Rentsch verabschiedet sich mit "riesengroßem Dankeschön"

Das Saisonhalali der BSV-Damen in der 2. Handball-Bundesliga ist auch das letzte Spiel mit Trainer Norman Rentsch an der Seitenlinie. Er wechselt zum HC Leipzig.

HC Leipzig gegen BSV Sachsen Zwickau. Diese fiktive Ansetzung in der Handball-Bundesliga der Frauen könnte Norman Rentsch in eine Zwickmühle bringen. Als Trainer der Messestädterinnen würde er auf seinen alten Verein, seine alte Liebe, treffen.

Sicher, dieses Duell ist Zukunftsmusik, weil Zwickau in der 2. Liga spielt, aber es ist auch nicht ausgeschlossen. "Warum nicht", sagt der scheidende BSV-Coach zum Thema Aufstieg. "Andere kleine Städte wie zum Beispiel Buxtehude zeigen, dass es möglich ist. Wenn alle Zähne ineinandergreifen und die Stadt Zwickau begreift, welches Aushängeschild der BSV Sachsen ist, dann ist das durchaus realistisch."

Ein verbaler Treffer aus dem Rückraum, wo er früher zu aktiven Zeiten (USV Cottbus, Dessauer HV, EHV Aue) spielte. Realität ist aber auch, dass Norman Rentsch am 1. Juli seinen Job als Cheftrainer beim Branchenkrösus HC Leipzig antritt. Morgen betreut er die BSV-Frauen zum vorerst letzten Mal in einem Zweitligapunktspiel. Gegner ist ab 18 Uhr der BVB Dortmund. Das Team aus dem Ruhrpott ist Vierter, Zwickau Fünfter, und an dieser Tabellenkonstellation wird der Ausgang der Partie auch nichts ändern. "Diese Platzierung hätte ich vor der Saison sofort unterschrieben", sagt der Mann, für den Emotionen in seinem Job eine "sehr, sehr große Rolle" spielen.

Vertrauen in Zwickau

Spannend wird deshalb sein, ob Norman Rentsch sie morgen beim Abschied in den Griff bekommt? Vielleicht fließen ein paar Tränen? "Das weiß ich nicht. Fakt ist aber, dass ich hier beim BSV vom Physiotherapeuten bis zum Präsidenten viele tolle Menschen kennengelernt habe. Die Vertrauensbasis war sehr hoch. Dafür ein riesengroßes Dankeschön", meint der 34-Jährige. Gern lassen sie ihn in Zwickau nicht ziehen, brachte er konzeptionell doch viele, bis in den Nachwuchs reichende Ideen mit. Zuletzt betreute er die erfolgreiche C-Jugend des Vereins mit.

Wohlfühlen in Bockau

Gekommen war der gebürtige Frankfurter (Oder) im Mai 2011 als sportlicher Leiter. Bereits Ende des Jahres löste er Steffen Wohlrab, der damals mit der Mannschaft auf Platz zehn stand, als Trainer ab. Letztlich sprang für den BSV Rang neun heraus. Ein Jahr später wurde das Team Achter. Nach der aktuellen Serie - ab Juni 2013 arbeitete Rentsch hauptamtlich für den Verein - wird es wie erwähnt Platz fünf sein. "Wir haben die ganze Saison mit neun Feldspielerinnen absolviert und kurz vor dem Start ist mit Nele Kurzke, die klare Nummer eins im Tor, verletzt ausgefallen", schaut Norman Rentsch zurück. Es ist durchaus ein stolzer Blick: "Ich zolle den Mädels Riesenrespekt, denn wir haben nicht die Macht aus dem Rückraum und auf keiner Position die absolute Spitzenwerferin. Aber wir haben als Mannschaft, in der jeder Verantwortung übernommen hat, funktioniert."

Eine etwas anders gelagerte Verantwortung trägt der gelernte Bankkaufmann als Vater des einjährigen Ole und dessen Bruder Willem, der im September sechs Jahre alt wird. Die Familie wohnt im erzgebirgischen Bockau, wo sie sich wohlfühlt und Ehefrau Denise den Laden schmeißt: "Ich habe das Glück, dass meine Frau sehr, sehr tolerant ist. Sie weiß ganz genau, wie sehr mir der Handball am Herzen liegt. Sie hat die Entscheidung für Leipzig mitgetragen", erzählt Norman Rentsch, der zwischen der "großen Stadt" und seinem Wohnort pendeln wird. "Zu Hause kann ich auch mal abschalten."

Erfolgsdruck in Leipzig

Einen Rückzugsort wird der ehrgeizige Schwarzschopf, der beim mehrfachen deutschen Meister einen Zweijahresvertrag erhalten hat und auf fünf dänische Trainer folgt, benötigen. Denn über eines ist sich Norman Rentsch klar: "In diesem Job und bei so einem großen Verein bekommst du nicht viel Zeit. Du solltest schnellstmöglich Erfolg haben", sagt er. Erreichen will er das mit kreativem, dynamischem, intelligentem, aber auch klar strukturiertem Handball, der mit einer "gewissen Härte" gepaart ist. Und natürlich gehören Emotionen dazu.

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