Rekordverdächtig: Schlaflos von Paris bis zum Atlantik und zurück

Hinter Radsportler Björn Lenhard liegen unvorstellbare Strapazen. Der gebürtige Bärensteiner saß in Frankreich nonstop mehr als 42 Stunden im Sattel. Und das nächste Abenteuer wartet bereits.

Bärenstein.

Paris ist nicht nur ein gutes Pflaster für verliebte Träumer, sondern auch für verrückte Abenteurer. Davon kann auch Björn Lenhard berichten. Denn der gebürtige Bärensteiner, der mittlerweile im Bannewitzer Ortsteil Goppeln lebt, hat sich in Frankreich einer ganz besonderen Herausforderung gestellt: dem Fahrradmarathon Paris Brest Paris. Gemeinsam mit 6000 Startern aus mehr als 40 Ländern wollte Lenhard 1230 Kilometer und mehr als 10.000 Höhenmetern von Paris zum Atlantik und zurück meistern. Er schaffte es - nonstop, ohne Schlaf in rekordverdächtiger Zeit.

Dabei tritt der ehemalige Skibobfahrer erst seit 2011 regelmäßig in die Pedale seines Rennrads. Erste Erfahrungen mit längeren Strecken sammelte er bei der Vier-Hübel-Tour, der Fichkona und der Elbspitze, bei der die Sportler 750 Kilometer und 12.500 Höhenmeter von Dresden bis nach Österreich zurücklegen müssen. "Für mich die beste Vorbereitung. Mit diesen Erfahrungen konnte ich mir einen Plan für Paris Brest Paris machen. Und der war ziemlich simpel", erklärt Lenhard. Zwar hatte der gebürtige Erzgebirger bis zu maximal 90 Stunden Zeit, die Bretagne im Sattel zu durchqueren. Doch Lenhard setzte sich ehrgeizigere Ziele. "Einen 30er-Temposchnitt, maximal 15 Minuten Standzeit an den Kontrollen und kein Schlaf. Macht zusammen etwa 44 Stunden und 15 Minuten." Den Plan befestigte der Extremsportler am Rahmen seines Fahrrades. Stets den Antrieb vor Augen.

Pünktlich 16.01 Uhr startete er im Block A mit 250 Fahrern im Velodrome National im Pariser Vorort Guyancourt. Wendepunkt war die Stadt Brest im Westen Frankreichs, am Ausgang des Ärmelkanals in den Atlantik. Alles lief nach Plan. Dank einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28,9 km/h überquerte er als Erster seiner Gruppe das Ziel. Die rekordverdächtige Zeit: 42:26 Stunden. "Ich war überglücklich. Viele schüttelten auch ungläubig den Kopf über die gefahrene Zeit, zumal ich im Alleingang und ohne Helfer unterwegs war."

Einsam fühlte er sich während des Radmarathons trotzdem nicht. Im Gegenteil: "Ich hatte tolle Erlebnisse. Überall standen Zuschauer am Straßenrand und feuerten mich an. Die Dörfer waren geschmückt mit allen möglichen Arten von Fahrrädern. Von riesig groß bis klein, von neu bis alt. Man merkte, dass die Franzosen eine ganz andere Beziehung zum Fahrrad haben als wir Deutschen."

Doch mit dem erfolgreichen Abschneiden bei Paris Brest Paris ist der gebürtige Bärensteiner noch längst nicht am Ziel seiner Träume. Er hat noch ein größeres Abenteuer vor Augen: die Teilnahme am Race across America, eines der härtesten Rennen der Welt. Dabei handelt es sich um ein 4800 Kilometer langes Einzelzeitfahren quer durch die USA von der West- zur Ostküste. In drei bis fünf Jahren will sich Lenhard diesen Traum erfüllen. "Ich denke, dass es für mich machbar ist, wenn es denn irgendwie zu finanzieren wäre." Bis dahin will er noch einige Rennen in Europa mit bis zu 3000 Kilometern Länge meistern.


Paris-Brest-Paris

Paris-Brest-Paris ist ein berühmter Fahrradmarathon, der aller vier Jahre ausgetragen wird. Die Teilnehmer müssen eine 1200 Kilometer lange Strecke von Paris zur am Atlantik gelegenen Stadt Brest und zurück innerhalb von 90 Stunden meistern.

Das Rennen wurde 1891 von Pierre Giffard ins Leben gerufen. Es sollte Werbung für das Fahrrad machen und die Haltbarkeit des Fortbewegungsmittels testen. Aus der Amateurklasse bildeten sich 1931 zwei Radmarathons, ein Brevet und ein Audax.

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