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Die Anhänger von RB Leipzig hören am Mittwoch vor der Partie gegen die AS Monaco zum ersten Mal im eigenen Stadion die Champions-League-Hymne.

Foto: imago

Nach 29 Jahren zurück in Leipzig

Die Champions League ist dank RB Leipzig erstmals zu Gast in Sachsen. Heiko Scholz schrieb vor knapp drei Jahrzehnten das bis dato letzte Kapitel Leipziger Europapokalgeschichte mit.

Von Fabian Held
erschienen am 11.09.2017

Leipzig. Wenn Heiko Scholz sich an sein letztes Europapokalmatch erinnert, muss er unweigerlich lachen. Der einstige Spieler und heutige Trainer mit den markanten langen Locken ist der letzte Torschütze einer Leipziger Fußballmannschaft in einem europäischen Wettbewerb. Das Problem dabei: Er traf für Lok Leipzig ins eigene Tor. "Auch so findet man den Weg in die Geschichtsbücher", sagt Scholz, der vor vier Jahren Lok als Trainer übernahm und den Verein in die Regionalliga führte, mit einem breiten Grinsen.

29 Jahre ist es her, dass Lok in der 2. Runde vom SSC Neapel aus dem Uefa-Cup geworfen wurde. "Es war eine schöne Zeit, wir waren ja eine Bezirksauswahl aus Leipzig. Neapel hatte dagegen schon drei Brasilianer und mit Diego Maradona einen Argentinier. Das war damals schon eine Weltauswahl. Wir haben zu Hause gegen Neapel noch unentschieden gespielt, aber in Italien hatten wir keine Chance, auch wenn das Spiel nur 0:2 ausgegangen ist", erzählt Scholz.

Mit der Wende verschwand in Leipzig - wie in nahezu allen anderen Fußball-Hochburgen des Ostens - der Europapokal. An internationalen Fußball war da nur zu denken, wenn die Nationalmannschaft Halt machte, und bei der WM 2006, als Leipzig Gastgeber von fünf Partien war. Ansonsten dümpelten Lok und Chemie Leipzig lange in der Bedeutungslosigkeit umher.

Es brauchte einen Impuls von außen, um die Gründungsstadt des Deutschen Fußball-Bundes wieder wachzuküssen. Dieser kam, viel diskutiert und umstritten, von einem Brausehersteller aus Österreich. Am 19. Mai 2009 wurde der Verein RasenBallsport Leipzig e. V. gegründet. Mit dem Geld von Red Bull ging es von der Oberliga in die Champions League - und das in nicht mal zehn Jahren.Das ringt auch Heiko Scholz Respekt ab: "RB Leipzig hat natürlich viel Geld, aber sie nutzen es auch gut. Wir bei Lok sind ein Mitgliederverein, haben eine andere Struktur. Es gibt eine gesunde Rivalität, aber keinen Hass."

Heiko Scholz - Trainer von Lok Leipzig
 

Seit den Anfangsjahren haben Club, Spieler und Fans von RB Leipzig mit Anfeindungen zu kämpfen. Mittlerweile ist es zwar ruhiger geworden, die Ablehnung ist aber auch in Leipzig geblieben. Chemie und Lok spielen in der Regionalliga, legen dabei viel Wert auf ihre lange Tradition. "Es gibt viele, die zu RB und zu Lok gehen. Die haben nun mal auch die Marke Bundesliga, und das zieht", meint Scholz. Er selbst beschreibt sich als Fußballfan, der sich die Champions-League-Spiele von RB im Fernsehen anschauen wird. Für eine richtiges Kracherspiel möchte er auch ins Stadion.

Bei den "Roten Bullen" scharrt man ohnehin mit den Hufen. "Die Vorfreude ist riesig, das merkt man bei allen in der Mannschaft", erklärt Verteidiger Lukas Klostermann zum Startschuss für die Champions League. Am Mittwoch um 20.45 Uhr erklingt erstmals die Champions-League-Hymne in der Red-Bull-Arena, die zu Scholz" aktiver Zeit noch Zentralstadion hieß.

Dass Lok wie einst zu den großen Europapokalabenden am Elsterbecken irgendwann in der Zukunft noch einmal international spielen wird, glaubt Scholz nicht. "Das wird nicht wieder passieren. Ich bin kein Träumer, ich bin Realist. Wir waren ganz unten, waren fast tot. Es wäre toll, wenn wir es in zwei bis vier Jahren in die 3. Liga schaffen und dann um die 10.000 Zuschauer haben", sagt der Trainer der Blau-Gelben.

