Mit links auf dem Sprung

Handball: Clemens Fritsch aus Marienberg will sich beim Zwönitzer HSV in der Verbandsliga durchbeißen

Mit einem Heimspiel gegen die SG Chemnitzer HC weihen die Verbandsliga-Handballer des Zwönitzer HSV heute, 16 Uhr, ihre sanierte Turnhalle ein. Vor großem Publikum wird das speziell für einen Rückraumspieler ein besonderer Moment: Clemens Fritsch. Der 22-jährige Marienberger, der bislang für den TSV Zschopau in der 1. Bezirksklasse spielte, greift nun zwei Etagen höher an. Über seinen Start und die Erwartungen hat Andreas Bauer mit ihm gesprochen.

Freie Presse: Marienberg ist in erster Linie für den Damen-Handball bekannt. Nun will es auch ein Mann aus dieser Stadt auf Landesebene wissen ...

Clemens Fritsch: In meiner Familie ist Handball eine Tradition. Das hat aber weniger mit dem HSV 1956 Marienberg zu tun, denn mein Großvater hat schon früher in Fraureuth Feldhandball auf höherem Niveau gespielt. Mein Vater war dann in Leipzig und Marienberg, später auch für den TSV Zschopau in der Verbandsliga aktiv. Ich bin quasi in der Halle groß geworden.

Haben Sie sich viel von Ihrem Vater Michael Fritsch abgeschaut?

Seine Aktiven-Zeit habe ich kaum noch erlebt. Aber er hat auch später die Zschopauer Spiele immer angeschaut und mich mitgenommen. So wuchs bei mir das Interesse. Mit 13 Jahren habe ich dann angefangen, in Marienberg zu trainieren. Dabei konnte ich meinen Vater als Trainer reaktivieren. Als solcher hat er mir dann schon viele Tipps gegeben, während ich im Nachwuchs gespielt habe. Zunächst in der Spielgemeinschaft Zschopau/Marienberg, dann hat Zschopau mit Borstendorf kooperiert. Und zuletzt habe ich für die Männer des TSV gespielt.

Als wurfgewaltiger Linkshänder waren Sie ein Zschopauer Leistungsträger in der 1. Bezirksklasse. Wie kam es zum Wechsel nach Zwönitz?

Die Initiative ging nicht von mir aus, es war eher ein Zufall. Weil die Zwönitzer letztes Jahr wegen eines Wasserrohrbruchs in der Halle ihren Sparkassen-Cup nicht austragen konnten, haben sie kurzfristig am Pokalturnier in Zschopau teilgenommen. Da bin ich ihnen wohl aufgefallen. Wie ich hinterher erfuhr, hat mich Kapitän Sven Hartenstein beim Vorstand ins Gespräch gebracht - und dann kam der Anruf vom Vorsitzenden Ralf Beckmann.

Mussten Sie lange überlegen, ob Sie das Angebot annehmen?

Ich habe die Entscheidung lange hinausgezögert, was aber keine sportlichen Gründe hatte, sondern berufliche. Weil ich neben meiner Arbeit als Mechatroniker noch dreimal pro Woche die Technikerschule in Chemnitz besuche, um einen Abschluss in Maschinenbau zu erreichen, habe ich weniger Zeit fürs Training. Aber das war für die Zwönitzer in Ordnung, auch in ihren Augen hat der Beruf Vorrang. Also habe ich im Frühjahr zugesagt.

Wie wurden Sie aufgenommen?

Richtig herzlich. Es ist eine dufte Truppe, die auch abseits von Training und Spiel mal was gemeinsam unternimmt. Zum Beispiel gehen wir nach dem Heimspiel gegen Chemnitz alle zusammen essen - und das ist nicht das erste Mal.

Haben Sie sich auch sportlich schon gut eingelebt?

Zunächst mal ist zu sagen, dass die Vorbereitung generell schwierig war. Weil der Hallenumbau länger dauerte als geplant, mussten wir oft unter freiem Himmel trainieren. Da wurde viel Wert auf Kondition gelegt. Nach drei Wochen haben wir endlich den Ball gesehen, als wir nach Schneeberg und in unsere kleine Halle auswichen. Für mich lief es in den Testspielen und den ersten drei Liga-Spielen ziemlich wechselhaft. Das liegt wohl daran, dass ich derjenige mit der wenigsten Erfahrung bin und noch viel lernen muss.

Das klingt nach einer Rolle als Ergänzungsspieler?

So sollte man es nicht formulieren. Ich darf schon mehr als 30 Minuten pro Partie ran, was mich selbst etwas überrascht. Aber der Trainer schenkt mir das Vertrauen. Zuletzt habe ich sogar zur Anfangsformation gehört, und gegen Döbeln gelangen mir immerhin vier Tore. Aber leistungsmäßig ist es immer noch ein Auf und Ab. Knackpunkt dabei ist in meinen Augen das Training. Wenn ich öfter dabei bin, läuft es bestimmt noch besser. Schließlich haben wir uns viel vorgenommen, wollen ganz oben mitspielen. Mit vier Neuzugängen ist das Team so gut aufgestellt wie lange nicht.

Letzte Frage: Worin liegt der große Unterschied zwischen Bezirksklasse und Verbandsliga?

Das Spielverständnis ist ein anderes, weil viele schon jahrelang auf hohem Niveau spielen. Wie in Zschopau haben wir auch in Zwönitz einstudierte Kombinationen, aber die werden meistens spontan geändert und der jeweiligen Situation angepasst, weil jeder ein Auge für seinen Nebenmann hat. Dabei ist natürlich auch das Tempo viel höher, wobei es trotz aller Zweikampfhärte fairer zugeht. Wenn einer frei durch ist, greift ihm keiner mehr in den Arm.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...