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Zufrieden mit dem gelungenen Saisonauftakt: Robin Szolkowy bei der 49. Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf mit dem Siegerpaar Jewgenija Tarassowa/Wladimir Morosow und Cheftrainerin Nina Moser (v. l.).

Foto: Tatjana Flade

Pure Freude in der Tränenecke

Vor dreieinhalb Jahren hat Robin Szolkowy seine aktive Paarlauf-Karriere mit dem fünften Weltmeistertitel beendet. Doch als Trainer ist er heute gefragter denn je.

Von Thomas Croy
erschienen am 06.10.2017

Oberstdorf. Robin Szolkowy ist meist gut gelaunt, wenn er auf dem Sofa in der Kiss-and-Cry-Corner auf die Bekanntgabe der Wertung wartet. Das war früher als Eiskunstlauf-Paarläufer an der Seite von Aljona Savchenko so, und die positive Einstellung hat er sich bewahrt.

Seit der Saison 2014/15 ist er als Coach im russischen Eiskunstlaufteam um Erfolgstrainerin Nina Moser (53) tätig. Das junge russische Paar Jewgenija Tarassowa (22 Jahre)/Wladimir Morosow (24) konnte er binnen drei Jahren an die Weltspitze führen. Sie haben im Dezember 2016 das Grand-Prix-Finale in Marseille gewonnen, wurden 2017 Europameister in Ostrava und WM-Dritte in Helsinki. Nun steht in ihrer Erfolgschronik auch der Sieg bei der 49. Nebelhorn-Trophy.

Robin Szolkowys Urteil über die Saisonpremiere seiner Schützlinge in Oberstdorf: "Gut bis sehr gut. Die Leistung war ausreichend, um hier zu gewinnen. Wenn man bei den Olympischen Winterspielen um eine Medaille mitlaufen will, muss natürlich mehr kommen. Da darf man sich keine Fehler erlauben." Der fünffache Paarlauf-Weltmeister und zweifache olympische Bronzemedaillengewinner (2010 in Vancouver, 2014 in Sotschi) weiß, wie stark die internationale Konkurrenz ist. "Die Verfolgergruppe der Spitzenpaare hat es geschafft, ihre Leistungen enorm zu verbessern. Binnen eines Jahres um 30 Punkte - das ist ein Riesenschritt nach vorn. Zur Weltmeisterschaft fing das an, und bei der Nebelhorn-Trophy ging es so weiter. Beim Kampf um die letzten Olympia-Startplätze hat sich das gesamte Feld stark präsentiert."

Seit Mai hat der Ex-Chemnitzer auch ein ungarisches Paar unter seinen Fittichen: Daria Beklemischeva (20), eine gebürtige Russin, die bis 2015 mit Maxim Bobrow lief, und Mark Magyar (27), der zuvor schon mit drei anderen Partnerinnen lief. Bei der WM Ende März hatten sie den Einzug ins Finale verpasst (24.). Zur Nebelhorn-Trophy landeten die Ungarn auf Rang 14 - mit neuer persönlicher Bestleistung. "Obwohl sie vom Pech verfolgt waren, wie man nur vom Pech verfolgt werden kann, haben sie sich durchgekämpft", lobte Szolkowy. Daria Beklemischeva laborierte im Sommer an einem Köchelbruch, in der Woche vor der Nebelhorn verpasste sie ihrem Partner bei einem Wurfelement ein blaues Auge. "Er sah wie ein Boxer aus, das musste genäht werden", erzählt der Trainer. Und dann sind die Kostüme der beiden auf dem Transport von Ungarn in die Schweiz aus unerfindlichen Gründen beim türkischen Zoll hängengeblieben. "Es kann viel passieren, aber so was innerhalb weniger Wochen - die Geschichte glaubt einem niemand", muss Robin Szolkowy selbst schmunzeln. Hinzu kam eine ungünstige Startnummer, als Zweite hinter Savchenko/Massot. "In so einem starken Feld ist das schwierig. Das ist eine ganz andere Liga", erklärt der 38-Jährige, dessen neues Paar ihm zum Training in den vergangenen Wochen immer nachgereist ist - nach Moskau und in die Schweiz. "Wenn ich beim Grand Prix unterwegs bin, dann gehen die beiden nach Oberstdorf zu Daniel und Maylin Wende." Das Ziel ist, dass sich mal ein ungarisches Paar international etabliert - angestrebt wird eine Top-10-Platzierung bei einer EM und bei der WM der Finaleinzug. "Wo dann die Reise aufhört, will ich gar nicht sagen."

Nach der Nebelhorn-Trophy hat sich Robin Szolkowy erstmal eine Woche Auszeit mit Ehefrau Romy und Sohn Henry (2) in der Schweiz gegönnt. Dann geht"s nach Moskau, wo sein russisches Paar beim Rostelekom-Cup (20. bis 22. Oktober) antritt. Bei den Grand-Prix-Wettbewerben gehen sich die WM-Medaillengewinner bewusst aus dem Weg. Sie treffen frühestens Anfang Dezember beim Finale in Nagoya aufeinander - das letzte Abtasten vorm olympischen Showdown in Gangneung. Dort hofft Trainer Szolkowy in der Kiss-and-Cry-Corner auf Freudentränen für sein Paar.

Paarlauf-Nachwuchsprojekt der Deutschen Eislauf-Union soll für mehr Konkurrenz sorgen

Robin Szolkowy betreut nicht nur russische und ungarische Paare. Als Leiter des Paarlauf-Nachwuchsprojektes der Deutschen Eislauf-Union kümmert er sich seit März 2015 auch um junge Talente hierzulande. Im Rahmen dieses Projekts fand Anfang September im Erika-Heß-Eisstadion Berlin der jüngste einer ganzen Reihe von Paarlauf-Lehrgängen statt.

Die Woche in Berlin schätzt der Trainer als sehr gut ein. "Fünf Tage komprimiert - von früh um 8 bis 18 Uhr, mit Athletik, Ballett und Mentaltraining", erzählt Szolkowy. "Es war eine schöne Gruppendynamik - unter den Trainern wie unter den Sportlern.

Aljona und Bruno haben auch mitgemacht und dem Nachwuchs ein paar Stunden auf dem Eis gegeben. Damit die Kleinen jemanden haben, zu dem sie aufschauen und mit Spitzenleuten ins Gespräch kommen können."

 

Langfristiges Ziel ist die Bildung von mehr Eiskunstlauf-Paaren, denn die Spitze ist recht überschaubar. An den letzten drei Deutschen Meisterschaften nahmen im Schnitt zwei Paare teil, 2017 in Berlin gar nur eines. (tc)

 
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