Chemnitzer FC: Eine Zitterpartie bis zum Schluss

Absturz oder Aufatmen: Heute gibt der CFC die nachgebesserten Unterlagen für die Erteilung der Drittligalizenz beim DFB ab.

Chemnitz.

15.30 Uhr muss die letzte E-Mail verschickt sein. Dann endet heute die Frist für die Einreichung der Unterlagen, mit denen der Chemnitzer FC die Auflagen des DFB für die Erteilung der Drittligalizenz für die neue Spielzeit erfüllen will. Ein Wirtschaftsprüfer hat zuvor alle Papiere bestätigt. Freie Presse beleuchtet, wie die Chancen auf grünes Licht für die Himmelblauen stehen.

Welche Auflagen hat der DFB dem CFC für die Erteilung der Lizenz erteilt?

Die Nachricht vom 24. April war ein Hammerschlag: Zum vom Chemnitzer FC eingereichten Etat für die Drittligasaison 2017/18 in Höhe von 7,5 Millionen Euro forderte der Verband zusätzliche Nachweise über einen Betrag von 4,6 Millionen Euro. Dem seit März für die Finanzen hauptsächlich verantwortlichen Clubvorstand Stefan Bohne war sofort klar: "Eine Mammutaufgabe".

Wie wollte er die bewältigen?

"Wir brauchen Einnahmesteigerungen in allen Bereichen", sagte Bohne. Das geht über die Gewinnung neuer Mitglieder, Sponsoring, zusätzliche Spiele. "Wir brauchen aber auch Darlehen, die wir dem DFB vertraglich nachweisen können. Und wir müssen weiter sparen", so erklärte der 43-Jährige weiter.

Wo wird gespart?

Zuerst einmal am Etat der Mannschaft. Der reduziert sich von 3,5 Millionen Euro in der abgelaufenen Saison auf knapp drei Millionen Euro. Dieser Posten war aber bereits im ursprünglich eingereichten Lizenzierungsantrag so vorhanden, bringt also keinen zusätzlichen Spareffekt. Zwei Mitarbeitern der Geschäftsstelle wurde gekündigt.

Welche zusätzlichen Einnahmen gibt es?

115.000 Euro, die nicht in der Kalkulation vorhanden waren, sind für den Sachsenpokalsieger durch die Teilnahme an der ersten Runde des DFB-Pokals garantiert. Diese Summe steht in den Unterlagen. Höhere Einnahmen sind - falls der CFC einen attraktiven Gegner aus dem Lostopf fischt oder die zweite Runde erreicht - möglich, aber nicht sicher.

Welche Zwischenbescheide gibt es?

Stefan Bohne und Lars Schauer von der mit der Aufbereitung der Zahlen beauftragten Firma Logsol waren am 22. Mai schon einmal in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main zu Gast, erläuterten die Hintergründe des Widerspruchs des Vereins gegen die Nichtanerkennung der eingereichten Beschwerden. Das Ergebnis: Der DFB erließ dem CFC von der ursprünglichen Forderung rund 800.000 Euro, forderte "nur noch" zusätzliche Nachweise über 3,797 Millionen Euro. Noch nicht berücksichtigt sind die vom Chemnitzer Stadtrat am 3. Mai noch einmal bestätigten 1,26 Millionen Euro, die die Stadt dem Club für den Verkauf des Erbbaurechts gezahlt hat.

Welche Differenz bleibt?

Nach Abzug der Punkte Pokal und städtische Zahlung noch knapp 2,5 Millionen Euro.

Wie ist diese Lücke zu schließen?

Indem ausgehandelte, aber im April noch nicht unterschriebene Sponsorenverträge besiegelt und dem DFB nun vorgelegt werden. Eine wahrscheinlich mittlere sechsstellige Summe, für die es jetzt noch keine Sponsorenverträge gibt, bleibt offen. Aber: Vermarkter Infront gibt eine Vermarktungsprognose ab, die üblicherweise beim DFB eine hohe Anerkennung findet. Nach den Ergebnissen der letzten Jahre sind für die kommende Saison 4,0 Millionen Euro prognostiziert. Erkennt der DFB diese Summe an, stehen die Chancen auf die Erteilung der Lizenz gut - ein Knackpunkt.

Sind das Stadion betreffende Verträge - Betrieb, Catering, Sicherheit - nachverhandelt worden?

Alle für das Lizenzierungsverfahren wichtigen Hebel seien in Bewegung gesetzt, heißt es vom CFC. Inwiefern der DFB mit den neuen Vereinbarungen einverstanden sein wird, ist offen. Ein weiterer entscheidender Punkt, der den Club am Ende die Lizenz kosten kann.

Warum ist das Lizenzierungsverfahren in diesem Jahr so hart?

Was speziell den CFC betrifft, weil er in der jüngeren Vergangenheit beim DFB viel Vertrauen und Reputation verspielt hat, die eingereichten Lizenzunterlagen in den letzten Jahren so manche "Mondzahl" enthielten. Und: Weil mit dem FSV Frankfurt und dem VfR Aalen in der abgelaufenen Spielzeit zwei Vereine Insolvenz anmelden mussten, schaut der Verband in diesem Frühjahr grundsätzlich bei allen genauer hin. Der CFC ist nicht der einzige Wackelkandidat. Auch Zwickau, Erfurt, Rostock, Osnabrück, der erwähnte VfR Aalen, der mögliche Nachrücker SC Paderborn und sogar die Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC und 1860 München bangen um die Lizenz.

Wann ist mit einer Entscheidung aus Frankfurt zu rechnen?

Innerhalb von zwei Wochen bis spätestens Mitte Juni.

Gibt es bei einer Lizenzverweigerung noch Einspruchsmöglichkeiten für die Vereine?

Ja. Der CFC könnte vor den Zulassungsbeschwerdeausschuss ziehen, seine Argumente noch einmal vor Ort erläutern. Die Erfolgsaussichten wären eher mäßig.

Ist die Besetzung der Trainerstelle und die Zusammensetzung der Mannschaft von der Erteilung der Lizenz abhängig?

Logisch. Sportvorstand Steffen Ziffert sitzt in den Startlöchern, wird nach einer Erteilung der Lizenz sehr schnell den neuen Coach und auch Zugänge präsentieren. Vorher ergäbe das auch wenig Sinn. Im Fall eines Absturzes in die Regionalliga steht ein kompletter Neuaufbau bevor.

Mit welchen Gefühlen warten die CFC-Fans in den nächsten Tagen auf Nachrichten aus Frankfurt?

Sie müssen zittern. Die Chancen auf die Erteilung der Lizenz werden von Insidern mit "um die 30 Prozent" oder "die Hoffnung stirbt zuletzt" angegeben. Besonders zuversichtlich klingt das nicht.

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