Nur "Super-Mario" besser als Eric Frenzel

Der Österreicher Mario Seidl setzt sich am Fichtelberg zum Auftakt des Sommer-Grand-Prix der Kombinierer durch. Auch die deutschen Zweikämpfer um Lokalheld Eric Frenzel liegen im Plan für Olympia 2018.

Oberwiesenthal.

Am Ende hatten sie irgendwie alle am Fichtelberg ein bisschen gewonnen: Die Organisatoren, die trotz wechselnder Winde sportlich hochklassige und sehr gut besuchte Wettkämpfe über die Bühne bekamen. Die deutschen Kombinierer mit den Lokalhelden Eric Frenzel und Björn Kircheisen, die mit vorderen Platzierungen vor heimischem Publikum ihre olympischen Ambitionen unterstrichen. Der Österreicher Mario Seidl, der den Auftakt im Einzel der Sommer-Grand-Prix-Serie 2017 gewann und damit zum ersten Mal in Oberwiesenthal triumphierte. Und nicht zuletzt stellen die sprungstarken Japaner seit dem Wochenende mit Akito Watabe den neuen Schanzenrekordinhaber auf Matten. Mit 107,0 Metern trug sich der 29-jährige Weitenjäger im Teamwettbewerb, den die Tschechen Tomas Portyk und Miroslav Dvorak am Samstagabend für sich entschieden, in die Sommerbestenliste der Fichtelbergschanze ein.

"Das hat Spaß gemacht. Mit dem Laufen bin ich schon sehr zufrieden. Beim Springen habe ich noch nicht das Niveau vom Vorwinter. Aber das kommt sicher noch", schätzte Olympiasieger Eric Frenzel nach zweimal Platz zwei zufrieden ein. Der 28-Jährige vom WSC Oberwiesenthal bildete diesmal mit Fabian Rießle das erste deutsche Duo im Teamwettbewerb. Während sich Frenzel im Zielspurt noch hauchdünn Dvorak geschlagen geben musste, entschied der Erzgebirger gestern im Einzel die Jagd um Platz zwei hinter Sprunglaufsieger Seidl für sich. Dabei zogen Rießle, Watabe sowie Kircheisen in dieser Reihenfolge den Kürzeren. "Ich habe bei der tollen Stimmung das Klingeln für die letzte Runde gar nicht gehört. Ich dachte, es ist noch eine weitere Runde zu laufen. Deshalb habe ich den Endspurt ein bisschen verschlafen", konnte Rießle bei der Siegerehrung schon wieder über sein Missgeschick lachen.

Auf dem 1,775-km-Stadtkurs lief Seidl (15.-schnellste Zeit) erstaunlich stark auf Skirollern. Mit dem Pokal eines örtlichen Cafés, den Blumen und einem Karton Bier hatte der Österreicher alle Mühe, seine Errungenschaften in den Bus zu tragen. Auf die Frage, ob sich die Konkurrenz an die Schlagzeile mit dem "Super-Mario" gewöhnen muss, lächelte er verschmitzt: "Ich hoffe, dass ich sie jetzt öfter lesen kann. Bisher war das ja selten der Fall." Auf einen Weltcupsieg wartet Mario Seidl nämlich noch. Dass er seine besten Weltcupresultate in Pyeongchang, dem Olympiagastgeber im kommenden Februar, einfuhr, stimmt ihn optimistisch: "Ich bin da schon Zweiter und Dritter geworden. Die Schanzen dort liegen mir."

