Tatjana Hüfner - die Unvollendete

Fast hätte die Thüringerin bei ihrer fünften Olympiateilnahme zum fünften Mal eine Medaille gewonnen. Nur ein Wimpernschlag fehlte.

Chemnitz.

Es sind Geschichten, die schreibt eigentlich nur der Sport. Knapp sieben Hundertstelsekunden fehlten, um eine große Sportlerkarriere zu krönen. Als Olympiasiegerin Natalie Geisenberger und die überraschende Zweite Dajana Eitberger am Dienstag an der Kunsteisbahn in Pyeongchang das Bad in der Menge genossen, stand etwas abseits Tatjana Hüfner und musste vor den zahlreichen Fernsehkameras begründen, warum es diesmal nur zum vierten Platz gereicht hatte. Die 34-Jährige ist Profi genug, um auch diese Herausforderung zu meistern. "Das ist das Bittere für mich. Ich bin ins Ziel gekommen und dachte, es war ein anständiger Lauf", sagte Hüfner. "Das muss ich so hinnehmen. Bei den nächsten Olympischen Spielen sieht man mich auf jeden Fall nicht mehr."

Damit bleibt eine große Sportkarriere unvollendet, deren Grundstein im Erzgebirge gelegt wurde. Andreas Estel, der langjährige verdienstvolle Trainer beim WSC Erzgebirge Oberwiesenthal, hatte damals bei Besuchen in deren Heimatort Blankenburg mit Engelszungen auf die Eltern von Tatjana Hüfner eingeredet und ihr das gesamte Umfeld mit dem Elite-Gymnasium und den Trainingsbedingungen am Fichtelberg schmackhaft gemacht. Die Eltern willigten ein. Die Grundlagen für eine außergewöhnliche Rodelkarriere waren gelegt. 2006, als auf der Bahn im italienischen Cesana ihre Vereinskollegin Sylke Otto zum zweiten Mal Olympiasiegerin wurde, hielt die damals 22 Jahre alte Tatjana Hüfner mit Bronze zum ersten Mal olympisches Edelmetall in den Händen. 2010 bei den Spielen in Whistler wurde es sogar Gold.

Bei Tatjana Hüfner, die als eher introvertiert gilt, gibt und gab es nur wenige Menschen in ihrem Umfeld, denen sie hundertprozentig vertraute. Einer davon war Wolfgang Scholz, der langjährige Schlittentechniker der deutschen Nationalmannschaft. Der Oberwiesenthaler verstand es, gemeinsam mit der Ausnahmerodlerin das Setup ihres Schlittens stets so hinzubekommen, dass Erfolge garantiert waren. Eine andere Vertrauensperson war André Florschütz, ihr späterer Trainer am Stützpunkt in Oberhof. Vom dreifachen Weltmeister im Doppel (gemeinsam mit dem Oberwiesenthaler Torsten Wustlich) trennte sich der deutsche Verband 2013 aber überraschend. "Da wird einem Sportler der Boden unter den Füßen weggezogen", sagte damals die siebenmalige Weltmeisterin. Sie beklagte auch oft, dass die Thüringer im Gegensatz zum Leistungszentrum in Berchtesgaden benachteiligt würden. Das sorgte bei Olympia 2014 für Ärger, der nur mit Mühe wieder gekittet werden konnte.

Trotz zahlreicher Probleme gab Tatjana Hüfner nicht auf und zeigte es allen noch einmal, als sie im vergangenen Jahr in Igls zum siebenten Mal Weltmeisterin wurde. Auch in der Olympiasaison erreichte sie trotz Verletzungsproblemen wieder Topniveau. Eine Medaille blieb ihr aber versagt. Welche Zukunftspläne sie hat, ließ die Blankenburgerin am Dienstag offen.

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