"Mit Startnummer doch was anderes"

Die Wettkampfpremiere von Denise Herrmann als Biathletin konnte sich sehen lassen. Plant der Bundestrainer schon im kommenden Winter mit der Erzgebirgerin?

Altenberg.

Platz zwölf im Sprint am Samstag, Rang sechs am Sonntag in der Verfolgung: Wenn sich NeuBiathletin Denise Herrmann weiter so steigert, könnte es etwas werden mit der 27-Jährigen im neuen Metier. Die ehemalige Langläuferin feierte am Wochenende in Altenberg bei den nationalen Meisterschaften ihre Wettkampfpremiere mit Gewehr. "Mit Startnummer ist es dann doch noch was anderes. Gerade im Stehendanschlag musst du um jeden Schuss kämpfen. Mir war schon vorher klar, dass das erste Jahr meine Lernsaison wird", sagte Denise Herrmann nach dem Auftritt vor Freunden, Bekannten und Verwandten.

Bei bestem Wetter sahen rund 8000 Zuschauer an beiden Tagen bis auf die erkrankten Laura Dahlmeier und Erik Lesser die komplette nationale Spitze. Bei den Damen holten Franziska Preuß und Vanessa Hinz die Titel. Denise Herrmann begann im Sprint mit zwei Fehlern liegend und vier stehend. Dass sie es schon besser kann, auch stehend, zeigte sie am Sonntag im Verfolgungsrennen mit der Serie 1-3-2-0. Im Laufen bestimmte sie wie am Vortag auf der anspruchsvollen Strecke im Zinnwalder Hofmannsloch das Niveau. Zu den durchwachsenen Schießleistungen sagte sie: "Ich muss mich am Stand noch auf so viele Dinge gleichzeitig konzentrieren, was bei den anderen Mädels automatisch geht. Da fehlt schon noch einiges, um meine Schießzeiten zu minimieren."

Bundestrainer Gerald Hönig verfolgte das Debüt der Blondine durchs Fernrohr, vermied danach euphorische Kommentare. "Sie ist nicht talentfrei und 100 Prozent von ihrer Entscheidung, die sie nicht aus dem Bauch heraus getroffen hat, überzeugt. Was hier beim Schießen passierte, ist eine ganz normale Geschichte", erläuterte der Coach: "Das ist jetzt eben kein Langlauf mehr, wo du von A nach B die Schnellste sein musst. Und Training ist das Eine, wenn dann im Wettkampf die Aufregung dazukommt, sieht es nochmal anders aus." Der Thüringer hatte die ersten Schritte von Denise Herrmann als Skijägerin im Mai in Oberhof selbst begleitet und den Zuwachs aus dem Langlauflager begrüßt. Er erhofft sich von Herrmann Impulse für die Laufentwicklung in seiner Mannschaft und natürlich mehr Konkurrenz innerhalb des Teams. "Die Mädels werden ihren Platz nicht freiwillig räumen", sagte Hönig und hält internationale Einsätze im IBU-Cup (2. Liga) im kommenden Winter für realistisch.

Das Weltcupteam für den Auftakt in Östersund sei ohnehin mit der sechsköpfigen WM-Mannschaft des Vorwinters (Dahlmeier, Hildebrandt, Preuß, Hinz, Maren Hammerschmidt, Gössner) vornominiert. Weil sich das Sextett laut Hönig vergangene Saison vom Rest in Deutschland absetzte, verzichtet der Coach diesmal Ende November auf Weltcupqualifikationen in Munio. Das bringt mehr Ruhe für die etablierten Skijägerinnen, die zur WM in Hochfilzen (8. bis 19. Februar) in Hochform sein wollen. Dann möchte auch Vanessa Hinz wieder vorn mitmischen. Wie man den Umstieg vom Langlauf zum Biathlon schaffen kann, dafür stellt die Bayerin ein gutes Beispiel dar. Die 24-Jährige wechselte 2012/13, stand bereits 2015 in der goldenen WM-Staffel. Nach diesem Erfolg lief es letzten Winter allerdings weniger gut. Einen Rat konnte sie Herrmann nicht mit auf den Weg geben, sagte dann aber doch: "Ein Weltmeister ist ja noch nie vom Himmel gefallen."

Dass Hinz es im März nicht in die WM-Staffel (Bronze) von Oslo schaffte, sei für sie enttäuschend gewesen: "Ich habe mich wohl selbst zu sehr unter Druck gesetzt und zuviel den Kopf eingeschaltet", meinte Hinz. Vielleicht hilft diese Aussage Denise Herrmann, ähnlich zügig im Biathlon Fuß zu fassen. Spätestens 2018 bei Olympia wird sich das zeigen. Das Wichtigste brachte Katja Beer, einst Weltcupsiegerin und am Wochenende unterhaltsame Stadion-Sprecherin in ihrer Heimat, auf den Punkt: "Man sollte Denise schon ein Jahr Zeit geben."

Oberhof scheitert mit WM-Bewerbung - Schempp in Altenberg in Topform - Bruderduell von Marco und Simon Groß

Die Biathlon-WM 2020 findet in Antholz statt. Oberhof ist mit seiner Bewerbung gescheitert. Der Thüringer Wintersportort holte beim Kongress der Internationalen Biathlon-Union in Chisinau (Moldau) nur vier Stimmen. Die Delegierten aus 50 Nationen entschieden sich mit 30 Stimmen für das Südtiroler Mekka.

Beworben hatten sich noch Pokljuka und Nove Mesto. Die WM 2021 wurde nach Tjumen in Sibirien vergeben. Oberhof hatte 2004 eine erstklassige WM ausgerichtet, in den letzten Jahren aber wegen überalterter Infrastruktur und durch Wetterkapriolen gelitten. Oberhof plant nun eine neue Bewerbung für 2023 oder 2024.

Bei den Titelkämpfen in Altenberg beeindruckte Simon Schempp mit starker Form. Mit über einer Minute Vorsprung legte der 27-Jährige im Sprint den Grundstein für seinen Doppelsieg. Schempp leistete sich an beiden Tagen keinen Fehlschuss.

Helene-Theresa Hendel stammt aus Klingenthal, wo sie als Langläuferin ihre Laufbahn begann. Inzwischen trainiert und startet die 21-Jährige für Oberhof, wurde im Sprint starke Sechste mit null Fehlern. Im Verfolger waren dann acht Fehler zuviel, um das gute Resultat zu wiederholen.

Gefeiert wurde vom Publikum Lokalmatador Michael Rösch, der als Gaststarter für Belgien die Plätze 11 (Sprint/2/1 Fehler) und 16 (Verfolger/3/0/3/0) belegte. Rösch bereitet sich mit dem Schweizer Nationalteam auf den kommenden Winter vor.

Einen Bruderkampf trugen in Altenberg, der ehemaligen Wirkungsstätte ihres Vaters, die Söhne des einstigen Weltklassebiathleten Ricco Groß aus. Marco, im ersten Männerjahr unterwegs, kam auf die Plätze 14 und 15. Der drei Jahre jüngere Bruder Simon ist noch Junior, erreichte in dieser Klasse die fünftschnellste Sprintzeit.

Sachsens große Hoffnung Justus Strelow war im Sprint schnellster Junior beim Heimrennen. Der 19-Jährige trainiert künftig in einer starken Männertrainingsgruppe in Oberhof, wo er in die Bundeswehr-Sportfördergruppe aufgenommen wurde. Strelow wird aber weiter für die SG Stahl Schmiedeberg starten. (tp)

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