Mit den Besten der Welt im Ring

Die 17-jährige Emily Mauermann aus Großschirma startet bei der U 18-WM im Boxen in Indien. Insgeheim träumt sie aber schon von Olympia.

Großschirma.

Emily Mauermann ist gestern zu ihrer bislang weitesten Reise aufgebrochen. Knapp 7000 Kilometer von ihrem Heimatort Großschirma entfernt klettert die 17-jährige Boxerin ab Sonntag bei der Junioren-Weltmeisterschaft im indischen Guwahati in den Ring. Begleitet wird sie dabei von ihren ebenfalls qualifizierten Trainingspartnerinnen Maxi Klötzer und Sabine Fiedler aus Chemnitz sowie vom gemeinsamen Trainer René Benirschke.

Für die junge Athletin ist die Reise etwas ganz Besonderes. Zwei Jahre zuvor scheiterte eine geplante Teilnahme an der U 17-EM in der Türkei an der Finanzierung. "Es gab kein Geld vom Deutschen Boxsport-Verband", erinnert sich Olaf Leib, der Präsident des Sächsischen Boxverbandes. Als Landestrainer hat er auch die sächsischen Talente wie Emily Mauermann in Chemnitz unter seinen Fittichen. Die Rahmenbedingungen für die U 18-WM in Indien seien dagegen gut, sagt Leib. Der DBV übernahm neben den Reisekosten auch die für einen Vorbereitungslehrgang in Frankfurt/Oder, den die jungen Boxerinnen vergangene Woche absolvierten.

Für Emily Mauermann ist der Start in Indien die größte sportliche Herausforderung. Auf nationaler Ebene reihte die 17-Jährige bislang Erfolg an Erfolg. Dreimal in Serie gewann sie bei Deutschen Meisterschaften den Titel, in diesem Jahr in der Klasse bis 57 Kilogramm. Bei den Wettkämpfen in Cottbus wurde sie zudem als beste Technikerin ausgezeichnet. Bei internationalen Meisterschaften gab es für die Großschirmaerin, die für den Roßweiner SV startet, dagegen nichts zu holen. Sowohl bei der Jugend-EM 2015 in Budapest als auch 2017 in Sofia schied die Boxerin in Runde 1 aus.

Trotzdem ist Emily Mauermann zuversichtlich: "Ich will in Indien meine Leistung bringen", betont die 17-Jährige, die auf ihren starken Siegeswillen setzt. Sie habe ein positives Gefühl, obwohl sich die Federgewichtlerin der großen Konkurrenz bewusst ist. Auch Landestrainer Olaf Leib hält den Ball sehr flach: "Sie hat sehr starke Gegnerinnen in ihrer Gewichtsklasse. Ein Weiterkommen wird sehr schwer."

Auch ihr ehemaliger Coach und Förderer Steve Hengst möchte für Emily Mauermann kein konkretes Ziel ausrufen. "Schon die Qualifikation für das Turnier ist ein Riesenerfolg", ist der Trainer des Roßweiner SV stolz auf seinen ehemaligen Schützling. Eher zufällig hat er das große Talent der jungen Boxerin erkannt. "Ihre Schwester Julia boxte bei uns im Verein", berichtet Hengst. Emily und ihre Mutter seien immer mitgekommen. Irgendwann habe Emily einfach mittrainiert und sofort Gefallen an der Sportart gefunden. "Vor allem ihre Beweglichkeit war beeindruckend", lobt ihr Heimtrainer. Da es beim Roßweiner SV aber nur wenige Mädchen gab, trainiert die Großschirmaerin mittlerweile seit sechs Jahren am Landesstützpunkt in Chemnitz.

Für den sportlichen Erfolg haben Emily Mauermann und ihre Familie einige Mühen auf sich genommen. Um mehr Zeit für das Boxen zu haben, dehnte die Schülerin der Chemnitzer Sportoberschule die Klassenstufen 9 und 10 auf drei Jahre. Bis voriges Jahr wurde sie von ihrer Mutter und ihrer Oma von Großschirma nach Chemnitz gefahren. Erst mit dem Wechsel auf das Internat der Sportoberschule änderte sich die Situation. "Seitdem habe ich mehr Zeit für mein Training", sagt die ehrgeizige Sportlerin.

Vielleicht kann sie dadurch die entscheidenden Prozente herausholen, um sich den Traum von einer Olympiateilnahme zu erfüllen. Die Junioren-WM in Indien ist zugleich Qualifikationsturnier für die Olympischen Jugendspiele im Sommer 2018 in Buenos Aires.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...