Jubel, Dramen und ein Weltrekord

Die Olympischen Winterspiele sind vorbei, am Montag wurden die deutschen Asse unter großem Jubel in der Heimat empfangen. Die Tage von Pyeongchang haben Geschichte und Geschichten geschrieben. Ein Überblick.

Pyeongchang/Gangneung.

Rund 3000 Sportler aus 93 Nationen haben in den vergangenen zweieinhalb Wochen in den Bergen von Pyeongchang und den Eishallen Gangneungs um 102 Medaillensätze gekämpft. Es spielten sich Dramen ab, große Siege wurden gefeiert. Die "Freie Presse" wirft einen Blick zurück auf die Winterspiele.

Die Medaillensammler: Skispringer Andreas Wellinger (Gold, 2x Silber), der Oberwiesenthaler Eric Frenzel und Biathletin Laura Dahlmeier (beide 2x Gold und Bronze) waren mit dreimal Edelmetall die erfolgreichsten deutschen Medaillensammler. Unübertroffen war in Pyeongchang aber Norwegens Eiserne Lady im Langlauf: Marit Björgen. Die 37-Jährige holte fünf Medaillen (Bestwert 2018) und stockte ihr Konto damit insgesamt auf acht goldene, vier silberne und drei bronzene Plaketten auf. Damit verdrängte Marit Björgen ihren Landsmann, den Biathleten Ole Einar Björndalen, vom Thron des erfolgreichsten Winterolympioniken aller Zeiten.

Das Multitalent: Eine Weltmeisterin wird Olympiasiegerin. Keine Überraschung? Im Fall von Ester Ledecka schon. Die Tschechin holte sich auf Ski Gold im Super-G - als Snowboarderin. Sie düpierte die Favoriten auf zwei Brettern und dominierte am Wochenende auf einem Brett im Riesenslalom, ihrer Paradedisziplin. Doppelgold für das 22 Jahre alte Multitalent aus Prag.

Dramen im Eiskanal: Sekundenlang saß Felix Loch nach dem verpassten Gold auf seinem Schlitten. Die Hände und Füße von sich gestreckt, der Kopf tief zwischen den Händen hängend, muss er von Vater und Trainer Norbert Loch getröstet werden. Zum dritten Mal nach 2010 und 2014 hätte der Bayer Olympiasieger werden können, drei Läufe lief alles nach Plan, nur in der Schlussphase des vierten warf ihn ein Fehler aus den Medaillenrängen. Der Patzer kostete Loch im Grunde zwei Goldmedaillen. Im deutschen Team durfte statt seiner Bronzemedaillengewinner Johannes Ludwig starten und sicherte sich im Mannschaftswettbewerb den erwarteten Olympiasieg. Es war jedoch nicht die einzige Geschichte, die im Eiskanal von Pyeongchang in die Geschichte eingehen wird. Der Pirnaer Bobpilot Francesco Friedrich und sein Anschieber Thorsten Margis wurden zeitgleich mit den Kanadiern Justin Kripps und Alexander Kopacz Olympiasieger.

Die OAR: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht es als erwiesen an, dass Russland in der Vergangenheit systematisch gedopt hat. Zahlreiche Topathleten wurden gesperrt, als sauber erachtete Sportler durften antreten. Die Olympic Athletes from Russia (OAR) sammelten zwei Goldmedaillen, sechs silberne und neun bronzene. Zum Vergleich: In Sotschi 2014 führte die russische Mannschaft mit 13 Olympiasiegen - zwei davon wurden inzwischen wegen Dopings aberkannt - den Medaillenspiegel an. Dass in Südkorea mit Alexander Kruschelnizki ausgerechnet ein Curler des Dopings überführt wird, ist kurios. Von all den Sportarten der Winterspiele braucht man beim Curling am wenigsten Schnellkraft oder Ausdauer. Es folgte noch ein weiterer Fall: Die Bobpilotin Nadeschda Sergejewa wurde in der A-Probe positiv getestet und gab später den Verstoß zu. Die russischen Athleten durften deswegen auch bei der Abschlussfeier nicht unter ihrer Flagge einlaufen.

Die Weltrekordkür: Nach der letzten Figur lagen Aljona Savchenko und Bruno Massot erschöpft und glücklich eine halbe Minute auf dem Eis. Sie wussten, dass es die beste Kür war, die sie je gelaufen sind. Die Punktrichter in der Gangneung Ice Arena gingen noch einen Schritt weiter und gaben so viele Punkte wie noch nie: Weltrekord. Trotz eines Fehlers im Kurzprogramm am Tag zuvor gewann das Paar noch Gold. Die 34 Jahre alte, gebürtige Kiewerin ist nach zwei Bronzemedaillen und vielen olympischen Enttäuschungen bei ihren fünften Winterspielen endlich am Ziel.

Die Charmeoffensive aus dem Norden: Vor und bei Olympia gab es viele Zeichen der Annäherung zwischen Nord- und Südkorea. Gemeinsam liefen sie zur Eröffnungsfeier ein, stellten zusammen bei den Frauen ein Eishockeyteam und auch die Schwester des Diktators Kim Jong-Un war zu Besuch. Die Bilder, die um die Welt gingen, waren aber andere. Aus dem Norden reisten 100 junge Frauen an, die in bizarrer Einheitlichkeit die wenigen Sportler aus dem Norden mit einstudierten Gesängen anfeuerten.

Die Gastgeber: Die Wettkampfstätten top, die Organisation mit wenigen Ausnahmen auf den Punkt: Südkorea präsentierte sich als bestens vorbereiteter Gastgeber. Die Bescheidenheit der Organisatoren war ein angenehmer Kontrast zum Gigantismus, der Olympia zuletzt begleitet hatte. Kritikpunkte war die fehlende Stimmung, was nur teilweise zutraf. Beim Eisschnelllauf, Curling, Skeleton und Shorttrack ging die Post ab. Außerdem sollte man als Europäer nicht so vermessen sein, die Art und Weise der heimischen Stimmung als Nonplusultra zu nehmen. In Korea wird anders gejubelt als in Deutschland, auch in Rio bei den Sommerspielen unterschied sich die Stimmung von der in Europa oder Nordamerika. Das bedeutet nicht, dass es schlechter war.

Das Wetter: Die Temperaturen sanken während mancher Wettbewerbe auf bis zu minus 18 Grad Celsius. Dem vorproduzierten Schnee auf den Strecken tat das gut. Das größte Problem für Veranstalter, Sportler und Zuschauer stellte der eisige Wind dar, der während der kompletten zweieinhalb Wochen über die Olympiastätten fegte. Zahlreiche Wettbewerbe der Alpin-Skifahrer mussten verschoben werden, auch die Biathleten waren von einer Absage betroffen. Die Skispringer und Nordischen Kombinierer zogen ihre Springen durch. Einige Sportler mussten lange auf dem Balken in eisiger Höhe warten, andere waren allein aufgrund der Bedingungen chancenlos.

Das Eishockey-Wunder: Auch wenn die NHL-Stars fehlten: Dass Deutschland auf dem Weg ins Finale Schweden und Kanada besiegt, damit hatte niemand vorher gerechnet. Allein die Olympiateilnahme war bereits ein Erfolg, der Finaleinzug eine Sensation, für die man die Kufencracks mit dem Adler nicht genug loben kann. Trotz der denkbar knappen Niederlage im Spiel gegen Russland - die Silbermedaille ist der größte Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte.

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