, Marienberg, Annaberg und Chemnitz wird regelmäßig geübt.

Um Arbeitsgemeinschaften an mehreren Grundschulen kümmert sich Regionaltrainer Maik Werner. Wöchentlich gibt er an den Bildungseinrichtungen in Geyer, Thum, Neukirchen und Burkhardtsdorf Tipps für Bewegung und Koordination. Die Arbeitsgemeinschaften laufen innerhalb der Ganztagesangebote.

Zwölf Trainer kümmern sich um die Betreuung der mehr als 200 Nachwuchssportler. Mit dem Bundestrainer im Kugelstoßen, Sven Lang, und Jörg Möckel, dem Sprint-Bundestrainer der Junioren, gehören zwei prominente Vertreter zum Ausbilderstab. Auch junge Sportler wie beispielsweise Sophie Freund werden mit eingebunden.

Neun Wettkämpfe richtet der LV 90 in diesem Jahr aus. Neben dem Thumer Werfertag am 2. September soll das Erzgebirgs-Meeting wieder mehr Bedeutung erlangen. Es wird am 4. Juni in Gelenau ausgetragen.

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