Vogtländer holt deutschen Meistertitel

Nachwuchsringer Franz Richter aus Markneukirchen ist seiner Favoritenrolle in Plauen gerecht geworden. Auch die anderen Vereine der Region können jubeln.

Plauen.

Noch laufen gestern Mittag bei der Deutschen Meisterschaft der A-Jugend in Plauen die letzten Sekunden im Finalkampf der Gewichtsklasse bis 100 kg, da reißt Franz Richter schon die Arme in die Höhe. In den vergangenen vier Minuten hat der Ringer vom AV Germania Markneukirchen in der Sporthalle an der Wieprechtstraße keinen Zweifel an seinen Titelambitionen aufkommen lassen, souverän holt er sich gegen Matthias Wimmer aus Bayern Punkt um Punkt. Am Mattenrand fiebern Mutter Kristina sowie die Geschwister Niklas und Lina Marie mit, stimmen in die "Franz, Franz"-Sprechchöre ein. "Die Rufe habe ich gegen Ende schon gemerkt. Diese Gefühl war großartig", erzählt der 17-Jährige mit der Goldmedaille um den Hals.

Sein Erfolg bildete aus vogtländischer Sicht den perfekten Abschluss von drei Tagen Deutscher Meisterschaft. In 250 Duellen suchten 136 Sportler in zehn Gewichtsklassen seit Freitagabend die neuen Titelträger und Medaillengewinner. Auf dem Weg ins Finale hatte Franz Richter keinen Zweifel an seiner Favoritenrolle aufkommen lassen und alle Kämpfe souverän gewonnen. Unter anderem gegen Kevin Drehmann vom KSV Pausa, der sich nach dieser einen Niederlage im kleinen Finale die Bronzemedaille sichern konnte. "Kevin hat noch ein weiteres Jahr im Kadettenbereich, das sollte er nutzen, um 2016 ganz vorn zu stehen", ist Landestrainer Andreas Bering optimistisch.

Für den KSV-Vorsitzenden Ulrich Leithold rundete das gute sportliche Abschneiden der Pausaer Sportler - neben Drehmann wurden Nils Buschner und Chris Militzer in ihren Gewichtsklassen Vierter sowie Sechster - eine gelungene Deutsche Meisterschaft aus Sicht der Ausrichter ab. "Kleinigkeiten gibt es immer, die wir verbessern können. Aber ich denke, wir waren ein würdiger Gastgeber für die gesamte Ringerregion. Ein absolutes Kompliment geht an die Helfer. Einige haben extra Urlaub genommen", freut sich Leithold, dass der gesamte Verein mitzieht bei der Großveranstaltung.

Die nächste könnte in zwei Jahren anstehen. Wie Jannis Zamanduridis, Sportdirektor des Deutschen Ringerbundes, sagt, gibt es beim Verband Bestrebungen, 2017 eine internationale Nachwuchsmeisterschaft auszurichten. "Das ist jetzt keine Lobhudelei: Die Pausaer verstehen es, rundum super organisierte Wettkämpfe auf die Beine zu stellen. Man hat zudem wirklich das Gefühl, dass der Sport hier in der Region einen hohen Stellenwert hat", kann sich Zamanduridis eine erneute Zusammenarbeit mit den Vogtländern vorstellen. Sportlich gesehen hat er für die Kadetten-Europameisterschaft - so heißt die A-Jugend international - neben Franz Richter auch Friedrich Fouda (76 kg) vom ASV Plauen im Blick. Der war gestern über Rang 3 etwas enttäuscht. In der Vorrunde dominierte Fouda zunächst, ehe er mit Patrick Neumaier nicht wirklich zurecht kam. Der Bayer brachte einen knappen Vorsprung über die Zeit, sodass es für Fouda nur noch um Bronze ging. "Die Deutsche Meisterschaft ist nur ein Kriterium für die EM-Nominierung. Es geht auch darum, wie ein Ergebnis zu Stande gekommen ist. Friedrich gefällt mir von seiner offensiven Ringweise sehr gut und hat Entwicklungspotenzial", lobte Zamanduridis die Leistung des Vogtländers.

Für vordere Platzierungen reichte es für die anderen Starter der Region nicht. Tobias Knittel vom KSV Pausa wurde nach zwei Niederlagen Elfter in seiner Gewichtsklasse, Janko Hergenhahn und Julian Jahn (beide ASV Plauen) erreichten die Ränge 7 sowie 9 im Limit bis 54 kg. Ihre Vereinskameraden Jonas Valtin und Cedric Riedel belegten die Plätze 16 und 19.


"Es sieht oft schlimmer aus als es ist"

Alexander Georgi, gebürtiger Syrauer und ehemalige Ringer des KSV Pausa, steht mittlerweile als Verbandsarzt an der Matte. Mit ihm sprach Anika Heber.

Freie Presse: Bringt es für Sie Vorteile, selbst gerungen zu haben?

Alexander Georgi: Auf jeden Fall. Ich kann ganz gut einschätzen, wie schwerwiegend eine Verletzung ist. Auch das Fingerspitzengefühl, ob der Schmerz vielleicht nur durch die Enttäuschung über eine Niederlage vergrößert wird, ist da.

Wie kommt es, dass Sie für den Verband arbeiten?

Als Unfallchirurg an der Sportklinik im Leipziger St.-Elisabeth-Krankenhaus ist die Sportmedizin mein Fachgebiet. Ich habe gerne ja gesagt, als der Verband mich vor einigen Jahren gefragt hat. In meiner aktiven Zeit habe ich viel vom System profitiert, so kann ich etwas zurückgeben.

Für Außenstehende wirkt Ringen ja teilweise sehr schmerzhaft.

Es sieht oft schlimmer aus als es ist. Die Sportler sind gut trainiert und kennen die Techniken. Auch ist die Matte als Untergrund nicht so hart. Meist geht es nur um Nasenbluten, Platzwunden oder Prellungen.


Kommentar: Beste Werbung

Die Sportler des KSV Pausa standen gestern zwar nicht ganz oben auf dem Treppchen. Aber was der Verein mit seinen 100 ehrenamtlichen Helfern am Wochenende in Plauen auf die Beine gestellt hat, verdient mindestens eine Goldmedaille. Reibungslos gingen die 250 Kämpfe über die Bühne, von allen Seiten hörte man in der Halle nur Lob für die Organisatoren. Auch bei den Rahmenbedingungen wie Unterkunft und Verpflegung griff ein Rädchen ins andere. Die Pausaer haben so nicht nur beste Werbung für ihren Sport gemacht, sondern auch für sich selbst. Der Ringerbund kommt deshalb sicher gerne wieder ins Vogtland.

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