Schwere Hypothek nach schlechtem Start

Mit dem Heimspiel gegen Erstligaabsteiger Nürnberg startet der FC Erzgebirge am Mittwoch in die Rückrunde der 2. Fußball-Bundesliga. Die erste Hälfte der Saison verlief enttäuschend.

Aue.

"Leidenschaft, Spielqualität, Kampf, Herz, Willen und mannschaftliche Geschlossenheit" will Aues Trainer Tomislav Stipic am Mittwoch (Anstoß 17.30 Uhr) von seiner Mannschaft sehen, die zum Auftakt der Rückrunde mit dem wiedererstarkten 1. FC Nürnberg (drei Siege in den letzten vier Partien) einen dicken Brocken vorgesetzt bekommt.

Viel Zeit, die erste Hälfte der Saison aufzuarbeiten, ist den Erzgebirgern nicht geblieben. In der Tabelle liegt der Verein punktgleich mit Schlusslicht St. Pauli auf Rang 17. 13 Zähler wurden aus den bisherigen 17 Partien erkämpft - das ist neuer Minusrekord. Selbst im Abstiegsjahr 2007/08 hatte der FCE nach Ende der Hinrunde drei Zähler mehr auf der Habenseite. "Freie Presse" nennt einige Gründe für das bislang enttäuschende Abschneiden.

Katastrophaler Saisonstart: Fünf Niederlagen und 1:12 Tore standen nach den ersten fünf Spieltagen zu Buche. Diese schwere Hypothek schleppt der FCE seit Mitte September mit sich herum. Der erste Saisonsieg gelang am 19. September beim 3:0 gegen den FC St. Pauli. Es folgte ein Zwischenhoch mit elf Punkten aus sechs Partien. Ende Oktober scheiterte die Stipic-Elf trotz eines couragierten Auftritts im DFB- Pokal. Sie unterlag RB Leipzig unglücklich mit 1:3 nach Verlängerung. Danach bekamen die Veilchen nicht mehr viel auf die Reihe. Der letzte Dreier stammt vom 19. Oktober (4:1 gegen 1860 München). Seitdem stehen drei Remis und vier Niederlagen in der Bilanz. In der Tabelle ging es für die sieglosen Auer zurück auf die Abstiegsplätze.

Falsche Zusammenstellung des Kaders: Zu alt, zu klein, zu langsam, zu ungefährlich - so lässt sich die im Sommer von Trainer Falko Götz und Sportvorstand Jens Stopp zusammengestellte Mannschaft in aller Kürze beschreiben. Die Verkäufe von Guido Kocer und Torjäger Jakub Sylvestr füllten zwar kräftig die Vereinskasse, doch ein Großteil des Transfererlöses (2,3 Millionen Euro) wanderte in den Bau eines neuen, beheizbaren Rasentrainingsplatzes. 350.000 Euro wurden für Henri Anier vom FC Motherwell ausgegeben - eine Fehlinvestition. Der Este, der den 15-fachen Saisontorschützen Sylvestr ersetzen sollte, stand bei seinen sechs Einsätzen für Aue nicht einmal über 90 Minuten auf dem Platz und erzielte nicht einen einzigen Treffer. Stipic zweifelt inzwischen an den Qualitäten des harmlosen Torjägers - seit dem 0:1 in Karlsruhe, wo Anier nach 28 Minuten ausgewechselt wurde, schaffte es der Angreifer nicht einmal mehr ins erweiterte Aufgebot. Stürmer mit Zweitligaformat sucht man im FCE-Kader vergebens. Und sie werden in Anbetracht der Tabellensituation in der Winterpause nur schwer nach Aue zu locken sein.

Heim- und Auswärtsschwäche: Jahrelang stand Erzgebirge Aue für Heimstärke - damit ist es längst vorbei. Vier Niederlagen hat der FCE in dieser Saison schon kassiert und im Erzgebirgsstadion magere zehn von möglichen 24 Punkten erkämpft. Auswärts präsentieren sich die Mannen um Kapitän René Klingbeil seit Monaten wie ein Absteiger. Nur drei Zähler holte das Team aus neun Partien - das ist mit St. Pauli (bei einem Spiel weniger) die schlechteste Bilanz aller 18 Teams im Unterhaus. Der letzte Dreier gelang den Veilchen am 21. Februar beim 3:2 in Cottbus. Die Auswärtsschwäche bekommen die Auer Trainer einfach nicht in den Griff. Schon mit den Stipic-Vorgängern Götz und Karsten Baumann an der Seitenlinie, waren die Erzgebirger gern gesehene Gäste und lieferten in fremden Stadien zumeist brav ihre Punkte ab.

Der Ausblick: "Um etwas abzustellen, muss man die Ursachen kennen", sagt Stipic. Der Kroate, der seit dem 9. September als Cheftrainer fungiert, hat die Mannschaft inzwischen gut genug kennengelernt, um in der bevorstehenden Winterpause die notwendigen Korrekturen vornehmen zu können. Präsident Helge Leonhardt hat nach dem Heidenheim-Spiel am Freitagabend "ein bis zwei Verstärkungen" angekündigt. Er ist bereit, "dafür sogar ein überschaubares finanzielles Risiko" einzugehen. Zunächst kann es für die Auer aber nur darum gehen, im morgigen Heimspiel gegen Nürnberg und am Sonntag beim VfL Bochum ordentlich zu punkten, damit das rettende Ufer im neuen Jahr noch in Reichweite ist.

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