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Max Lang gewann souverän den Meistertitel in der Klasse bis 77 Kilogramm.

Foto: Wolfgang/Kristin Schmidt (3) Bild 1 / 3

Norm trotz Unsicherheit gepackt

Bei den Deutschen Meisterschaften der Gewichtheber in Speyer buchte Max Lang das Ticket für die WM. Auch seine Gefährten vom Chemnitzer AC holten Medaillen. Aber perfekt lief nicht alles.

Von Martina Martin
erschienen am 05.11.2017

Speyer. Nachdem er als erneuter Titelträger ein wenig durchgeatmet und zahlreiche Glückwünsche in Empfang genommen hatte, suchten ihn auch gleich wieder Autogrammjäger auf. Max Lang gehört zu den Sympathieträgern im deutschen Gewichtheben, nicht nur weil er derzeit einer der erfolgreichsten ist. Mit seiner freundlichen Art kommt er an, kleine Gesten wie das persönliche Bedanken bei den Scheibensteckern sind für ihn selbstverständlich. So freuten sich zwei junge Starter aus Potsdam riesig, als er sich mit seinem Namenszug auf ihren Heberschuhen verewigte. Dabei war der Athlet vom Chemnitzer AC (CAC) nach seinem Wettkampf nicht unbedingt supergelaunt, aber das ließ er sich gegenüber seinen Fans nicht anmerken. Doch später, als etwas Ruhe herrschte, sinnierte der 24-Jährige: "Ich bin schon etwas im Zwiespalt meiner Gefühle."

Diese Selbstkritik bezog sich vor allem auf den Verlauf des Wettkampfes. Denn am Ende der Entscheidung in seiner Kategorie bis 77 Kilogramm stand eine Zweikampfleistung von 333 kg (Reißen: 148 kg; Stoßen: 185 kg) zu Buche. Damit gewann er nicht nur souverän seinen dritten Meistertitel bei den Männern mit dem Riesenvorsprung von 20 kg, er schaffte auch die Norm für die WM, die Ende des Monats in Anaheim (USA) beginnt. "Ich bin glücklich, dass es im Stoßen mit drei Gültigen sehr gut lief. Aber das Reißen bereitet mir derzeit ein wenig Sorgen. Wir haben an der Technik etwas verändert, da ist die Sicherheit noch nicht da", berichtete Max Lang, der immer nach Perfektion strebt. Deshalb wurmte es ihn, dass der dritte Auftritt bei 150 kg dieses Mal danebenging.

Sein Coach Michael Vater, bei dem er am Auswahlstützpunkt in Leimen trainiert, wollte mit Blick auf den Saisonhöhepunkt die negativen Gedanken nicht zu sehr im Vordergrund sehen. "Wir sind auf einem guten Weg. Ich hoffe, mit noch mehr intensiven Versuchen bekommen wir das Problem in den Griff", zeigte er sich zuversichtlich. Denn bei der WM soll es möglichst in neue Leistungsbereiche gehen.

Im Frühjahr bei der EM hatte der Kapitän der CAC-Bundesligamannschaft als Fünfter mit persönlichen Rekorden im Reißen (156 kg) sowie im Zweikampf (344) geglänzt, verfehlte damals mit 188 kg im Stoßen das Podest als Vierter knapp. Bei der bevorstehenden WM bestehen zudem Chancen auf bessere Resultate als zurückliegend. Der Weltverband IWF hat neun Länder aufgrund von drei oder mehr positiven Doping-Nachtests von den Olympischen Spielen 2008 und 2012 für ein Jahr gesperrt. "Trotzdem muss ich erst einmal meine Leistung auf die WM-Bühne bringen", stellt Max Lang klar und will sich nicht noch zusätzlich unter Druck setzen. Bislang standen für ihn die Ränge 14 (2014) und elf (2015) zu Buche.

Kurt Perthel, sein Team- und Vereinsgefährte, visiert in Zukunft ähnliche Ziele an. Er sorgte als Junior in den vergangenen Monaten für Furore, konnte sich bei der EM dieses Altersbereiches als Siebenter und bei der WM als Achter jeweils stark in Szene setzen. Bei den nationalen Meisterschaften in Speyer behauptete er seine Spitzenposition in der Klasse bis 94 kg der Junioren (333 kg). Als Vierter verfehlte er bei den Männern das Podest nur knapp. Dabei steigerte er sich im Vergleich zur DM 2016 um insgesamt 23 kg, markierte im Reißen mit 152 kg erneut einen Hausrekord. "Es lief schon beim Aufwärmen besser als gedacht. Und dann habe ich es einfach versucht", freute sich der 18-Jährige, der nach der Grundausbildung bei der Bundeswehr im langfristigen Neuaufbau ist. 2018 sind dann die internationalen Höhepunkte im U-23-Bereich seine Ziele.

Christoph Pichler, ebenso ein CAC-Eigengewächs, gelang die Rückkehr auf die Meisterschaftsbühne als Dritter (bis 69 kg) verheißungsvoll. 2014 hatte er sich bereits seinen dritten Meistertitel gesichert. Danach musste er wegen permanenten Knieproblemen, die erst nicht richtig diagnostiziert wurden, eine lange Zwangspause einlegen. In dieser unterzog er sich auch einer Operation. Erst Anfang des Jahres begann er wieder mit dem regelmäßigen Training, steigerte Stück für Stück die Intensität. "Ich wollte immer zurück, ohne Gewichtheben geht es doch nicht", meinte der 24-Jährige, 2010 Zehnter der Jugend-EM. Inzwischen absolviert der Kfz-Mechatroniker eine Techniker-Ausbildung im Maschinenbau, ist zudem stolzer Vater der kleinen Amelia (6 Monate). Wenn er es weiter so gut schafft, alles unter einen Hut zu bringen, möchte er an Lasten draufpacken. "Vielleicht kann ich auch die Spitzenleute noch mal ärgern", blickte er angriffslustig voraus.

Novum in der Geschichte

Julian Pianski, der am Chemnitzer Bundesstützpunkt trainiert, gewann in der Klasse bis 105 kg den Juniorentitel. Der Torgauer schaffte drei Bestleistungen (330; 147; 183), wurde bei den Männern Vierter.

Nico Müller aus Obrigheim erreichte mit 184 Punkten das beste Relativergebnis bei den Männern. Auf Platz zwei kam knapp Max Lang (182) vor dem EM-Dritten Robert Joachim (177) aus Berlin).

Mit 188 Startern gab es einen Teilnehmerrekord, wobei erstmals mehr Frauen (96) an die Hantel gingen. (fp)

 
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