Sophie Scheder - Mit Schwung in die Weltklasse

Von ihren Eltern bekam Sophie Scheder einst eine Kette geschenkt, seitdem wollte die Chemnitzerin zu Olympia. Dort hat sie jetzt einen großen Erfolg gefeiert, garniert mit großen Emotionen.

Rio de Janeiro.

Sophie Scheder gilt in Fachkreisen als elegante Turnerin, als eine, die den nötigen Schwung, den gewissen Drive mitbringt. "Den hat man oder hat man nicht. Das kann man einer Turnerin nicht beibringen. Und Sophie hat es eben", sagte Trainerin Gabi Frehse einmal über die junge Dame, die in den Tagen von Rio darüber wohl lachen kann.

Dabei war der größte Triumph einer Kunstturnerin aus Chemnitz eine tränenreiche Angelegenheit. Als feststand, dass die Stuttgarterin Elisabeth Seitz, die letzte Starterin am Barren, sie im innerdeutschen Duell nicht übertrumpft hatte, übermannten die Konkurrentinnen die Emotionen. Mit mehr als feuchten Augen, die eine vor Glück, die andere vor Enttäuschung, fielen sich die beiden Protagonistinnen eines denkwürdigen Olympiawettkampfes in die Arme: "Als Allererstes habe ich gedacht: Oh Mist, jetzt ist Elli Vierte", erzählte Sophie Scheder und fügte an: "Ich glaube aber, das ist mein Charakter, dass ich erst an andere denke und nicht an mich."

Nun sind die Gerätefinals ein Kampf Mann gegen Mann oder eben Frau gegen Frau. Ein spannender Wettbewerb, in dem Kleinigkeiten entscheiden und starke Nerven gefragt sind. Das hatten zwei der Mitfavoritinnen nicht, sie patzten und eröffneten damit den beiden deutschen Damen die Möglichkeit, mit einem Medaillengewinn Geschichte zu schreiben. 1988, in Seoul, hatte die Berlinerin Dagmar Kersten für die DDR die Silbermedaille gewonnen. 28 Jahre später schaffte es Sophie Scheder, mit einer fehlerfreien, technisch anspruchsvollen Übung in diese Fußstapfen zu treten: "Ich bin jetzt in der Weltklasse, das kann ich wirklich von mir behaupten. Dass ich das geschafft habe, ist meine wichtigste Erkenntnis hier in Rio", sprudelte es aus ihr heraus. Elisabeth Seitz, der bei einer schwierigen Verbindung eine kleiner Fehler unterlaufen war und die nur die Winzigkeit von 0,033 Punkten hinter der Wahl-Sächsin lag, hatte währenddessen viel mehr Mühe, ihre Gefühle in Worte zu packen: "Klar, ich freue mich für Sophie. Aber wenn es so knapp ist, dann ist man natürlich umso enttäuschter. Es war ein Hauch von Nichts", sagte sie schluckend. Dass Bundestrainerin Ulla Koch beide Athletinnen gebührend lobte ("Für mich ist nicht ausschlaggebend, wer Bronze geholt oder Vierte geworden ist, beide sind tolle Mädchen."), konnte die knapp Unterlegene in diesem Moment nicht wirklich trösten.

Doch zurück zur Gewinnerin des Abends, die sich nach dem Mehr-kampffinale noch einmal moralische Unterstützung geholt hatte: "Dass ich mit meinen Eltern am wettkampffreien Tag noch einmal durch das olympische Dorf gehen konnte, das hat mir wirklich nochmal Kraft gegeben", erzählte Sophie Scheder, deren Mutter und Vater ihr 2011 bei den Jugendspielen in Trabzon eine Kette mit den olympischen Ringen geschenkt hatten. "Seitdem wollte ich unbedingt zu Olympia", verriet die Tochter, deren Eltern ihr immer den Rücken freihielten und ihre größten Fans sind.

Auch die weite Reise zum Zuckerhut scheuten Harald und Andrea Scheder nicht, schrieben sie spontan als "Silberhochzeitsreise" aus. "Mental war sie stark wie nie", sagte der glückliche Vater am Abend im Deutschen Haus, wo seine Tochter und die Bronzemedaille, auch mit dem einen oder anderen Gläschen Caipirinha, ausgiebig gefeiert wurden. Dass die Plakette jedoch nach Wolfsburg geht, woher Sophie Scheder stammt, ist eher un- wahrscheinlich: "Ich denke, dass sie einen Ehrenplatz in Chemnitz bekommt", sagte die glückliche 19-Jährige und schielte immer wieder verstohlen auf die Medaille: "Das dauert, ehe ich das wirklich begreife. Aber auf jeden Fall werde ich sie Gabi Frehse um den Hals hängen, denn wir haben uns das zusammen erarbeitet."

Harte Arbeit ist keine Hexerei und Grundlage für den Erfolg. Harte Arbeit wartet auf Sophie Scheder auch in den kommenden vier Jahren, denn einen olympischen Zyklus will sie auf jeden Fall noch angehen. Erst einmal steht aber eine längere Pause und dann ein Lehrgang bei der Bundeswehr auf dem Plan. "Im nächsten Jahr geht es wieder los", blickt die Chemnitzerin voraus. Jetzt natürlich mit noch mehr Schwung.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...