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Für Claudia Pechstein sind es die siebten Olympischen Winterspiele.

Foto: Peter Kneffel

Auch ohne Fahne: Pechstein schreibt Olympia-Geschichte

Es ist eigentlich ein Aufwärmen für ihre Paradestrecke, die 5000 Meter. Aber in ihrem ersten Rennen am Samstag wird Claudia Pechstein erneut Olympia-Geschichte schreiben. Über 3000 Meter scheint eine Medaille für die Eisschnellläuferin jedoch außer Reichweite.

Von Frank Thomas, dpa
erschienen am 09.02.2018

Gangneung (dpa) - Trotz des geplatzten Traums vom Einzug mit der deutschen Fahne ins Olympiastadion geht Claudia Pechstein am Samstag voll fokussiert auf das Eis im Oval von Gangneung.

«Es ist sehr, sehr schnell. Das machen die Eismeister von der Hochlandbahn in Calgary», erklärte die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin. Und sie fügt hinzu: «Wenn sie wieder so ein Eis hinzaubern wie bei der WM hier im vergangenen Jahr, wäre es perfekt für mich.»

Am Tag vor ihrem Olympia-Auftakt über 3000 Meter versuchte die Berlinerin, die Erwartungen ein wenig herunterzuspielen. «Wenn mir ein guter Lauf gelingt und ich Platz acht erreiche, wäre ich vollkommen zufrieden», sagte sie. Platz acht würde ihr die Zugehörigkeit zum A-Kader der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft und die entsprechende Förderung sichern.

Bei der zweigeteilten Abstimmung über den Fahnenträger hatte sie sich bei den Fans durchgesetzt, nicht aber bei den Kollegen im Olympia-Team. «Im Votum der deutschen Sportfans sogar auf Platz eins gelandet zu sein, macht mich sehr glücklich», teilte sie mit.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann rechtfertige die Nominierung der fünfmaligen Olympiasiegerin für den Kreis der Fahnenträger-Kandidaten. «Wir haben es getan, weil wir aufgrund der umfangreichen Recherchen und medizinischen Gutachten nach wie vor klar und deutlich davon überzeugt sind, dass Claudia Pechstein nicht Täterin, sondern Opfer war, ist und nach unserem Verständnis auch bleibt», erklärte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Die Tatsache, dass Pechstein die Publikumswahl gewonnen habe, sei eine «schöne Bestätigung für sie, dass auch von den Bürgern fein unterschieden wird in der Causa». Pechstein war wegen ungewöhnlicher Blutwerte vom Weltverband ISU für zwei Jahre gesperrt worden und hatte deshalb auf die Spiele 2010 in Vancouver verzichten müssen.

Wenn für die Berlinerin im Duell gegen Mitfavoritin Ivanie Blondin aus Kanada der Startschuss über 3000 Meter ertönt, hat sie bereits olympische Geschichte geschrieben. Noch nie startete eine Athletin bei sieben Winterspielen, noch nie ging eine Eisschnellläuferin zum 16. Mal bei Olympia auf einer Einzelstrecke an den Start. Und noch nie war eine Sportlerin bei den Spielen 45 Jahre alt.

Sollte die «Eis-Oma», wie sie sich selbst tituliert, in Südkorea eine Medaille gewinnen, würde sie noch ganz andere Olympia-Rekorde verbuchen. Als erste Athletin hat sie die Chance, bei sechs Spielen eine Medaille zu gewinnen. Zudem würde sie Eiskunstläuferin Ethel Muckelt als älteste Medaillengewinnerin bei Winterspielen in einer Einzel-Disziplin ablösen. Die Britin war bei ihrem dritten Platz 1924 in Chamonix 38 Jahre und 243 Tage alt.

Auch die Zeitspanne von 26 Jahren zwischen zwei Olympia-Medaillen - ihr Debüt gab sie 1992 in Albertville mit Bronze über 5000 Meter - hat bisher noch nie ein Athlet geschafft. «Es macht mich stolz, dass ich in diesem Alter noch solche Leistungen bringe. Eigentlich müsste ich immer Letzte werden», meinte Pechstein schmunzelnd. Bislang hat die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin neun Medaillen erkämpft. Zehn Medaillen gewannen nur die Ski-Langläuferinnen Marit Björgen aus Norwegen (6/2/2), Raissa Smetanina (4/5/1) aus der Sowjetunion und Stefania Belmondo (2/2/6) aus Italien.

Eine große Motivation ist für sie die Anwesenheit der Funktionäre der ISU, die sie als ihre «Feinde» bezeichnet. «Wenn ich vorne mitlaufe, dann ärgert das die Herren enorm. Sie hatten 2009 behauptet, dass meine Leistungen mit Mitte 30 ohne Manipulation nicht möglich seien», sagte Pechstein. «Jetzt müssen sie erkennen, dass das ein Irrtum war. Selbst mit Mitte 40 sind solche Leistungen noch sauber machbar. Deshalb werde ich meinen Kampf bis zum Ende weiterführen. Siegen oder Sterben, das bleibt meine Devise - symbolisch gemeint natürlich.»

 
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