Skiweltcup in Dresden: Am Elbufer in den Startlöchern

Es ist angerichtet für ein Skilanglauffest in Dresden. Die Strecke wurde von 1,4 auf 1,2 Kilometer verkürzt und sollte mit weiterem Schnee aus dem Erzgebirge angereichert werden. Richard Leupold erlebt beim Weltcup eine doppelte Premiere.

Dresden.

Irgendwann ist immer das erste Mal: Für Dresden und einen Skilanglauf-Weltcup trifft das am Samstag (Einzel) und am Sonntag (Team) bei den Sprintwettbewerben im freien Stil zu. Und für Richard Leupold war es schon am Freitag soweit. Der 20-Jährige absolvierte die erste Pressekonferenz seines Lebens, saß im Bellevue-Hotel neben der besten deutschen Langlaufsprinterin Sandra Ringwald auf dem Podium und schlug sich trotz Nervosität ganz gut im Scheinwerferlicht der Kameras. "Für mich ist es schon ein Wahnsinnsgefühl, zum ersten Mal überhaupt beim Weltcup zu starten. Und dann passiert das noch in meiner Heimatstadt", schwärmte Leupold, der beim Skiverein in Dresden- Niedersedlitz groß wurde und seit 2010 am Bundesstützpunkt in Oberwiesenthal trainiert. Am Fichtelberg übt der Sachse aktuell unter den Fittichen des ehemaligen Weltklasselangläufers René Sommerfeldt.

Leupold, über 1,80 Meter groß und mit breitem Kreuz ausgestattet, bringt bereits Gardemaße mit. Zur Weltspitze in der Loipe fehlt allerdings noch ein Stück. Dass er sich erstmals mit den Besten der Welt messen darf, ist der Tatsache geschuldet, dass der Weltcupgastgeber eine nationale Gruppe stellen darf. Für Deutschland auf der Suche nach gutem Nachwuchs und für Leupold selbst eine schöne Sache: Der Freizeitbergsteiger und Hobby-DJ kann nun live erfahren, wie die Musike im Feld der weltbesten Sprinter spielt. Und die haben sich zahlreich für das Cityspektakel angekündigt. Norwegen veränderte sogar noch das Programm der nationalen Meisterschaften, sodass Topfavorit Johannes Hösflöt Kläbo am Donnerstag in Vang noch norwegischer Sprintmeister werden konnte und am Freitagabend auf dem Flughafen in Dresden landete. Nach dem Shuttletransport ins Weltcuphotel hat es der 21-jährige Saisonaufsteiger am Wochenende aber ziemlich bequem. Quasi fällt er aus dem Hotel heraus auf das Kunstschneeband am Elbufer, das sich am Freitag aufgrund der milden Temperaturen ziemlich weich und an einigen Stellen auch nicht so breit wie erhofft präsentierte. Allerdings sollten bis Samstag noch weitere Reserven an Echtschnee aus dem Erzgebirge herangekarrt werden, wie OK-Chef René Kindermann verkündete. "Durch die warme Witterung haben wir 600 Kubikmeter Kunstschnee verloren. Deshalb mussten wir die Strecke auch von 1,4 auf 1,2 Kilometer verkürzen", erklärte Kindermann, der im Hauptberuf Fernsehjournalist ist und am Freitag Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer bei dessen Stippvisite in den Wachstruck der deutschen Skilangläufer begleitete.

Die Unterstützung aus der Politik benötigen die Macher aus Dresden auch noch in den kommenden Jahren, wenn der Weltcup mit einem Budget von 1,3 Millionen Euro an der Augustusbrücke steigt. Im Wachstruck selbst spielte das Geld am Freitag eher eine untergeordnete Rolle. Mit zehn Skitechnikern sichert der Deutsche Skiverband den Heimweltcup ab. Darunter ist auch der Erzgebirger Jakob Winkler, der die Bretter von Deutschlands aussichtsreichster Starterin, Sandra Ringwald, wachst. Erfahrungswerte gibt es keine für das Gemisch aus Kunst- und richtigem Schnee, sagt Winkler. Erschwerend kommt hinzu, dass es aufgrund der beschränkten Platzmöglichkeiten keine Extra- strecke für die Skitests gibt. Das muss auf der 1,2-km-Runde bewerkstelligt werden. "Heute war es noch weich. Der Schnee ist nass und grobkörnig. Aber beim Wettkampf wird es bestimmt eine harte und schnelle Piste geben", blickte Winkler auf die kühler gemeldete Witterung voraus. Seine Schwester Anne bekommt übrigens bei den Damen eine Bewährungschance.

Die Chancen, noch auf den Olympiazug aufzuspringen, sind in Dresden allerdings nur mit der Weiterreise nach Planica am Wochenende darauf verbunden. Zumindest für die Athleten, die noch keine halbe Olympianorm (bis Platz 15) erfüllt haben. Denn in Dresden gelten verschärfte Kriterien. Ein achter Platz, der sonst das direkte Ticket nach Pyeongchang bedeutet, ist diesmal nur eine halbe Norm wert. Herren-Trainer Janko Neuber, der bisher noch keine Staffel für Olympia zusammenhat, klärt auf: "In Pyeongchang ist der Sprint klassisch und viel schwerer vom Profil her als bei einem Citysprint. Deshalb hatten wir das von vornherein so geregelt."

Für Debütant Richard Leupold spielt Olympia jetzt noch keine Rolle. Für ihn ist es ein weiter Weg in die Weltelite. Aber er weiß bereits, wie schön es sich da oben anfühlen könnte. Vor einigen Jahren stand er mit seinen Eltern und Freunden auf dem König aller Skiberge, dem 7509 Meter hohen Gipfel Muztagh Ata in China. Richard Leupold beschreibt das Erlebnis einfach als "Riesenfreude."

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