Ob die ehemalige WM-Arena am Mittwoch gegen die AS Monaco bis auf den letzten Platz ausverkauft sein wird, ist noch offen. Der Kartenverkauf verlief schleppend. Die ganz große Königsklassen-Euphorie ist noch nicht ausgebrochen. Auch in der Innenstadt ist vom internationalen Wettbewerb nichts zu sehen. Kaum Plakate, keine Banner. Das mag zum einen daran liegen, dass die Tickets recht teuer sind. Die am Sonntag noch verfügbaren Eintrittskarten für den Oberrang kosteten zwischen 60 und 75 Euro. Zudem sind die Gegner für Champions-League-Verhältnisse sicher nicht die attraktivsten. Kein FC Barcelona, kein Real Madrid, kein Manchester United. Stattdessen Monaco, Besiktas Istanbul und der FC Porto.

Sportlich ist die Gruppe trotzdem eine Herausforderung. "Klar hätte es noch prominentere Gegner geben können, aber Porto ist zweimal Champions-League-Sieger geworden und hat zweimal den Weltpokal gewonnen. Und Monaco ist vergangene Saison als Halbfinalist weiter gekommen als Bayern und Dortmund", sagte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl im Magazin "Kicker".

Dennoch gibt es nicht wenige Fans und Beobachter, die RB Leipzig ein Weiterkommen zutrauen. Mit dem Erfolg wachsen schließlich die Ansprüche. "Die müssen gut in die Bundesliga starten, dann traue ich ihnen alles zu", meint Lok-Trainer Heiko Scholz. Das ist gelungen: Der Auftaktniederlage auf Schalke folgten zwei überzeugende Siege. Beim 2:0 am Freitagabend in Hamburg zeigten sich die Leipziger in bestechender Form. Monaco ging derweil 0:4 in Nizza unter. Die Vorzeichen stehen also durchaus günstig, dass in Leipzig bei der Rückkehr des europäischen Clubfußballs gejubelt werden darf - allerdings nicht mehr mit Lok, sondern mit RB.

Sächsische Höhepunkte in europäischen Wettbewerben

FC Erzgebirge/Wismut Aue: Im Pokal der Landesmeister 1958/59 steht die Wismut-Elf um Willy Tröger und Manfred Kaiser nach Erfolgen gegen Petrolul Ploiesti und IFK Göteborg im Viertelfinale gegen die Young Boys Bern. Nach Remis in Hin- und Rückspiel verlieren die Erzgebirger erst im Entscheidungsspiel in Amsterdam 1:2.

FSV/Sachsenring Zwickau: In der Saison 1975/76 wirft die BSG Panathinaikos Athen, den AC Florenz und Celtic Glasgow aus dem Europapokal der Pokalsieger. Im Halbfinale ist der spätere Champion RSC Anderlecht eine Nummer zu groß für Zwickaus Elf um Tortwartlegende Jürgen Croy (0:3, 0:2).

Chemnitzer FC/FC Karl-Marx-Stadt: Im Uefa-Pokal der Saison 1989/90 setzt sich der FCK gegen Boavista Porto und den FC Sion durch. Erst in der 3. Runde gegen den italienischen Rekordmeister und späteren Titelträger Juventus Turin ist für die Mannschaft von Trainer Hans Meyer Schluss (1:2, 0:1).

Dynamo Dresden: Nur drei der 49 Europapokal-Heimspiele verliert Dynamo. Siege werden unter anderem gegen den AS Rom, Juventus Turin und den FC Liverpool gefeiert. Die denkwürdigste Europapokalgeschichte der Schwarz-Gelben ist aber eine Pleite. In der Saison 1985/86 führt Dynamo im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger nach dem 2:0 im Hinspiel auch bei Bayer Uerdingen zur Pause mit 3:1. Nach einer Verletzung von Torwart Bernd Jakubowski brechen die Dresdner auseinander und scheiden nach einem 3:7 aus.

Chemie Leipzig: Im Europapokal der Pokalsieger 1966/67 scheitert Chemie in Runde zwei gegen Standard Lüttich. Nach einem 2:1 zu Hause und einem 0:1 in Belgien wird ihnen die Auswärtstorregel zum Verhängnis.

Lok Leipzig: Näher dran an einem europäischen Titel war noch kein sächsischer Club. Unter Trainer Hans-Ulrich Thomale schafft es Lok 1987 bis ins Finale des Europapokals der Pokalsieger. In Athen schießt aber die niederländische Stürmerlegende Marco van Basten Ajax Amsterdam zum 1:0-Sieg und zum Titel.

Der letzte Ostclub im internationalen Wettbewerb war Union Berlin. Die Köpenicker qualifizieren sich 2011 trotz Finalniederlage im DFB-Pokal für den Uefa-Pokal, weil der Titelträger Schalke 04 bereits über die Bundesliga eine Teilnahme am internationalen Wettbewerb sicher hat. In der zweiten Runde scheitern die "Eisernen" an Litex Lowetsch. (sesi)

 
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