Liga-Aus mit viel Applaus

Das 1:1 im letzten Drittligaspiel für den Chemnitzer FC gegen Rostock war nur eine Randnotiz. Neun Abgänge stehen fest, darunter gestandene Profis wie Julius Reinhardt, Kapitän Marc Endres und Keeper Kevin Kunz.

Chemnitz.

Abschied ist ein bisschen wie sterben, hat einst Katja Ebstein gesungen. Doch von tiefer Trauer war am Samstag in der community4you-Arena an der Gellertstraße kaum etwas zu spüren, obwohl der Chemnitzer FC nach den 90 Minuten unter das Kapitel 3. Fußball-Liga vorerst einen dicken Strich zog. Ab kommende Saison muss der Club in der Regionalliga viel kleinere Brötchen backen. Immerhin gelang zum Saisonkehraus vor 9197 Zuschauern ein 1:1 gegen Rostock. Allerdings sah es lange nach einem Sieg für die Hanseaten aus, für die es in der Begegnung sportlich um nichts mehr ging. Erst in der Nachspielzeit konnten die Gastgeber durch Myroslav Slavov ausgleichen.

Bereits vor dem Anpfiff wurde es im Stadion emotional, als der CFC Spieler verabschiedete, die den Verein verlassen. So standen Emanuel Mbende, Marc Endres, Julius Reinhardt, Björn Kluft und Okan Aydin gemeinsam in einer Reihe mit Jan Koch, Kevin Kunz, Mikko Sumusalo und Kevin Tittel. Wohin die Wege der Spieler führen, ist zum Teil ungewiss. Oder die Profis wollen die Verkündung ihren neuen Arbeitgebern überlassen. Kapitän Endres soll bereits bei Drittligist SpVgg Unterhaching unterschrieben haben. Offen ist, ob das Stürmerduo Daniel Frahn und Myroslav Slavov bleibt. Frahn erklärte nach der Partie gegenüber dem MDR: "Klar muss ich meine Taler verdienen. Es wäre ja gelogen, wenn ich jetzt sagen würde, dass es nicht darum geht und ich hier umsonst spiele", meinte der 13-Tore-Angreifer und ergänzte: "Ich habe jetzt ein gewisses Alter, wo ich gucken muss, wie ich meine Familie ernähren kann. Trotz alledem fühle ich mich aber pudelwohl in Chemnitz. Wenn ich hier eine erneute Unterschrift setze, dann bestimmt nicht wegen des Geldes." Sturmkollege Slavov, der in dieser Saison zwölf Tore für den CFC markierte, konnte oder wollte sich ebenso noch nicht konkret über die Zukunft äußern. "Ich bin derzeit mit dem CFC, aber auch mit anderen Clubs in Gesprächen. Ich muss abwägen, was für mich das beste Paket ist", sagte Slavov.

Das letzte Spiel in der 3. Liga für den CFC war ein Spiegelbild der Saison. Endres legte den Ball mit einem groben Schnitzer quasi für den Gegner auf. So konnte Pascal Breier mühelos das Spielgerät versenken. Die Gastgeber waren im Anschluss bemüht, den Ausgleich zu markieren. Aber wie in vielen Spielen zuvor, kam der finale Pass im gegnerischen Strafraum einfach nicht an oder Frahn scheiterte im Abschluss. Da auch die Hansa-Kogge nur mit wenigen Knoten über das Spielfeld schipperte, ging es bis zur Pause recht übersichtlich zu. Den Fans beider Lager war es jedoch offenbar egal, dass auf dem Rasen bei weitem nicht alles funktionierte. Sie sorgten für eine Stimmung, als würde es aus sportlicher Sicht noch um hochkarätige Dinge gehen.

Nach der Pause blieb Rostock nach vorn nicht untätig, ohne dabei die ganz hohe Taktzahl anzuschlagen. "Hansa hat den Sack nicht zugemacht und uns am Leben gelassen", wertete CFC-Chefcoach David Bergner. Glück hatte der CFC in der 86. Minute, als Tittel in seinem letzten Spiel für die Himmelblauen gegen Tim Väyrynen das 0:2 verhinderte. Als bereits die Nachspielzeit lief, klappte es dann doch noch mit dem Ausgleich. "Ich habe vorher kurz auf die Uhr geschaut und wusste, dass es nicht mehr lange gehen kann. Deshalb habe ich einfach mal drauf gehauen", erklärte Slavov. "Dass wir wieder durch einen Patzer zeitig in Rückstand geraten, war bezeichnend für die Saison." Sollte Slavov nun den CFC verlassen, wäre das zwar nicht wie sterben - aber sicherlich schmerzlich.

Kapitän verlässt das sinkende CFC-Schiff - Marc Endres: "Brauche Tapetenwechsel" 

Kapitän Marc Endres zählt zu den Spielern, die den CFC verlassen werden. Knut Berger sprach mit dem 27-jährigen Innenverteidiger. 

Freie Presse: Stimmt Sie das Remis zum Saisonfinale zufrieden?

Marc Endres: Nein. Es tut mir leid für die Mannschaft, dass ich mich mit einem solchen Fehler verabschiede. Die ersten paar Minuten war ich gefühlt noch mit dem Blumenstrauß auf dem Feld, den es zur Verabschiedung gab. Zum Glück haben wir noch den Ausgleich erzielt. Aber meine Aktion hat irgendwie die gesamte Saison widergespiegelt. Von solchen Szenen hatten wir leider zu viele.

Sie spielten seit Sommer 2014 in Chemnitz. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Insgesamt war es unterm Strich eine sehr schöne Zeit, ich habe Top-Persönlichkeiten kennengelernt. Für mich war es fußballerisch eine wichtige Zeit, auch wenn für das Team nicht alles rosig lief. Ich konnte als Person reifen und danke allen, die mit mir gearbeitet haben. Dazu gehören durch die Bank alle Trainer, die auf mich gesetzt haben. Doch jetzt brauche ich als Mensch und Sportler einfach einen Tapetenwechsel.

Wohin führt Sie nun der Weg?

Es steht fest, dass ich wechseln werde. Ich will aber jetzt nicht einen Namen raushauen, ohne dass es mit meinem neuen Verein abgesprochen ist. Fakt ist, dass ich weiter in der 3. Liga spielen werde.

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