Großer Bahnhof für Talente

Ein Dutzend Leichtathleten der LG Mittweida sind im Rahmen des Rochlitzer Kugelstoßmeetings geehrt worden. Dabei ist es für die Riege nicht selbstverständlich, einen Kaderstatus zu erhalten.

Mittweida.

In den vergangenen drei Tagen ist Stephanie Seidel viel unterwegs gewesen. Die Hochspringerin der LG Mittweida hatte nicht nur gestern eine Prüfung zum Thema IT-Sicherheit zu bewältigen, sondern machte mit ihrem Trainer Michael Sperling am Mittwoch einen Abstecher zu den Deutschen Hochschulmeisterschaften, der sich gelohnt hat.

Die 20-jährige Studentin der Allgemeinen Forensik, die in Frankfurt für die Hochschule Mittweida an den Start ging, holte den Titel. Dabei übersprang sie erstmals in ihrer Karriere die 1,80 Meter. "Alle anderen Athletinnen waren schon ausgeschieden, sodass ich beruhigt die Höhe angehen konnte", sagt sie. Da die Meisterschaft kurzerhand als Normwettkampf für die Deutschen Hallenmeisterschaften zugelassen wurde und sie die Norm erfüllte, darf sie am 18. Februar bei der Deutschen Hallenmeisterschaft der Elite in Dortmund mitmischen.

"Sie hat zum ersten Mal in ihrer Karriere ihre eigene Körpergröße übersprungen", sagt Michael Sperling. Durch die Leistung am Mittwoch machte die Studentin zugleich einen Satz in der deutschen Jahresbestenliste, in der sie nun auf Rang 5 geführt wird.

"Theoretisch hätte Stephanie nun auch einen Kaderstatus", sagt Sperling. Doch ihr geht es dabei ähnlich wie seinen Sprint-Assen Anne Weigold und Florian Heinich. "Von den Zeiten her wären sie locker im Bundeskader, allerdings müssten sie dafür an einen der Leistungsstützpunkte wechseln", sagt der LG-Trainer. Denn: Nur wer in Leipzig, Dresden oder Chemnitz trainiert, erhält in den älteren Jahrgängen den Kaderstatus. Die Mittweidaer Talente verzichten darauf. "Weil wir ja auch langsam mitbekommen, wie dort gearbeitet wird", sagt Sperling.

Dass alle Talente am Stützpunkt trainieren, sei für ihn nicht unbedingt leistungsfördernd. "In Chemnitz gibt es Beispiele, in denen Athleten den Stützpunkt wieder verlassen haben, weil die Trainer keine Zeit für den Einzelnen haben", fügt er an. Darum gelte es umso mehr, in Mittweida eigene Wege zu gehen und selbstständig zu bleiben.

Sperling zählt die Athleten, die aufgrund ihrer Leistung eigentlich einen Kaderstatus haben müssten, zu seiner Riege dazu. Er ehrte im Rahmen des Kugelstoßmeetings zwölf seiner Sportler. "Und es sind ja nicht nur Athleten aus dem Landes-, sondern auch aus dem Bundeskader, also mit viel Qualität", sagt er. Doch je höher seine Sportler kommen, desto mehr Barrieren gebe es, weil das Konkurrenzdenken beginne. "Wir wollen uns in Mittweida eigene Strukturen aufbauen, und dabei helfen inzwischen viele mit", lobt er.

Auch der Leiter für den Leistungssport am Olympiasstützpunkt Halle, Hardy Gnewuch, ist angetan von den Erfolgen und Initiativen des Teams. "Sie sind gerade dabei, die Leichtathletik in Mittweida wieder salonfähig zu machen."

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