Werbung/Ads
Menü
Holzauge, sei wachsam! Steffen Ziffert sieht erste Früchte der Arbeit des neuen Trainers.

Foto: K. Kummer/Picture Point

CFC-Sportvorstand: "Von der Tabelle will ich gar nichts wissen"

Steffen Ziffert über alte und neue Probleme, die Arbeit des Trainers, die Form Daniel Frahns und seine zweigleisige Planung

erschienen am 08.02.2018

Chemnitz. Durchatmen beim Chemnitzer FC nach dem 1:0-Sieg gegen Jena. Auf dem Weg zum großen Ziel Klassenerhalt in der Dritten Liga - das weiß auch Steffen Ziffert - nur ein erster kleiner Schritt. Vor der Reise zum nächsten Sechs-Punkte-Spiel beim Tabellennachbarn in Osnabrück (Anstoß: morgen, 19 Uhr) sprach Thomas Scholze mit dem CFC-Sportvorstand.

Freie Presse: Der Erfolg gegen Jena war der erste Sieg nach mehr als drei Monaten. Wie viele Steine sind von Ihrer Seele geplumpst?

Steffen Ziffert: Nach einer so langen Durststrecke war auch ich sehr erleichtert. Vor allem hat es mich aber für den Trainer und die Mannschaft gefreut, die diesen Sieg nach den vielen Rückschlägen einfach verdient hatten.

Sie haben das Spiel eine Halbzeit lang im Fanblock verfolgt - stehen die Anhänger noch hinter dem Team?

Absolut. Ich hatte einem Fanclub versprochen, die Atmosphäre auf der Südtribüne auf mich wirken zu lassen. Es war interessant und sehr emotional.

Darf man als CFC-Anhänger jetzt wieder auf die Tabelle schauen?

Ich mache es nicht. Davon will ich derzeit gar nichts wissen. Die Mannschaft muss das Selbstvertrauen von diesem Sieg mit in die nächsten Partien nehmen und weiter punkten, sollte jeden Gedanken an die Tabelle außen vor lassen.

Sehen Sie schon so etwas wie eine Handschrift von David Bergner?

Man hat gegen Jena gesehen, dass nach wie vor eine große Verunsicherung in der Mannschaft herrscht, da hat es auch der Trainer schwer, seine Ideen umzusetzen. Es ist einfach so, dass der Kopf beim Fußball die entscheidende Rolle spielt. David findet eine sehr gute Ansprache an die Jungs. Und am Samstag hat er hervorragend auf die anfänglichen Schwierigkeiten reagiert. Durch die Umstellung auf ein 4-5-1-System haben wir Zugriff auf die Jenaer, die Räume dicht bekommen. Ich denke, dass man sieht, was der Trainer mit der Mannschaft vorhat: Das A und O ist eine kompakte Defensive. Da werden die Spiele entschieden. Das war und ist unser Hauptproblem, das wird es auch in den nächsten Wochen bleiben.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Wir lassen viel zu viele Standards des Gegners zu. Aalen hatte rund 15 ruhende Bälle rund um unseren Strafraum, Jena allein in der ersten Hälfte acht Ecken. Daran müssen wir unbedingt arbeiten. Was am Samstag anders war als in den Partien zuvor: Man musste nicht bei jeder Flanke, die in die Nähe unseres Kastens kam, Angst haben, dass es gleich klingelt. Wir haben das besser verteidigt. Ein Ergebnis der letzten Trainingswoche, in der genau das sehr umfangreich geübt wurde.

Marcus Hoffmann hat sein Debüt im Abwehrzentrum gegeben. Wie sind Sie mit seiner Leistung zufrieden?

Er hat das gezeigt, was wir von ihm erwartet haben: Er soll da hinten der Mann sein, der organisiert und führt. Seine Mitspieler haben sich an seiner Seite wohlgefühlt. Dass Marcus nach seiner langen Pause noch etwas Spielverständnis fehlt, musste man einkalkulieren. Ganz nüchtern betrachtet: Wir haben zu null gespielt - das spricht für ihn.

