Russlands Fazit: «Wir bekommen unsere Fahne wieder!»

Russland hat bei den Winterspielen 2014 systematisch gedopt, 2018 hat es dafür büßen müssen. Doch der Sieg im Eishockey überstrahlt die maue Bilanz in Pyeongchang, und die Moskauer Sportpolitik setzt auf eine neue Generation von Athleten.

Moskau (dpa) - Russland zieht nach Olympischen Winterspielen unter erschwerten Bedingungen ein versöhnliches Fazit. «Die seltsamsten Olympischen Spiele in der Geschichte unseres Sports sind vorbei», schrieb am Montag die Zeitung «Sport-Express».

Der Kreml nannte das Abschneiden der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf 168 Aktive reduzierten Mannschaft in Südkorea einen Erfolg. «Für den russischen Sport sind Medaillen immer noch der wichtigste Gradmesser, und der Zahl der errungenen Medaillen nach kann man das Auftreten erfolgreich nennen», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau.

Die Olympischen Athleten aus Russland gewannen bei den Winterspielen in Pyeongchang zwei Mal Gold, sechs Mal Silber und neun Mal Bronze. Niemals waren es weniger Goldmedaillen, wie «Sport-Express» anmerkte. Das bedeutete in der Nationenwertung nur Platz 13 nach dem ersten Rang bei den Heimspielen in Sotschi 2014.

Doch vor allem der hart erkämpfte Finalsieg im Eishockey gegen Deutschland (4:3) überragt im russischen Bewusstsein alles. Die Präsidentin des nationalen Skilanglaufverbandes, Jelena Välbe, sagte gar, dass Russland damit die Winterspiele insgesamt gewonnen habe.

Die Unterstützung der Bürger für die Sportler sei wichtiger als die Tatsache, dass Russland bei der Schlussfeier seine Flagge nicht habe zeigen dürfen, sagte Kremlsprecher Peskow. «Sie wissen, auf welche Resonanz in unserem Land die Goldmedaillen für unsere Sportler gestoßen sind.» Jubel löste in Russland auch der Doppelsieg der Eiskunstläuferinnen Alina Sagitowa und Jewgenija Medwedjewa aus.

Wegen der Dopingmanipulationen in Sotschi hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Russland als Sportnation für Pyeongchang ausgeschlossen und nur einzelne Athleten eingeladen. Diese mussten ohne eigene Hymne, Fahne und russische Sportuniform antreten.

Wegen neuer Dopingfälle bei dem Curler Alexander Kruschelnizki und der Bobfahrerin Nadeschda Sergejewa wurde die Sperre aber nicht wie erwartet zur Schlussfeier aufgehoben. «Wenn wir so dumm sind, dass wir die Auserlesensten der Auserlesenen nicht schulen, erziehen, zur Vernunft bringen, dann dürfen wir uns nicht ärgern», kommentierte die Zeitung «Moskowski Komsomolez».

Das IOC wird den Bann gegen das Russische Olympische Komitee nun erst aufheben, wenn alle Dopingproben der russischen Athleten als sauber bestätigt sind. «Wir bekommen unsere Fahne zurück», freute sich der «Sport-Express». Die Entscheidung stieß aber auf Kritik bei der Vereinigung der führenden Nationalen Anti-Doping-Agenturen (iNADO): «Es ist offensichtlich, dass die Entscheidung aus pragmatischen Gründen getroffen wurde und nicht aus prinzipiellen Erwägungen.» Das IOC übe nicht genug Druck auf die Russen aus, um ein Bekenntnis «zu den Prinzipien des Fairplays» zu erwirken, erklärte die iNADO.

Rund drei Viertel der russischen Teilnehmer in Pyeongchang seien zum ersten Mal bei Olympischen Spielen gestartet, sagte der russische Sportminister Pawel Kolobkow. «Unsere Athleten haben zum Wohl künftiger Athleten und zum Wohl der Zukunft des russischen Sports teilgenommen», sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. «Sie sind alle Helden, ohne Ausnahme.»

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