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Oliver Hörauf spielt für den BFV Ascota Chemnitz. Das nächste Ziel ist das Pokalfinale Anfang Dezember.

Foto: Kristin Schmidt

Goalball: Chemnitzer ist im Nationalteam eine feste Größe

Oliver Hörauf gehört aktuell zu den besten Goalballspielern in Deutschland. Derzeit bewältigt er einen Balanceakt und hat sportlich weitere Träume.

Von Martina Martin
erschienen am 11.11.2017

Chemnitz. Wenn Oliver Hörauf die vergangenen Monate Revue passieren lässt, dann schüttelt er etwas ungläubig den Kopf. "Diese Erfolge, sie waren überhaupt nicht zu erwarten. Es ist für mich immer noch der Wahnsinn", schwärmt der Chemnitzer. Gleich zwei Medaillen, die er bei Europameisterschaften gewann, kann der Goalballer präsentieren: Beim kontinentalen Championat der Männer gehörte er zum silberdekorierten Team, mit der U-21-Auswahl holte er bei den Paralympischen Jugendspielen in Genua Gold. Dabei durfte er mit 36 Treffern die Trophäe für den besten Turniertorschützen in Empfang nehmen.

Darüber hinaus erkämpfte er mit seinem Bundesligateam vom BFV Ascota Chemnitz nach 2016 zum zweiten Mal den Deutschen Meistertitel. Zudem siegte der sehbehinderte Athlet im September bei der Wahl zum Sportler des Monats, die vom Olympiastützpunkt Chemnitz-Dresden über die sozialen Medien initiiert wird. "Das ist eine ganz besondere Ehre für mich", freut sich der 20-Jährige, dass er sich gegen Asse ohne Behinderung durchsetzen konnte. "Nun fehlt noch der Pokalsieg in Deutschland. Den haben wir mit Ascota bisher nie geschafft, zweimal gab es Silber", blickt Oliver Hörauf auf das letzte wichtige Kräftemessen Anfang Dezember voraus.

Doch nicht nur aus sportlicher Sicht liegt hinter dem Nationalspieler eine bewegte Zeit. Im Sommer hatte er in Marburg, wo er am Paralympischen Stützpunkt zwei Jahre trainierte, sein Fachabitur (Sozialwesen) abgeschlossen. Danach kehrte er wieder nach Chemnitz, wo er zuvor ab der vierten Klasse die Schule für Blinde und Sehbehinderte im Förderzentrum besuchte, zurück. Ursprünglich war das nicht unbedingt geplant. "Aber ich hatte mich in Marburg nicht so eingelebt, fühle mich in meiner vertrauten Umgebung, in der auch meine Freunde wohnen, einfach wohler. Im Verein sind wir wie eine Familie", begründet der Sachse. Die meisten der anderen Auswahlakteure leben ebenso im Land verstreut, sodass es vom Bundestrainer keine Einwände gab.

Oliver Hörauf mit seinen beiden EM-Medaillen - Gold und Silber.

Foto: Kristin Schmidt

Bei den regelmäßigen Lehrgängen mit dem Nationalkader ist er sowieso immer dabei. Und ansonsten weiß der Coach, dass beim Deutschen Meister ein qualitativ sehr gutes Training stattfindet, wobei Oliver Hörauf selbstständig mehrfach pro Woche noch weitere Einheiten im Kraftraum absolviert oder sonntags in der Halle intensiv an den Würfen arbeitet. Wie an diesem Wochenende kommt es oft vor, dass er sich gemeinsam mit einigen Gefährten "so richtig auspowert".

Dabei bewältigt er einen Balanceakt. Denn gleichzeitig begann er an der Fortis-Akademie eine Ausbildung zum Ergotherapeuten. "Ich gehe in eine normale Klasse, bin der Einzige mit einer Behinderung. Aber das klappt alles gut, nur manches Mal habe ich mehr Fragen als die anderen", erzählt er. Er spürt viel Verständnis und eine tolle Unterstützung, auch der Klassenkameraden, die ihn beispielsweise im Auto von seinem Apartment in Altendorf mit nach Grüna nehmen. Denn einen Führerschein darf er bei seinem Handicap - er besitzt nur eine Sehstärke von fünf bis acht Prozent - nicht ablegen.

