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Von 1988 bis 1993 trainierte Hans Meyer den FCK/CFC, führte das Team 1989 ins Finale des FDGB-Pokals und bis ins Achtelfinale des Uefa-Cups, 1990 zur DDR-Vizemeisterschaft und 1991 in die 2. Bundesliga.

Foto: Frank Kruczynski/Archiv

Nur eine Niederlage schmerzt Hans Meyer noch heute

Trainerlegende Hans Meyer blickt zu seinem 75. Geburtstag auf seine Karriere zurück und schätzt den Fußball der Gegenwart ein

erschienen am 01.11.2017

Chemnitz. Hans Meyer kann im deutschen Profifußball auf eine vielfältige Trainerkarriere verweisen. Als einziger gesamtdeutscher Coach gewann er in Ost und West den Pokal. Zur Wendezeit führte Meyer eine junge und talentierte Elf des FC Karl-Marx-Stadt auf Europas Bühne. Am Freitag wird er 75 Jahre alt. Gottfried Weise sprach mit dem Jubilar.

Freie Presse: 75 - nur eine Zahl ?

Hans Meyer: Eigentlich ja. Der Gedanke kommt inzwischen aber öfter, dass es eine Endlichkeit gibt. Momentan fühle ich mich fit. Anscheinend bin ich gesund. Das weiß man ja nie so ganz genau.

In welchem Kreis werden Sie Ihren Geburtstag feiern?

In mehreren kleinen Kreisen. Ich habe ja eine große Familie, acht wohlgeratene Enkel, drei fest im Leben stehende Kinder, die gut miteinander können. Meine partnerschaftliche Beziehung ist intakt, ich muss nicht auf den Cent schauen, kann mir ein paar attraktive Reisen gönnen. Ich weiß natürlich, dass ich damit privilegiert bin.

Welche Partygäste sind zu erwarten?

Meine Blumenfrau, mein Eis-Italiener, mein oft helfender Computertechniker. Natürlich kommen noch ein paar andere Freunde und Bekannte vorbei. Aber zehn Namen aus 40 Arbeitsjahren zu nennen, hieße zehn andere zu verärgern. Deshalb belasse ich es bei dieser Aufzählung.

1971 haben Sie in Jena nach kurzer Assistentenzeit die Startruppe vom Meistermacher Georg Buschner mit den Ducke-Brüdern als jüngster Trainer der DDR-Oberliga übernommen. Wie kam es dazu?

Georg Buschner, der spätere Nationaltrainer, agierte noch ein Jahr in der Doppelrolle als Auswahl- und Vereinstrainer, bevor er mir 1971 als ehemaligem Spieler die Geschäfte in Jena übertrug.

Welche Botschaft hat er seinem Musterschüler mit auf den Weg gegeben?

Seine Kernbotschaft lautete: Eine Mannschaft muss fit sein. Auf dieser Basis holte der "Schorsch" drei Titel und einen Pokalsieg mit Jena.

Gleich zu Beginn Ihrer Trainerlaufbahn gab es Proteste?

Buschner hatte mir eine unglaublich gut trainierte Mannschaft mit acht Nationalspielern hinterlassen. Das Team hätte auch der Hausmeister coachen können. Bis auf Peter Ducke war die Mannschaft leicht zu führen. Doch die Ergebnisse stimmten nicht mehr. Im Zeiss-Werk protestierten 1800 Leute gegen den jungen Meyer. Meine Rettung war der Pokalsieg gegen Dynamo Dresden.

In der Saison 1980/81 setzte der FC Carl Zeiss mit Trainer Hans Meyer, der inzwischen dreimal den FDGB-Pokal gewonnen hatte, zu einem Sturmlauf über Europas Fußballfelder im Cup der Pokalsieger an. Der AS Rom wurde nach einem 0:3 im Hinspiel mit 4:0 weggefegt, danach Valencia und Benfica Lissabon aus dem Wettbewerb geschossen. Nur das Finale ging mit 1:2 gegen Dynamo Tiflis verloren.

Das ist die einzige Niederlage, die mich noch heute ärgert. Bis zur 60. Minute stand es 0:0. Dann macht Hoppe das 1:0. Danach spielten wir so, als wären wir schon der Europacupgewinner, wurden von einer überragenden Elf ausgekontert. Mir war beim Abpfiff klar: Hans, so eine Chance bekommst du in deiner Karriere nie wieder.

Eine tolle Serie haben Sie dann noch einmal im Uefa-Cup 1989/90 mit dem FC Karl-Marx-Stadt hingelegt. Mit den Himmelsstürmern Steinmann, Heidrich, Bittermann, Laudeley, Wienhold, Köhler, Mehlhorn und Schmidt führte der Weg bis ins Achtelfinale, wo Juventus Turin das Stoppzeichen setzte.

Die fünf Jahre mit dem FC Karl-Marx-Stadt bzw. Chemnitzer FC waren sehr angenehm und produktiv. Mit dieser sehr jungen und erfolgshungrigen Mannschaft konnten wir viel erreichen.

