Trophy stürmt drei Plätze nach vorn

Deutsche Nationalmannschaft ist am Dienstag mit etwas Wut im Bauch auf Angriff gefahren

Hohenstein-Ernstthal.

Die deutschen Fahrer haben am Dienstag zum Sturm auf die Trophy-Mannschaft Chiles geblasen. Nach dem holprigen, von mehreren Pannen und zahlreichen Stürzen geprägten ersten Fahrtag der 87. International Six Days Enduro wollte das DMSB- Sextett am zweiten Tag auf der Schleife durch die Stollberger Region vom enttäuschenden 14. Rang nach vorn fahren. Dafür mussten den auf Position 13 platzierten Südamerikanern gut neun Minuten abgenommen werden. Das haben die Gastgeber geschafft, überzeugend.

Doch der Reihe nach. Kaum war am späten Montagnachmittag im Live-Ergebnisdienst des Weltverbandes die inoffizielle Gesamteinzelwertung nach den sechs Sonderprüfungen nachzulesen, da herrschte vor allem im Erzgebirge riesiger Jubel: Marco Neubert aus Affalter wurde auf einem starken 31. Rang als schnellster Deutscher notiert, vor Marcus Kehr (Flöha) und Dennis Schröter (Crinitz). Doch als das Ergebnis am Abend offiziell wurde, standen beim 25-Jährigen plötzlich zwei Strafminuten, über die er sich mächtig ärgerte. "Ich bin von meinem Team eben diese zwei Minuten zu spät in den Zielservice geschickt worden. Aber das passte an diesem Tag alles ins Bild. Es hätte nicht schlechter laufen können." Tatsächlich hatte sich Edward Hübner aus Elsdorf am Morgen bereits 46 Minuten wegen der defekten Zündung an seiner Yamaha eingefangen. Dann erwischte es Christian Weiß mit einem Achterpack, bis schließlich auch nach dem eigentlichen Teil des Wettkampfes Neubert zwei Minuten bekam. "Auf die Minute pünktlich zu sein, gehört eben auch dazu. So müssen wir eben von hinten angreifen. Zunächst pirschen wir uns an die Chilenen heran", gab sich der Erzgebirger am späten Montagabend kämpferisch.

Motiviert gingen also die Deutschen den zweiten Tag, gefahren wieder im Stollberger Raum, an. Dort sicherte zeitiges Kommen auch am Dienstag wieder die besten Plätze - wie an der Steilauffahrt in Hormersdorf. Von der hatte der zweimalige Junioren-Weltmeister Andreas Cyffka prophezeit: "Diese hat es in sich. Hier kriegen viele Probleme." Also ein Zuschauermagnet. Und schon als Vorfahrer Mike Froß aus Börnichen gegen 8.40 Uhr, 20 Minuten vor dem ersten Starter, den Hang passierte, war an den Absperrbändern kaum noch ein freier Platz zu finden. Als die ersten Startergruppen im Waldstück auftauchten, säumten etwa tausend Fans die Trasse. Sie bekamen dann auch eine Menge geboten.

Fast wie im Formationsflug knüppelten die Franzosen Pierre-Alexandre Renet, Antoine Meo und Christophe Nambotin sowie der Finne Eero Remes unter dem Jubel der Zuschauer ihre Maschinen den Steilhang hinauf. Auch Marcus Kehr und Dennis Schröder wählten zwischen den Wurzeln, Steinen und Baumstümpfen die richtige Spur. Doch bald fand der Scharfrichter auf der Stollberger Runde seine ersten Opfer. Zunächst ging ein Chilene zu Boden, dann schmiss ein Holländer sein Moped weg, und ein Ungar blieb am Baum hängen. Deutschlands beste Trophy-Dame Heike Petrick zeigte den Herren, wie der Hase läuft. Souverän meisterte die 39-Jährige die Passage. Das gelang lange nicht allen Starterinnen. Richtig dick wurde es zwischenzeitlich, als die ersten Club-Piloten auf die stecken gebliebenen Damen auffuhren. Das Geschehen in Hormersdorf aber war bereits ein Vorgeschmack auf "Rund am Zschopau".

Spektakulär ging es auch wieder auf dem Cross-Test in Zwönitz zu, wo ebenfalls zahlreiche Fans für eine tolle Stimmung sorgten. "Mir juckt es schon in den Fingern", bedauerte Mirko Knorr, dass er nur als Zuschauer dabei ist. Der langjährige DM-Fahrer und dreimalige Six-Days-Teilnehmer aus Eppendorf wäre gern beim Heimspiel gestartet und hatte sich auch für ein Club-Team beworben. Doch da er seit einem Jahr keine Lizenz mehr hat, sei er bei der Nominierung nicht berücksichtigt worden, berichtete Knorr. Gefahren wurde in Zwönitz auf der Swen-Enderlein-Cross-Strecke - in Erinnerung an den bei den Six Days 2004 in Kielce (Polen) tödlichen verunglückten Motorsportler aus Zwönitz.

Der dritte und vierte Fahrtag werden bei den Six Days gewöhnlich als die Königsetappen, sprich Höhepunkte, angesehen. Und so werden auch am Mittwoch und Donnerstag die von "Rund um Zschopau" bekannten spektakulären Auffahrten wie zum Beispiel der Weberhang in Venusberg oder der Teufelsberg in Scharfenstein das Publikum in Scharen anziehen. Seit 15 Jahren ist Bertram Winkler der Chef vom Teufelsberg. Er kann sich so auch genau an den Finallauf zur Enduro-Weltmeisterschaft im Jahr 2004 erinnern, als sich wegen des Wetters Dramen abspielten. Doch den Fans verspricht der Großolbersdorfer: "Es geht wieder von ganz unten bis ganz rauf. Regen kriegen wir keinen, weil der Endurogott ein Zschopauer ist." Allerdings, erklärt der 45-Jährige, ist die Auffahrt völlig neu gestaltet worden. "Wir haben das im vergangenen Jahr zum DM-Lauf ausprobiert. Wenn selbst die B-Lizenzler dort hochfahren, sollten das Six-Days-Fahrer auf jeden Fall schaffen."

Am Dienstagabend staunte Edward Hübner, der größte deutsche Pechvogel des ersten Tages, nicht schlecht. Denn aus dem "Heranpirschen" an die Chilenen, die 13. waren, wurde sogar ein Satz um drei Plätze nach vorn. "Das überrascht mich schon. Die Stimmung im Team ist auch trotz dieses ersten Tages gut. Wir können es ja eh nicht mehr ändern", meinte der 24-Jährige. Auch er selbst ist entspannt. "Okay, das ganze Jahr passiert nichts, und dann ausgerechnet bei den Six Days im eigenen Land. Das ärgert schon. Aber mit 46 Strafminuten ist der Dampf raus. Deshalb konnte ich ganz entspannt fahren. Ich bin mit meiner Leistung zufrieden", wertete Hübner, der am Dienstag zweitbester Deutscher hinter Marcus Kehr aus Flöha wurde.

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