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"Dem Sieger im Fußball-Weitstoß". Die Medaille ist Anfang der 1970er-Jahre auf einer Müllkippe in Dittersdorf gefunden worden.
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Die Spur führt nach Plauen

Die Gravur auf einer 106 Jahre alten Medaille, die Anfang der 1970er Jahre auf einer Müllkippe gefunden wurde, wirft Fragen auf. Nicht alle können beantwortet werden.

Von Holk Dohle
erschienen am 13.01.2018

Dittersdorf/Plauen. Einen Sieger im Fußball-Weitstoß würde der 1. FC Wacker Plauen heute sicher mit Kusshand nehmen. Fußball-Weitstoß? Diese Übung gehörte vor 100 Jahren zum Fußball-Dreikampf. Aber was hat das mit dem Verein zu tun?

Dieter Hendrischke legt die Medaille auf den Tisch. Auf der Rückseite ist eine Gravur zu sehen, die nur sehr schwer zu entziffern ist. "Dem Sieger im Fußball-Weitstoß - F. C. Wacker - Pl. 30. 7. 1911", liest der Dittersdorfer mithilfe einer dicken Lupe. Anfang der 1970er-Jahre hat er die Medaille in seinem Heimatdorf gefunden - auf einer Müllkippe. "Da waren wir oft als Kinder", erinnert sich Hendrischke. Nachdem das Silberding dann fast ein halbes Jahrhundert lang in einer Kiste lag, will es der Dittersdorfer nun einem Jungen aus der Nachbarschaft schenken. "Das ,Pl.' bedeutet Plauen. Aber was ist Fußball-Weitstoß? Und wer war der Sieger?", fragt sich Hendrischke. Da die Medaille damals auf der Dittersdorfer Seite der Deponie gelegen habe, vermutet er, dass der Sportler aus dem Dorf gekommen ist.

Falk Forster, der sich mit der Geschichte des 1. FC Wacker Plauen beschäftigt, weiß es nicht. "Wir haben aus dieser Zeit fast keine Unterlagen", sagt der Hobby-Historiker. Bei Bombenangriffen im April 1945 war die Stadt zerstört worden. Dabei sei viel verloren gegangen. "Und zu DDR-Zeiten hat sich niemand die Mühe gemacht, die Entstehung der Sportvereine historisch aufzuarbeiten", bedauert der 47-Jährige. Fest stehe lediglich, dass der F. C. Wacker Plauen 1907 als reiner Fußballverein gegründet worden war. Von Fußball-Weitstoß sei ihm nichts bekannt, so Forster.

Christian Wolter, ein Sporthistoriker aus Mecklenburg-Vorpommern, ist sich dagegen sicher: "Das war damals üblich. Es gab sogar Vereine, die sich ,Weitstoß' nannten." Wie Hans-Georg Kremer, ein promovierter Sportwissenschaftler aus Jena, im März 2015 in der "Thüringischen Landeszeitung" schrieb, hat 1903 der Ballspielclub Victoria Erfurt ein leichtathletisches Meeting mit den Disziplinen Mallaufen über 100 Meter, 3000-Meter-Lauf, Dreisprung, Fußballziel- und Fußball-Weitstoßen veranstaltet. Es ist also davon auszugehen, dass auch im benachbarten Sachsen Sieger in derlei Körperübungen ermittelt wurden.

Aus welchem Verein aber kam der Sieger im Fußball-Weitstoß am 30. Juli 1911 in Plauen? Ein Blick in die 2008 zur 750-Jahr-Feier von Dittersdorf erschienene Chronik des heutigen Amtsberger Ortsteils lässt vermuten, dass der Weitschütze zum Turnverein (TV) Germania Dittersdorf gehörte. Dieter Hendrischke findet die Geschichte hochinteressant. "Wer der Dittersdorfer mit dem strammen Schuss war, bleibt zwar unklar", sagt er. "Aber wenn ich die Medaille jetzt verschenke, kann ich viel dazu erzählen." Und Falk Forster ist froh darüber, dass er der Historie des Plauener Vereins ein weiteres Mosaiksteinchen hinzufügen kann. "Vielleicht greifen wir die alten Traditionen auf und veranstalten bei einer passenden Gelegenheit einen Wettbewerb im Fußball-Weitstoß", sagt der Hobby-Historiker.

 
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