Und Juve-Trainer Dino Zoff schwärmte von einem Rico Steinmann als Weltklasse-Jungen ...

Er war ein Riesentalent. Leider wurde Rico in die falsche Richtung gelockt. Udo Lattek pries ihn in Köln als den großen Spielmacher an. Das aber war er nie, eher ein hochbegabter Individualist.

Sie waren in Ost und West als Trainer erfolgreich. Welche Unterschiede haben Sie ausgemacht?

Es mag verblüffen, aber es ist die Wahrheit: keine. Der einzige Unterschied ist das Geld. Während ich in der DDR vielleicht 300 Mark mehr als ein Lehrer hatte, erreichte ich schon mit meinem Vertrag im holländischen Twente finanzielle Unabhängigkeit.

Der Hoffenheimer Newcomer Julian Nagelsmann wurde zum "Trainer des Jahres" gewählt. Gibt es Parallelen zum jungen Hans Meyer?

Der junge Mann aus Hoffenheim sieht deutlich besser aus als ich damals. Und: Ich übernahm mit Jena eine Spitzenmannschaft, Julian ein Team im Abstiegskampf.

Haben die Bayern Sie mit der erneuten Wahl von Jupp Heynckes überrascht?

Nein. Er war in der selbst verschuldeten Situation die einzig sinnvolle Alternative. Überrascht hat mich der FC Bayern lediglich mit dem für diesen Verein untypischen Zeitpunkt des Trainerwechsels.

Wo steht die deutsche Nationalmannschaft? Hat Joachim Löw jetzt - nach toller WM-Qualifikation und dem Confed-Cup-Sieg - einen Kader wie kein Bundestrainer zuvor?

Ich glaube, wir hatten in der Breite noch nie so viele gute kreative Fußballer wie jetzt, aber schon bessere Männer in der Abwehr und im Sturmzentrum.

Seit dem Transfertheater im Sommer fragt sich die Branche: Sind die 220 Millionen für Neymars Wechsel von Barcelona nach Paris epochale Dekadenz oder künftiger Normalfall?

Die Entwicklung zu noch mehr Geld durch noch mehr Vermarktung ist nicht aufzuhalten. Einzige Alternative ist eine sozialistische Revolution, die unser kapitalistisches Wirtschaftssystem verändert. Nach Dekadenz können Sie auch in anderen Bereichen unseres gesellschaftlichen Miteinanders fahnden. Sie werden fündig.

Reizt Sie eine Rückkehr auf die Bank - so wie Jupp Heynckes?

Als ich das Kapitel Trainer bereits abgeschlossen hatte, bekniete mich ein VW-Boss, dass ich doch den Job beim VfL Wolfsburg übernehmen solle. Es gab andere reizvolle Angebote, auch von den Bayern. Sogar mehrere.

Wie viel bedeutet Ihnen der Fußball heute noch?

Ich bin natürlich emotional nicht mehr so dicht dran wie früher. Aber bei dem Angebot der Gladbacher Borussia, im Präsidium als Berater neben Rainer Bonhof mitzuarbeiten, habe ich mir gesagt: Hans, das kannst du machen. Dafür brauchst du dein Lotterleben als Rentner nicht aufzugeben.



Foto: Imago

Hans Meyer: Erfolgreich in Ost und West 

Hans Meyer wurde am 3. November 1942 im böhmischen Briesen geboren. Er absolvierte in Jena ein Studium zum Lehrer für Sport und Geschichte. Als Abwehrspieler gehörte er zweimal zum Meisteraufgebot des FC Carl Zeiss Jena unter Erfolgscoach Georg Buschner. Bei 30 Oberligaeinsätzen gelang ihm ein Tor.

1971 übernahm er mit 28 Jahren als jüngster DDR-Oberligatrainer den FC Carl Zeiss und gewann mit dem Team in der Folge dreimal den FDGB-Pokal.

1981 erreichte "Mister Europacup der DDR" sogar das Finale im Europacup der Pokalsieger, das allerdings in Düsseldorf gegen Dynamo Tiflis mit 1:2 verloren ging. Zwischen 1988 und 1993 führte Meyer den FC Karl-Marx-Stadt bzw. CFC in die Oberligaspitze, ins Achtelfinale des Uefa-Cups und nach der Wende in die 2. Bundesliga.

Angebote aus der Eliteliga blieben zunächst aus. Über den Umweg Twente Enschede in den Niederlanden fand Meyer auf die Überholspur. 1999 engagierte ihn der damalige Zweitligist Mönchengladbach. 2001 führte Meyer die Borussia in die 1. Bundesliga zurück. Mit Hertha BSC Berlin schaffte er 2004 den Bundesliga-Klassenerhalt, mit dem 1. FC Nürnberg gewann er 2007 den DFB-Pokal.

Heute sitzt Hans Meyer im Präsidium der Gladbacher Borussia. (gowe)

 
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