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Johannes Rydzek zeigte im Training gute Sprungleistungen.

Foto: Daniel Karmann

Nachsitzen für Kombi-Champion Rydzek

Es läuft nicht rund bei Johannes Rydzek. Doch der Vierfach-Champ bei der WM wird bei den Kombinierern gebraucht. Deshalb gab es auf der Schanze zuletzt Zusatz-Einheiten. Alle hoffen, dass im Wettkampf der Knoten platzt.

Von Gerald Fritsche und Patrick Reichardt, dpa
erschienen am 13.02.2018

Pyeongchang (dpa) - Ausgerechnet Johannes Rydzek musste nachsitzen. Während die anderen deutschen Nordischen Kombinierer einen Tag vor dem ersten Olympia-Wettkampf am Mittwoch vor allem in der Loipe trainierten, musste der Vierfach-Weltmeister noch einmal den Sprunganzug überstreifen.

Der Champion holte sich vor dem Springen auf der Normalschanze Selbstvertrauen. Geplant war das nicht, doch besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.

«Er hatte im ersten Training furios angefangen und die Bestweite markiert. Das war für ihn ein Segen. Die zwei Sprünge danach waren wieder nicht so toll. Deshalb haben wir uns entschlossen, mit ihm noch einen Sprung zu machen», begründete Bundestrainer Hermann Weinbuch die Zusatz-Schicht. Und sie lohnte sich. Der Oberstdorfer flog auf 104,5 Meter und wurde in Abwesenheit seiner Teamkollegen Zweiter. «Ich habe mich gut auf die Schanze eingestellt. Ich wollte einfach nur für das Gefühl die Stimmung im Training nochmal mitnehmen», sagte er.

Rydzek und seine Sprungprobleme - das Thema zieht sich durch die komplette Saison. «Es ist nicht viel, was fehlt, aber dennoch immer etwas», sagte Sprungtrainer Ronny Ackermann. Und: Es hat sich im Kopf festgesetzt. «Er springt nicht frei. Es fehlt die Selbstsicherheit, die ihn im vergangenen Jahr von Sieg zu Sieg geführt hat», sagte Weinbuch.

Der Druck, als viermaliger Weltmeister und Sportler des Jahres weiterhin permanent erfolgreich sein zu wollen, scheint an ihm zu nagen. Rydzek wiegelt ab. «Was war, ist vorbei, das habe ich schon vor der Saison gesagt.» Dass es dennoch nicht vorangeht, nervt den zuweilen überehrgeizigen Athleten.

Deshalb das zusätzliche Training. Es soll ihm zeigen: Die Trainer stehen zu ihm, wollen ihm helfen. Auch, weil die Mannschaft ihn braucht. Und Rydzek müht sich. «Ich versuche, bei mir zu bleiben und das Feeling aufzusaugen. Wenn mir ein guter Sprung gelingt, ist alles drin. Ich denke und hoffe, dass es am Mittwoch einen fairen Wettkampf geben kann. Dass man sich Zeit lässt», sagt er mit Blick auf die Windbedingungen, die auch bis Mittwoch nicht besser werden sollen.

Im Laufen ist Rydzek eine Bank. Ein Malheur wie in Sotschi, als sich die Deutschen im Kampf um die Medaillen gegenseitig umfuhren, soll es diesmal nicht geben. Deshalb probte man im Pulk bereits die Schlussspurt-Gestaltung. Mit einem Leidtragenden wie vor vier Jahren: Rydzek. «Ihm sind dabei beide Stöcke gebrochen», sagte Weinbuch. Ob das als gutes oder schlechtes Omen zu werten ist, ließ der Coach offen.

 
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