Rico Benatelli: Bochum wollte mich im Sommer nicht haben

Neun Jahre lang trug Aues Neuzugang das Trikot des VfL, der in der 2. Fußball-Bundesliga morgen im Erzgebirge gastiert und schlechte Erinnerungen an den Oktober 2012 hat.

Aue.

Aufregung vor dem morgigen Heimspiel der Veilchen verspürt Rico Benatelli nicht. "Dafür bin ich zu lange vom VfL weg", sagt der 21-Jährige: "Aber natürlich ist dieses Duell für mich etwas Besonderes. Bochum ist meine Heimatstadt. Hier bin ich geboren, hier wohnen meine Eltern." Von der F2- bis zur B-Jugend trug der offensive Mittelfeldspieler das Trikot des VfL Bochum, für den Vater Frank Benatelli von 1983 bis 1992 192 Einsätze in der Bundesliga bestritt.

Die Karriere seines Papas konnte der am 17. März 1992 geborene Rico nicht mehr mitverfolgen. Umgekehrt aber gibt es Woche für Woche wertvolle Tipps von Frank Benatelli, der nicht im Sparkassen-Erzgebirgsstadion auf der Tribüne sitzen wird, wenn morgen um 13.00 Uhr der Anpfiff ertönt. "Er hat nicht nur als Trainer viel zu tun, sondern arbeitet auch als Scout für den VfL Wolfsburg und ist vor allem am Wochenende viel unterwegs", erklärt Rico Benatelli. Seit seinem achten Lebensjahr spielte er für den VfL. Im Sommer 2008 wechselte er in die Nachwuchsabteilung von Borussia Dortmund. Von dort lockte ihn Aues Trainer Falko Götz im Sommer ins Erzgebirge.

"Die Umstellung war riesig, zum ersten Mal war ich richtig weit von zu Hause weg", erzählt Benatelli. Auch der sportliche Erfolg ließ zunächst auf sich warten. Statt wie erhofft in der zweiten Liga, kickte er zunächst mit der U 23 des FCE in der Oberliga. "Ich habe nie aufgegeben und immer weiter hart gearbeitet", betont Benatelli, der am 8. Spieltag für seine Geduld belohnt wurde. Beim 1:3 in München stand er erstmals in der Anfangself. Sein großer Auftritt folgte eine Woche später. Beim 3:0-Heimsieg gegen Aufsteiger Karlsruhe lenkte er nicht nur das Spiel und bediente die Kollegen mit klugen Pässen, sondern er traf auch selbst. "Dass ich in dieser Partie auch noch mit meinem ersten Zweitligator belohnt wurde, war ein unbeschreibliches Gefühl", erinnert sich Benatelli gern an den 27. September.

"Wir wissen, dass wir mit ihm ein Riesentalent haben", wertet Trainer Götz: "Rico hat sich inzwischen an unser Training gewöhnt, an die höheren Anforderungen und das körperbetonte Spiel in der zweiten Liga. Deswegen ist er in der Lage, solche Leistungen zu bringen." Der Fußball-Lehrer freut sich über seinen "Rohdiamanten", der im Sommer auch mit Bochum verhandelt hatte.

"Es war eine Anfrage da, und ich wäre auch gern zum VfL gewechselt. Doch dann hatten die Verantwortlichen andere Pläne", berichtet Benatelli. Gut möglich, dass morgen also eine Portion Wut im Bauch mitspielt, auch wenn der 21-Jährige betont, dass ihn nicht mehr viel mit dem Ex-Verein verbindet. "Ich habe mich als Fußballer beim VfL gut entwickelt und viele nette Leute kennengelernt. Mit einigen stehe ich noch heute in Kontakt. Aber aus der jetzigen Mannschaft kenne ich keinen mehr. Das Thema ist abgehakt."

Mit drei Niederlagen in Folge im Gepäck kommt die Elf von Trainer Peter Neururer nach Aue. Die Verunsicherung dürfte bei den Gästen ähnlich groß sein wie im vergangenen Oktober. Vor fast genau einem Jahr erlebten die Zuschauer einen denkwürdigen Fußballnachmittag. Bei dichtem Schneetreiben fegte der FCE die Bochumer mit 6:1 vom Platz. Benatelli erwartet dieses Mal einen offenen und spannenden Schlagabtausch. "Beide Teams wollen gewinnen und werden sich entsprechend offensiv präsentieren", blickt er voraus. Während die Veilchen-Fans sich immer wieder gern an den 27. Oktober 2012 erinnern, berührt der zweithöchste Sieg in der Auer Zweitligageschichte die Spieler kaum noch. "Das 6:1 war in den vergangenen Tagen in der Kabine kein Thema. Am Samstag geht es von Null los, und wir müssen kräftig Gas geben. Denn die drei Punkte sollen in Aue bleiben", betont Benatelli.

Voraussichtliche Aufstellung

Aue: Kirschstein - Müller, Klingbeil, Rau, Miatke - Schröder, Fink - Könnecke, Benatelli, Kocer - Sylvestr.

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