Stadionsprecher-Appell verhallt ungehört

Es war ein heißes Derby vor toller Kulisse für einen Montagabend. Schade, dass dem FSV Zwickau ein Teil der Einnahmen wieder flöten gehen wird.

Zwickau.

"Wir sind hier nicht im Stadion der Tampa Bay Rowdies!" Mit Verweis auf den in Saint Petersburg (Florida) beheimateten US-Fußballclub, der bekannt für seine enthusiastischen Fans ist, versuchte Stadionsprecher Lenny Leonhardt an die Vernunft der Rostocker Schlachtenbummler zu appellieren, fand aber kein Gehör. "Es ist schon frustrierend, denen fehlt einfach die Einsicht in die Notwendigkeit", kommentierte sein Kollege Detlef Fischer das aufsässige Verhalten.

Wegen der Bengalos und Böller im Gästeblock, aus dem mehrere Leuchtraketen aufs Spielfeld abgefeuert wurden, musste das Drittliga-Ostderby zwischen dem FSV Zwickau und Hansa Rostock (2:2) am Montagabend zu Beginn unterbrochen werden. Manfred Erler warf auf der FSV-Facebookseite die Frage auf: "Warum gelingt es bei den vielen Kontrollen immer wieder, Pyro zu zünden?" Zu hundert Prozent könne man es nie ausschließen, bedauert Stadionmanager Nico Hergesell. "Wir haben vorher Sprengstoffhunde durchgeschickt, die haben nicht angeschlagen, also haben es die Leute irgendwie mit reingebracht." Die Raucherzeuger von der Größe einer kleinen Getränkedose, die man leicht am Körper verbergen kann, seien beim groben Abtasten am Einlass schwer zu entdecken.

Auch mehrere Aufforderungen an die Hansa-Hools, das Dach des Kiosks hinter dem Gästeblock zu verlassen, verhallten ungehört. Die um den Block postierten Ordner griffen bewusst nicht ein. Der Veranstalter setzte auf deeskalierende Wirkung. "Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn Polizei und Security in den Block reingegangen wären und versucht hätten, die vom Dach runter zu zerren", gab Jörg Schade, Bereichsleiter Sport & Spielbetrieb beim FSV, zu bedenken.

Auf der Facebookseite des FC Hansa zeigten die meisten Rostocker Anhänger klar Kante gegen die Unbelehrbaren, die ihrem Club in dieser Saison schon ein "Geisterspiel" vor leeren Rängen (am 28. Januar gegen Regensburg) eingebrockt haben. "Und wieder zünden diese Halbstarken. Es ist unbegreiflich!" schimpfte Norman Becker. "Sie sollten alles aus eigener Tasche bezahlen und nie wieder in ein Stadion dürfen!" Heiko Höra schlug in seinem Kommentar vor: "Warum trefft İIhr Euch nicht irgendwo auf'm Acker und zündelt da rum? Da stört es niemanden. Niemand braucht Euch im Stadion!"

Schiedsrichter Pascal Müller (Löchgau) heizte die Atmosphäre mit seiner unergründlichen Kartenverteilung zusätzlich an. Zugegeben, auch im FSV-Fanblock ist nach 14 Heimspielen ohne Pyro-Einsatz erstmals gezündelt worden, doch in vergleichbar geringem Ausmaß. Der Zwickauer Anhang hat mit tribünenübergreifender Anfeuerung demonstriert, wie leidenschaftliche Unterstützung aussehen soll.

Bei der Übergabe/Abnahme des Stadions sind gestern kleine Schäden festgestellt worden. Neben der zu erwartenden Strafe für das Fehlverhalten seiner Fans muss der FSV auch die Reparaturkosten bezahlen. Eins ist sicher: Am Sonntag gegen die befreundete SG Dynamo Dresden wird es garantiert friedlich zugehen. Für das nächste Punktspiel im "Schwanennest" am 2. April gegen Halle gelten jedoch wieder besondere Sicherheitsvorkehrungen.

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