Plauener meistert Mauerweglauf

160 Kilometer rund um West-Berlin liegen hinter Sven Baumert. Bei der Regeneration setzt der 38-Jährige auf ganz spezielle Hilfe.

Plauen.

Bis zum Sparkassen-Marathon am 25. September dürfte Sven Baumert nach eigener Aussage wieder fit sein. Die 42,195 Kilometer durch Plauen und entlang seiner Trainingsstrecke auf dem Elsterradweg sind für den 38-Jährigen quasi eine Kurzdistanz. Zumindest beim Blick auf die Läufe, die Baumert sonst so absolviert: 2014 etwa meisterte er den Zugspitz-Ultratrail, ein Rennen über 100 km und mit 5420 Höhenmetern, vor kurzem jetzt den Mauerweglauf. Für die 161 Kilometer immer entlang der Grenze, die zwischen 1961 und 1989 West-Berlin zu einer Enklave auf DDR-Gebiet machte, benötigte er etwas mehr als 29 Stunden. "Mein Ziel war, gesund und innerhalb des Zeitlimits anzukommen", so Baumert. 30 Stunden hatten die Organisatoren den 350 Einzelstartern aus 33 Nationen für die Strecke Zeit gegeben, der israelische Ultramarathonläufer Ariel Rozenfeld brauchte für seinen Sieg in 15:20:48 Stunden nur knapp die Hälfte.

Der 38-jährige Plauener hatte sich im Vorfeld ganz genau überlegt, welches Tempo er laufen muss, um im Limit zu bleiben. Vor allem nachts wurde das zur teilweise zu großen Herausforderung. "Da wird man automatisch langsamer. Am schwierigsten waren aber die letzten Kilometer, da habe ich kaum noch die Beine hoch bekommen", erzählt Sven Baumert. Eigentlich hatte er sich die Teilnahme in Berlin schon 2015 vorgenommen. Doch ein Bruch im Außenknöchel bremste ihn in der Vorbereitung aus. Nach acht Wochen Pause war an Beinmuskulatur kaum noch etwas da und die Saisonplanung des Plaueners dahin. Im Kopf aber blieb dem 38-Jährigen der feste Wunsch, den Mauerweglauf ein Jahr später in Angriff zu nehmen.

Nach fünf Monaten intensivem Training und mit zehn Kilo weniger ging es morgens um 6 Uhr am geschichtsträchtigen 13. August im Jahn-Sportpark im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg los für den Bereichsleiter in einem Prüflabor. Gleich zu Anfang wartete eine Besonderheit auf die Läufer. Anlässlich des 55. Jahrestages des Mauerbaus trug jeder Teilnehmer am Brandenburg Tor einen Mauerziegel durchs Tor und schmiss ihn auf der anderen Seite in einen Container. "Gerade für die Berliner ist der Lauf mit vielen Emotionen verbunden. Das habe ich an der Strecke immer wieder gemerkt", erzählt Sven Baumert. Auf den T-Shirts für die Läufer sei zudem wie bei allen vier Auflagen zuvor wieder das Bild eines Maueropfers zu sehen.

Den Veranstaltern spricht der Plauener generell ein sehr großes Lob aus. Zwar wird die Strecke entlang des Mauerweges nicht extra abgesperrt für die Teilnehmer. Doch dank sehr guter Markierung - nachts hätten reflektierende Pfeile die Richtung vorgegeben - habe es laut Baumert keinerlei Probleme gegeben. "Es war alles sehr gut organisiert und eine sehr schöne Atmosphäre. Insgesamt gab es 27 Verpflegungspunkte, wo neben den üblichen Getränken und Bananen auch Feigen oder Oliven für uns bereitstanden", kommt der Vogtländer ins Schwärmen. Auf die eigene Verpflegung im Rucksack wollte Baumert aber nicht verzichten. Denn den Körper ständig zu versorgen, sei ein entscheidender Punkt, solch einen Lauf durchzustehen: "Man muss ständig essen, auch wenn man keinen Hunger hat. Das ist teilweise schwer und belastet auch zusätzlich." Im Ziel gab es eine kräftige Kartoffelsuppe zur Stärkung, die langersehnte Dusche und Baumerts Geheimrezept - Pferdesalbe. "Es gibt zwei Arten, zum Aufwärmen und Abkühlen. Da sind nur Kräuter drin, und mit der zum Abkühlen bearbeite ich meine Beine. Da geht es am nächsten Tag mit dem Muskelkater", erzählt er. Den nächsten sportlichen Höhepunkt hat Sven Baumert bereits im Kopf: den Mauerweglauf 2017. Die Strecke ist dann zwar die gleiche, allerdings in umgekehrter Richtung. Der Reiz, noch einmal in Berlin am Start zu stehen und vor allem auch ins Ziel zu kommen, ist aber ein anderer. "Wer so einen Ultralauf zwei Jahre in Folge meistert, bekommt eine Back-to-Back-Medaille. Die zu haben, wäre schon schön."

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