"Wenn es regnet, muss ich nicht mehr raus"

René Birkenfeld, früherer Radprofi aus Freiberg und Deutscher Meister im Cyclocross (Radcross), tüftelt jetzt in Stuttgart an Rennradrahmen

Aus Mittelsachsen kommen viele überregional erfolgreiche Sportler. Was machen diese eigentlich nach ihrer Karriere? Steffen Bauer sprach mit dem Freiberger René Birkenfeld (30), Deutscher Crossmeister 2007, der von 2005 bis 2011 als Rad-Profi für die Teams Stevens und Focus im Sattel saß.

Freie Presse: Hallo, Herr Birkenfeld. Soeben ist die 100. Tour de France zu Ende gegangen, jetzt sorgen neue Dopingenthüllungen fast täglich für Schlagzeilen. Sind Sie in Ihrer Sportart noch auf dem Laufenden?

René Birkenfeld: Ich habe die Tour mit Interesse verfolgt, da wir quasi mit einem Team vertreten waren. Ich arbeite bei der Firma Derby Cycle, die die Marke Focus herstellt. Damit ist das französische Team AG2R La Mondiale unterwegs - und durchaus erfolgreich. Mit Chris- tophe Riblon hat unter anderem ein Fahrer auf einem Focus-Rad die Königsetappe nach L'Alpe d'Huez gewonnen.

Was machen Sie jetzt beruflich?

Ich bin, wie gesagt, bei Derby Cycle, dem größten deutschen Fahrradhersteller, und dort seit zwei Jahren in der Entwicklungsabteilung, die in Stuttgart sitzt. Mein erstes großes Projekt als angehender Ingenieur war das Izalco Max, das gerade erstmals öffentlich vorgestellt wurde. Dafür war ich unter anderem über drei Monate bei unserem Fabrikanten in China. Und nebenbei schreibe ich noch meine Diplomarbeit an der TU Dresden zu Ende, wo ich Leichtbau studiert habe.

Bleibt da eigentlich Zeit, noch selbst aufs Rad zu steigen?

Gelegentlich, aber nur für mich und, um fit zu bleiben. Wenn es die Zeit zulässt, fahre ich zwei- bis dreimal pro Woche zwischen eineinhalb und drei Stunden, aber ohne Druck und nur zum Spaß. Wenn es regnet, muss ich nicht mehr raus ... Ab und zu fahre ich noch Mountainbike-Marathons oder bei Amateur-Straßenrennen wie kürzlich in Dresden. Die will ich vor allem als Erlebnis genießen und komme so auch immer nur im Hauptfeld an. Ums Gewinnen geht es nicht mehr.

Als Radsportler nun im Büro beim größten deutschen Radhersteller - ist für Sie ein Traum in Erfüllung gegangen?

Definitiv. Das ist genau das, was ich nach dem Studium und meiner Karriere machen wollte. Wir tüfteln hier in Stuttgart vor allem im sportiven Bereich. Beim Izalco Max habe ich den Lagenaufbau des Rahmens optimiert. Der gesamte Rennradrahmen wiegt nun 750 Gramm.

Was würde so ein Rad kosten?

Zwischen 5000 und 8000 Euro. Das ist sicher nichts für normale Hobbyradler, sondern für Profis und sicher auch für Enthusiasten. Focus orientiert sich dabei vor allem auf den internationalen Markt.

Was sagen Sie zu den jüngsten Dopingenthüllungen? Hat der Radsport überhaupt noch eine Zukunft?

Das hat natürlich ungemein geschadet. Aber es ist richtig, dass alles, wenn auch nach und nach, aufgedeckt wird. In Deutschland wird das Problem strenger angefasst als anderswo, und die neue Generation um André Greipel und Marcel Kittel ist sicher glaubwürdig. Ich habe nie gedopt und immer meinen Weg verfolgt. Der war vor allem, stets zweigleisig zu fahren - mein Studium hat mir zusätzlichen Rückenhalt verschafft, wenn Erfolge ausblieben.

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