Kurz vor Ende der Transferperiode hat der CFC Danny Breitfelder noch zum Regionalligisten Union Fürstenwalde ausgeliehen. Um Geld zu sparen?

Geld spielte dabei keine Rolle, Danny ist ja auch kein Großverdiener bei uns. Er ist mit dem Wunsch zu uns gekommen, mehr spielen zu dürfen. Nach einem Gespräch mit David Bergner war ihm klar, dass die Chancen darauf hier momentan nicht sehr groß sind. Wir hatten eine Anfrage aus Fürstenwalde - ich denke, das passt: Danny findet dort mit Matthias Maucksch einen Trainer, bei dem er die harte Schule kennenlernen wird. Wen er sich dort durchsetzt, kann das nur gut für ihn wie für uns sein. Wir planen für die Zukunft weiter mit Danny.

Tom Baumgart hat ja am Samstag gezeigt, wie wichtig Youngsters sein können.

Ja. Es hat mich besonders gefreut, dass zwei Spieler mit einer Vergangenheit im CFC-Nachwuchs das Spiel entscheiden. Florian Hansch hat stark vorgelegt, Tom perfekt getroffen. So einen Ball kann man auch auf die Tribüne jagen. Das zeigt auch, dass hier eine gute Ausbildung stattfindet und dass solche Spieler uns weiterhelfen.

Ein großes Problem hat der CFC nach dem Ausfall von Kevin Kunz jetzt auf der Torwartposition. Kommt er in dieser Saison noch einmal zurück?

Damit ist nicht zu rechnen. Für einen Torwart ist eine Schulterverletzung weitaus problematischer als für einen Feldspieler. Ich denke, dass wir für den Rest der Saison ohne Kevin Kunz planen müssen.

Umso wichtiger war es, dass Kevin-René Tittel einen so famosen Einstand feiern konnte?

Das haben ihm so wohl nur wenige zugetraut. Sogar ich war völlig überrascht, mit welcher Ruhe und Abgeklärtheit er agiert hat - unaufgeregt und komplett fehlerfrei. Er hat uns im Spiel gehalten.

Eine Nummer 1 gibt es, wer rückt als Ersatzkeeper ins Team?

Unser A-Jugend-Torwart Lucas Hiemann, er rückt in den Profikader auf, wird bei den Spielen als Nummer 2 auf der Bank sitzen. Lucas ist 18 Jahre alt und noch Schüler, aber mit Unterstützung des Sportgymnasiums bekommen wir das hin.

Einen erfahrenen Mann zu holen, war nicht möglich?

Nein, nach Ende der Wintertransferperiode darf anders als im Sommer kein Spieler mehr verpflichtet werden, auch kein vertragsloser. Und es gibt auch keinerlei Ausnahme. Wir könnten einen arbeitslosen Torhüter für das Training holen, spielen dürfte er nicht.

Auf die Mannschaft wartet jetzt die Aufgabe in Osnabrück - dem VfL geht es derzeit auch nicht so gut. Was erwarten Sie von diesem Match?

Freitagabend unter Flutlicht - es wird eine spezielle, für uns eine schwere Partie. Ich glaube aber, dass der größere Druck erst einmal auf den Gastgebern liegt. Wir müssen stabil auftreten, das Spiel so lange wie möglich offen halten, vor allem den Gegner nicht durch eigene Fehler aufbauen. Wenn das Publikum unruhig wird, überträgt sich das auf die Heimmannschaft. Wir fahren mit dem Ziel eines Punktgewinns hin, wenn wir es aber soweit schaffen, ist hintenraus vielleicht sogar noch mehr möglich.

Daniel Frahn ist nach seinem verschossenen Elfmeter in Zwickau, für den er viel Kritik einstecken musste, mehr oder weniger abgetaucht. Was ist mit dem Toptorjäger los?

Ich weiß es nicht. Gegen Jena ist ihm nicht viel gelungen, er wirkte wie ein Fremdkörper - wenngleich man es als Einwechsler immer schwerhat. Er war davor auch ein paar Tage krank, konnte nicht trainieren. Trotzdem sollte ein Mann mit seiner Erfahrung mehr Ruhe mitbringen. Aber das weiß Daniel alles selbst. Ich hoffe, dass er bald wieder an alte Form anknüpfen kann. Wir brauchen ihn noch, wir brauchen seine Tore.