Als erfolgreicher Athlet hat er in der Schule inzwischen auch einen hohen Bekanntheitsgrad. So wurde er für ein Foto auf dem nächsten Werbeflyer der Einrichtung ausgewählt. "Das Pensum ist schon hart. Man muss seinen Pflichten nachkommen", sagt Oliver Hörauf, der im Zeitrahmen wie alle anderen seine Aufgaben bewältigt. So nutzt er jetzt die Wochen nach den internationalen Topereignissen, um sich stärker auf den Lernstoff zu konzentrieren, verzichtet deshalb auf ein Turnier in Barcelona.

Ab Januar beginnt dann die Vorbereitung auf die WM im Juni, ganz langfristig ist alles auf die zweite Paralympics-Teilnahme 2020 ausgerichtet. In Rio 2016 gehörte er als einer der Jüngsten erstmals zum Aufgebot der deutschen Mannschaft, die einen beachtlichen sechsten Platz belegte. Oliver Hörauf gilt nach Aussagen seines Entdeckers und Heimtrainers Jürgen Müller als Ausnahmetalent, besitzt nicht nur beste körperliche Voraussetzung, sondern auch ein außergewöhnliches Leistungsvermögen. Nach dem Gewinn der Weltjugendspiele 2013 wurde er bereits mit 17 Lenzen in den Auswahlkader der Männer berufen. Seither hat er sich zu einer festen Größe im Team entwickelt, steht bei entscheidenden Spielen in der Startaufstellung. "Diesen Platz muss ich mir aber immer wieder erkämpfen ", meint der 1,96 Meter große Athlet, der stetig versucht, sich in allen Belangen zu verbessern. Denn wenn er die Doppelbelastung weiterhin meistert, möchte er sich möglichst noch lange seiner Leidenschaft auf hohem Niveau widmen.

Dabei war Oliver Hörauf anfangs vom Goalball nicht begeistert. Er stammt aus Wedro, einem kleinen Ort bei Bautzen. Seit der Geburt lebt er mit dieser Sehschwäche, die er erbte. Mit zehn Jahren wechselte er deshalb an der Spezialschule nach Chemnitz, wo dieser Sport zum Unterricht gehört. Er ging jedoch zunächst in der Freizeit lieber schwimmen, erkämpfte kleinere Erfolge. Seine Fähigkeiten auf dem Parkett blieben dennoch nicht verborgen. Als er in der achten Klasse zu einem Sichtungsturnier eingeladen wurde, fing er Feuer - die Entwicklung nahm rasant ihren Lauf. Und ein Ende ist längst nicht abzusehen ...

Chemnitzer Team ist zweifacher Deutscher Meister

Goalball ist die weltweit beliebteste Ballsportart für blinde und sehbehinderte Menschen und bereits seit 1976 im Programm der Paralympics.

Das Ziel des Spiels ist es, einen 1250 Gramm schweren Klingelball in das gegnerische Tor - jeweils 9 m breit und 1,30 m hoch - zu werfen. Dabei stehen sich die Teams (je drei Spieler) auf einem 9 m x 18 m großen Feld gegenüber. Alle Akteure tragen lichtundurchlässige Brillen.

Das Chemnitzer Team vom FZ Förderzentrum und Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte, das dem BFV Ascota angehört, gewann 2016 und 2017 die Deutsche Meisterschaft.

Nationale Titelkämpfe werden seit 2014 im Rahmen der Bundesliga ausgetragen. Die SSG Blista Marburg ist der nationale Rekordmeister. Ein Spiel dauert 2 x 12 Minuten. (fp)

 

 

 
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