1366 nutzen das Kaiserwetter

Hut auf, Schuhe geschnürt, Rucksack geschultert: Hochbetrieb herrschte am Sonntag bei der 37. Erlbacher Bergwanderung.

Erlbach.

Für Christian Wunderlich aus Landwüst war die Wanderung schon zur Hälfte der Strecke beendet - aber nicht, weil ihn Blasen an den Hacken plagten oder er einen Hungerast hatte. Als er verschwitzt und in Eile wieder im Freilichtmuseum ankam und sich den Stempel für die Teilnahme abholte, erzählte er: "Meine Frau hat mich angerufen, dass ich unbedingt nach Hause kommen soll, weil bei uns im Garten ein Bienenschwarm hängt." Deshalb musste der Hobbyimker kehrtmachen: um das Volk einzufangen und zu sichern.

Blasen vom Stempeln

Apropos Stempel und Blasen: Mit Beidem machte Hartmut Reinhold Bekanntschaft. An der Seite von Jochen Krebs empfing er am Kontrollpunkt nahe Wernitzgrün die Wanderer und bestätigte ihnen im Wanderheft die Teilnahme, bevor sie sich am Picknickstand unter anderem mit Fett- und Leberwurstbroten stärken konnten. Viele Wanderer, viele Stempel, die sorgfältig und kräftig aufgedrückt werden mussten - Hartmut Reinhold hat noch für die nächsten Tage eine Erinnerung daran.

Die Erinnerung an die Wanderung war für Heidemarie Seidel, Karin Stengel und Christa Knorr noch am Abend an den Händen riechbar, nachdem sie von früh an und den Vormittag über unzählige Zwiebeln geschnitten und Fischsemmeln belegt hatten. Trotz Tränen in den Augen verging ihnen das Lachen nicht: "Früher sind wir selbst auch gewandert, heute helfen wir eben, wo es nur geht."

Drei kleine Episoden am Rande, die für sich sprechen und dafür, warum Jahr für Jahr die Erlbacher Bergwanderung ein Mekka für alle Tippelfreunde ist - sei es bei Regen, mitunter sogar Schneetreiben oder erst recht wie am Sonntag bei einem Wetter, um Helden zu zeugen. In die Startlisten zur 37. Auflage schrieben sich 1366 Teilnehmer ein. Der Älteste war mit 84 Jahren Johannes Meinel aus Wernitzgrün, die Jüngste Sophia Bäuml (fünf Wochen) aus Greiz. Als stärkste Gruppe machten sich Jungen und Mädchen vom Kinderheim Tannenmühle auf den Weg, und erfreulich war auch, dass wieder Wanderfreunde aus Sokolov/ Falkenau nach Erlbach kamen.

Feuerwehr und Fußballer helfen

Fazit von Sebastian Schüller, Vorsitzender des Erlbacher Bergwandervereins. "Wir sind mehr als zufrieden, auch wenn wir den Rekord aus dem Vorjahr nicht geknackt haben. Da waren es noch 50 mehr. Dass alles so wunderbar geklappt hat, liegt auch daran, dass wir von der Feuerwehr und den Fußballern unterstützt wurden. Dafür haben sie sich von uns ein großes Dankeschön verdient."

Alle Jahre wieder und trotzdem immer mal wieder etwas Neues. Unter Federführung der Sportjugend Vogtland und des Vogtländischen Gebirgs- und Wandervereins wurde erstmals eine spezielle Kindertour angeboten, die bestens angenommen wurde: 104 Teilnehmer, einschließlich Eltern, Omas und Opas, aber ausschließlich Vierbeiner.


"Wandern mit Köpfchen" vermag auch Kinder für das Naturerlebnis zu begeistern

Erstmals gab es eine Tour speziell für Kinder. Mit dem Koordinator, Michael Degenkolb von der Sportjugend Vogtland, sprach Eckhard Sommer.

"Freie Presse": Warum haben Sie diese Wanderung organisiert?

Michael Degenkolb: Wir hatten schon voriges Jahr die gemeinsame Aktion "Komm raus in die Natur". Daran nahmen sechs Gruppen beziehungsweise Klassen aus dem Vogtland teil. Das wollen wir ausbauen, deshalb haben wir uns an die Erlbacher gewandt und wollten uns in ihre Bergwanderung einklinken. Schön, dass es so gut geklappt hat.

104 Teilnehmer - hatten Sie mit einem solchen Zuspruch gerechnet?

Gerechnet nicht, aber darauf gehofft. Es ist doch ein Zeichen dafür, dass wir richtig liegen, weil nicht gewandert wird, sondern gewandert mit Köpfchen.

Das heißt?

Auf der 5-Kilometer-Strecke waren Stationen eingebaut, an denen die Kinder zum Beispiel bei einem Quiz ihr Wissen über die Natur testen konnten oder gelernt haben, wie man eine Karte liest und Entfernungen schätzt. Wir haben Pflanzen und Bäume bestimmt, es gab einen kleinen Orientierungslauf, eine Schatzsuche und Zapfenzielwerfen. Den Kindern hat es Spaß gemacht. Als Anerkennung und Erinnerung bekam jeder ein Abzeichen.

Soll diese Aktion fortgesetzt werden?

Auf jeden Fall. Nächstes Jahr möchten wir dann mit einem anderen Wanderverein zusammenarbeiten, und auch bei den Vogtlandspielen in Plauen wird am 10. Juni so eine Wanderung zum Programm gehören. Bis jetzt haben sich sieben Grundschulen dafür angemeldet.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...