Traditions-Verein ist nun um 40 DDR-Einstern-Bälle ärmer

Die Mildenauer Schneidbrett-Meisterschaft ist eine Besonderheit. Jetzt haben 42 Teilnehmer bei der 6. Auflage um die Titel gekämpft. Stefan Meiner aus Thum schaffte es zum vierten Mal auf den Thron.

Mildenau.

Auch wenn es keinen Teilnehmerrekord gab, geht ein Höchstverbrauch bei der 6. Mildenauer Schneidbrettmeisterschaft in die Geschichte ein. 42 Starter aus Sachsen, Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen - wahre Spezialisten im Umgang mit der 38-Millimeter-Zelluloidkugel - schafften es, dass rund 40 DDR-Tischtennisbälle in acht Stunden Spielzeit an den fünf Platten in der Turnhalle an der Dorfstraße zerschmettert wurden. Als echter Künstler erwies sich der Thumer Stefan Meiner, der im Einzel bereits zum vierten Mal triumphierte. Im Finale bezwang der amtierende Oberligaspieler des TSV Gornsdorf den Chemnitzer Bezirksligamann Jörg Protzner mit 3:1 Sätzen. "Heute lief es super, ich kam mit den Bedingungen hervorragend zurecht", freute sich der Thumer, der damit einen persönlichen Rekord bei so einem Spaßturnier aufstellte. Da zollte auch Enrico Fussy aus dem badem-württembergischen Mutschelbach als einstiger Vizemeister mit Rang 3 großen Respekt. Und der Mildenauer Andreas Weisbach lobte: "Stefan kann halt im entscheidenden Moment noch eine Schippe drauf legen."

Im Doppel sorgte das Annaberger Erzgebirgsliga-Duo Patrick Koch/ Tom Förster mit seinem Sieg für die große Überraschung. Alle höherklassigen Akteure mussten da passen. "Das ist eben das Schöne an der Meisterschaft, diese Chancengleichheit, trotz der Klassenunterschiede", betont Turnierorganisator Reymond Groschopp. Er selbst konnte das auch erfahren, als er unter den besten 12 gegen die Regionalligaspielerin Maja Meyer bereits mit 2:1-Sätzen überraschend in Front lag und dann zweimal trotz 9:3-Führung passen musste. Die Leutzscherin war übrigens eine von nur zwei Frauen, die sich zum Turnier unter die Männerschar gemischt hatte.

Besonders prickelnd bei dem diesjährigen Turnier waren die neuartigen Holzbretter, die Turnierorganisator Reymond Groschopp noch ein paar Tage vor dem Turnier ganz kurzfristig aus Düsseldorf anliefern ließ. Die 0,9 Zentimeter starken und 28 Zentimeter großen Frühstücksbrettchen, wurden für ihren Einsatz extra am Griff für lange Spieleinsätze noch angeschliffen. Und dann das Klacken von den Zschopau-Einsternbällen, die bereits 25 Jahre und mehr auf dem Buckel haben: Es verlieh dem Turnier den besonderen Charakter. "Das ist ein einzigartiges Geräusch", betonte Groschopp, der sogar von einem Radiosender zum Turnier interviewt wurde. Dass so viele Bälle wie noch nie kaputt gegangen sind, hätten die Mildenauer selbst nicht gedacht. "Das lag wohl an den neuen Schneidbrettern ohne Gummibelag. Da ist der Aufschlag härter und die Bälle bekommen schneller Risse", sagt Oberschiedsrichter Achim Nestler. Doch die unter Tischtenniskennern gehandelten Raritäten gebe es derzeit noch reichlich. "Noch für zirka drei Jahre reicht unser Vorrat. Dann müssen wir neue Bälle ordern, haben da auch schon eine gute Quelle ausfindig gemacht", sagt Nestler. So haben die Mildenauer schon die nächste Auflage ihres wohl einmaligen nos-talgischen Brettl-Turnieres im Blick. "Da werden wir die Griffe noch verbessern", blickt Spartenleiter Pedro Funke voraus. Doch erst einmal fiebern die Mildenauer Tischtennisspieler einem weiteren Vereinshöhepunkt in diesem Jahr entgegen: Im Mai feiern sie das 50-jährige Bestehen der Tischtennisabteilung.

Ergebnisse:

Einzel: 1. Stefan Meiner (TSV Gornsdorf), 2. Jörg Protzner (Rapid Chemnitz), 3. Enrico Fussy (TTC Mutschelbach)

Doppel: 1. Koch/Förster (TTC Annaberg), 2. Meiner/Protzner (Gornsdorf/Chemnitz), 3. Schmalz/Meyer (Leutzscher Füchse), 3. Fussy/Schramm (Mutschelbach/Fulda)

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