Jamil Dem ist zurück in Chemnitz - bald auch zurück auf dem Platz?

Da kann ich keine Prognose abgeben. Jeder Arzt oder Physiotherapeut sagt, dass nach so langer Zeit jede Verletzung ausgeheilt sein müsste. Warum es bei Jamil anders ist, stellt uns alle vor ein Rätsel.

Reden Sie mit den Spielern auch schon über die Regionalliga? Oder verbietet sich das mitten im Kampf um den Klassenerhalt?

Nein, in unserer Situation müssen wir zweigleisig planen. Alles andere wäre blauäugig. Ich habe darüber bereits mit einem Großteil der Mannschaft gesprochen. Es geht vor allem um die jungen Spieler, die in so einer Liga das Gerüst des Teams bilden sollten. Sie wissen von unserem Interesse; es ist aber völlig legitim, dass sie erst einmal abwarten und auch ihre Chancen checken. Der Erste, der seinen Vertrag für die Dritte und auch die Regionalliga verlängert, wird wahrscheinlich Alexander Dartsch sein. Der eine oder andere wird folgen - da bin ich durchaus optimistisch.

Das 28. Duell

Fehlen werden in Osnabrück die nach ihren Verletzungen noch nicht wieder fitten Florian Trinks, Maurice Trapp und Marc Endres. Der Kapitän hat sich zudem wegen eines Magen-Darm-Infekts erkrankt abgemeldet.

27-mal trafen beide Vereine bereits aufeinander, neun CFC-Siegen stehen 13 Erfolge des VfL und fünf Remis gegenüber. Der wichtigste Erfolg der Himmelblauen war der im Frühjahr 1999, als nach einem 0:1 an der Bremer Brücke mit einem 2:0-Heimsieg im Rückspiel der Aufstiegsrunde der Sprung in die 2. Bundesliga gelang.

Vor dem morgigen Match warnt David Bergner vor allem vor den erfahrenen VfL-Stürmern Marcos Alvarez und Marc Heider sowie dem schnellen Umschaltspiel der Niedersachsen. Auch die Zuschauer könnten ein Faktor werden, glaubt der CFC-Trainer.

Trainieren konnten die Chemnitzer Profis in dieser Woche nur auf Kunstrasen. "Das ist schon ein Nachteil", sagt Bergner, "wir haben die Einheiten kurz und kompakt gehalten." (ts)

Voraussichtliche Aufstellung des CFC: Tittel - Dartsch, Scheffel, Hoffmann, Sumusalo - Hansch, Reinhardt, Grote, Baumgart - Slavov, Kluft.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

Lesen Sie auch

Bildergalerien
  • 19.02.2018
Härtelpress
Notfall - Rettungshubschrauber landet auf Chemnitzer Markt

Wegen eines Notfalls ist ein Rettungshubschrauber am Montagvormittag auf dem Chemnitzer Marktplatz gelandet. ... Galerie anschauen

 
  • 19.02.2018
Jens-Ulrich Koch
Wie werde ich Physiklaborant/in?

Jena (dpa/tmn) - Christian Klose und die Physik - das war eine Jugendliebe. Schon zur Schulzeit hatte er ein eigenes Teleskop, und nicht nur das: «Ich habe auch viel mit elektrischen Schaltungen herumgespielt und gelötet», erzählt der 20-Jährige. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 17.02.2018
Haertelpress
Bilder der Partie Chemnitz - Unterhaching

Der Chemnitzer FC kann in der 3. Fußball-Liga in Sachen Klassenerhalt wieder hoffen. Das Team von Cheftrainer David Bergner bezwang am Samstag zu Hause die Spielvereinigung Unterhaching 2:1. ... Galerie anschauen

 
  • 17.02.2018
Bernd Thissen
Bilder des Tages (17.02.2018)

Night of the Jumps in Berlin, Vorhang, Tiefpunkt, Schrecksekunde, Fan-Outfit, Verticalmarathon, Nach dem Massaker ... ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm