Mit der Abfahrt geht's bergauf

Eine kleine Truppe vom Fichtelberg schickt sich an, im Alpinskifahren an der Spitze mitzumischen. Auch zwei Mädchen aus der Region gehören dazu.

Oberwiesenthal.

Thomas Dreßen, der Gewinner der Streif-Abfahrt in Kitzbühel, gibt dem Alpinskisport sicher neue Zuversicht. Bis diejenigen in den Weltcupzirkus einsteigen können, die ihre Schwünge in Oberwiesenthal ziehen, vergeht gewiss noch viel Zeit. Doch unmöglich ist dies nicht, das haben vor mehr als 50 Jahren Rennläufer wie Eberhard Riedel bewiesen. Zwischenzeitlich war der leistungssportliche Anspruch aber zu den Akten gelegt worden, die vergleichsweise kurzen Hänge auf dem Fichtelberg wurden als ungeeignet angesehen. Mittlerweile hat sich das geändert.

"Wir werden akzeptiert, von den Verbandstrainern und bei uns von denen anderer Disziplinen", sagt Stützpunkttrainer Dimitri Binz. Er betreut derzeit sieben Internatsschüler, die nach entsprechender Entwicklung ab der 8. oder 9. Klasse nach Berchtesgaden wechseln. Die Erste des "Projekts Oberwiesenthal" war Lydia Müller. Ihr folgten dann Julia Mehner, Severin Thiele, die Drebacherin Hanna Gärtner und zuletzt Enya Pfister. Andere Talente stehen auf dem Sprung.

Dabei sind die Bedingungen keineswegs optimal, doch Oberwiesenthal überzeugt mit der Betreuung an Eliteschule und Internat, sodass mit Leonie Bachl-Staudinger sogar ein Mädchen aus der Nähe von Regensburg an den Fichtelberg gezogen ist. Und die 13-Jährige hat gerade gezeigt, dass in Sachsen vieles richtig gemacht wird: "Sie hat im Allgäu ein Slalomrennen des Deutschen Schülercups gewonnen", so Binz. Dies untermauere, dass im Erzgebirge maßgebende Fertigkeiten geschult werden können.

"Um mehr erreichen zu können, müsste ein zweiter Trainer her. Auch Flutlicht auf dem Übungshang am Wäldchen wäre super", so Binz. Sein Tag beginnt nicht selten bereits 6 Uhr. Dann geht's raus mit dem Schneemobil, werden Stangen gesteckt und Materialien zurechtgelegt. "Wir müssen ja nach dem Morgentraining verschwunden sein, wenn der touristische Skibetrieb beginnt", so Binz. Wenn abends die Touristen weg sind, ist es finster, sodass neben den Wettkämpfen nur die rund 40 Gletschertage bleiben.

Letztere wiederum sind kein preiswertes Unterfangen. Hinzu kommen Ski für Slalom und Riesenslalom, Helm, Handschuhe, Stöcke ... "Auf den Gletscher gehen wir schon mit den Mädels und Jungs der U 10. Das ist das goldene Lernalter und strategisch wichtig fürs Basistraining", erklärt Binz. Nicht alle Familien können sich dies leisten, demzufolge bleiben einige Talente schon aus finanziellen Gründen auf der Strecke. Wer dann ab Klasse 7 ins Internat der Eliteschule darf, hat schon viel gewonnen.

Mit der Zschopauerin Lynn Fischer und Hilde Gärtner aus Drebach haben zwei talentierte Sportlerinnen aus dem mittleren Erzgebirge den Sprung an den Stützpunkt geschafft. Zwar musste die junge Motorradstädterin krankheitsbedingt nach dem Jahreswechsel etwas kürzertreten, doch haben sich beide auf nationaler Ebene viel vorgenommen. Zunächst einmal gilt es aber an diesem Wochenende, bei den Landesmeisterschaften zu überzeugen. Bevor am Sonntag die Slalom-Titel in Schöneck vergeben werden, haben die Sportschülerinnen morgen ein Heimspiel. Schließlich wird der Riesenslalom-Wettbewerb am Fichtelberg ausgetragen.

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