Mit EM-Silber zur Weltmeisterschaft

Die Junioren-Rodler aus Oberwiesenthal kommen immer besser in Schwung. Platz 2 bei Europas Titelkämpfen soll aber erst der Anfang gewesen sein.

Bärenstein.

Vier Jungs sind heute Nacht in Richtung Lettland aufgebrochen, um auf zwei Schlitten um die Junioren-Weltmeisterschaft zu fahren. Während die vier jungen Männer ins Flugzeug steigen dürfen und von Dresden via Frankfurt nach Riga fliegen, muss ihr Trainer hinters Steuer des Materialtransporters. Laut Routenplaner liegen vor Torsten Wustlich rund 16 Stunden Fahrt für knapp 1500 Kilometer. Viel Zeit, um nachzudenken, wie die Doppel Nico Semmler/Johannes Pfeiffer und Tobias Heinze/Maximillian Illmann am schnellsten durch die Eisrinne in Sigulda kommen.

Zunächst aber geht der Blick einige Tage zurück, genauer nach Oberhof. Auf der dortigen Bahn mit ihren 1070 Metern Länge und den 15 Kurven sind Semmler/Pfeiffer immer schneller geworden. "Nach drei mäßigen und drei passablen Trainingsläufen waren wir immer noch zu langsam. Also haben wir uns entschieden, neue Schienen aufzuschrauben", so Johannes Pfeiffer. Der Bärensteiner und sein aus Altenbrak stammender Pilot hatten deshalb zu tun. "Schleifen, schleifen, schleifen. Mit immer feinerem Schmirgelpapier, um jeden Kratzer aus den Kufen zu kriegen", macht Nico Semmler klar. Am Ende wird eine Art Paste aufgetragen, die die Eisen noch gleitfähiger machen. Dazu werden das fürs Training angebrachte lackschonende Panzerband abgezogen und dafür Schraubenköpfe überklebt. Filigranarbeit am Chassis, um Sekundenbruchteile herauszukitzeln. "Allein am Abend vor dem Wettkampf brauchen wir an die vier Stunden, ehe wir mit unserem Gefährt zufrieden sind", betont Pilot Semmler. Mit seinem "Rucksack" lag er in Thüringen jeweils sechs Hundertstel hinter dem deutschen Siegerpaar Hannes Orlamünder/Paul Gubitz. Heinze/Illmann kamen als Achte der EM-Wertung ein. "Schade, dass wir im zweiten Lauf in der ersten Kurve etwas gerutscht sind. Sonst hätten wir vielleicht noch gewinnen können", sagt Semmler selbstkritisch.

Falls sich der 19-jährige Bundeswehrangehörige das i-Tüpfelchen für die Weltmeisterschaft aufgehoben hat, macht er alles richtig. "Denn diese Bahn liegt uns ganz gut", sagt sein ebenfalls 19-jähriger Rodelpartner. Ab morgen wissen die beiden vom Stützpunkt am Fichtelberg, ob sie mit ihrer Einschätzung richtig liegen. Denn da beginnt die internationale Trainingswoche auf der 1200 Meter langen Bahn in Lettland, die mit 16 Kurven gespickt ist. "Unser Ziel ist ein Podestplatz", sagt Pfeiffer ohne Umschweife. Als Bärensteiner hat er sein Vorbild immer dabei: Trainer Torsten Wustlich, der aus dem gleichen Ort stammt und fünfmal Weltmeister mit seinem Partner André Florschütz war. Am 4. und 5. Februar wird es ernst, dann stehen die WM-Rennen an. "Konkurrenz dürfte nicht allzu viel dazukommen. Aber in Sigulda werden Letten und Russen stärker als auf anderen Bahnen sein. Wir müssen also alles aus uns und unserem Schlitten herausholen", sagt Bundespolizist Pfeiffer. Der hatte übrigens in der 2. Klasse die Flinte schon mal ins Korn geworfen. Doch das ist eine längst vergessene Geschichte.

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