Auf dem Weg zum Saisonhöhepunkt wollen die deutschen Kombinierer vor allem im Springen noch zulegen. Dass Japaner, Tschechen oder Österreicher im Moment einen etwas stärkeren Eindruck auf der Schanze hinterlassen, besorgt Hermann Weinbuch allerdings nicht. Nach der überragenden Vorsaison mit vier WM-Titeln und Frenzels fünftem Gesamtweltcupsieg sieht das Konzept in den nächsten drei Monaten ein verstärktes Sprungtraining vor. Schließlich war der beste Springer bei den Kombinierern, Jarl Magnus Riiber aus Norwegen, in Oberwiesenthal noch gar nicht am Start. Weinbuch hat aber auch noch Johannes Rydzek als Trumpf im Ärmel. Der Oberstdorfer, der jüngst einige Prüfungen seines Wirtschaftsstudiums ablegte, will diesen Sommer seine Kräfte etwas schonen und wird nur das Heimspiel am Wochenende im Allgäu bestreiten. "Wir liegen voll im Plan, waren zweimal auf dem Stockerl, wenn auch nicht ganz oben. Wir sind aber, vor allem auch in der Breite, gut aufgestellt", schätzte Weinbuch ein.

Dabei kann er sich offenbar weiter auf seinen Routinier Björn Kircheisen verlassen. Mit stabiler Sprungtechnik überzeugte der 34-Jährige. Im Laufen hat er in den vergangenen Monaten mehr Kilometer als in Jahren zuvor trainiert. "Da fehlt mir nach den langen Einheiten noch die Spritzigkeit", sagte der Erzgebirger. Dass sein erstes Gold in der langen Karriere vergangenen Februar in Lahti Kräfte freisetzen könnte, ist anzunehmen. Das avisierte Karriereende nach Olympia 2018 scheint jedenfalls nicht mehr in Stein gemeißelt zu sein. Björn Kircheisen: "So lange ich die Jungen noch auf Distanz halten kann, mache ich weiter."

Olympiasieger Uli Wehling hilft im Organisationsteam - Künftig blaue und rote Startnummern

Viel Prominenz aus früheren Kombinationszeiten war am Fichtelberg präsent. Ulrich Wehling, der dreimalige Olympiasieger, half im Organisationsteam aus. Mit Konrad Winkler, der 1978 in Lahti Weltmeister wurde und heute als Trainer in Bayern arbeitet, sowie Gunter Schmieder schauten sich weitere ehemalige Weltklasse-Kombinierer aus dem Erzgebirge ihre Nachfolger an. Auch Skisprung-Olympiasieger Jens Weißflog weilte unter den Zuschauern.

Bereits am Samstag gab es einen Teamwettbewerb. Beim Sieg der Tschechen Tomas Portyk und

Miroslav Dvorak, die u. a. eine Torte als Preis erhielten, kam das Duo mit Eric Frenzel und Fabian Rießle auf Rang zwei. Der Erzgebirgsexpress mit Björn Kircheisen und Terence Weber rollte als Fünfter ins Ziel.

Den zweiten Continentalcup der Skispringerinnen gewann die Polin Kamila Karpiel. Die 15-Jährige verwies Ramona Straub (Langenordnach) auf Rang zwei. Beide tauschten damit ihre Plätze vom Vortagesspringen.

Norwegens Kombinierer fehlten zum Grand-Prix-Auftakt. Havard Klemetsen wird auch im Olympiawinter nicht mehr starten. Der 38 Jahre alte Team-Olympiasieger und -Weltmeister hat seine Karriere beendet. "Es ist Zeit, mir einen vernünftigen Job zu suchen und ein bisschen für die Rente zu arbeiten. Ich habe zwei Kinder und eine Freundin, um die ich mich nun mehr kümmern möchte", hatte der Wikinger zum Abschied verkündet. In 14 Jahren bestritt Klemetsen 220 Weltcups, feierte 2011 in Lillehammer einen Sieg.

Eine Neuerung wird es im kommenden Winter geben. Der jeweils beste Springer (blaues Trikot) und beste Läufer (rotes Trikot) in der Kombination erhält im Weltcup die entsprechend farbigen Startnummern. Die Reihung wird nach ähnlichem Muster wie das Weltcuppunktesystem errechnet. In Oberwiesenthal wurde die Neuerung schon praktiziert, die Farben allerdings noch vertauscht.

Die Sommerserie wird am Mittwoch in Montafon (Österreich) sowie am Wochenende in Oberstdorf mit zwei Einzelwettbewerben fortgesetzt. (tp)

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