Tina Bachmann weit vom Ziel entfernt

Die Biathletin aus Sachsen kam bei den deutschen Meisterschaften nicht über hintere Plätze hinaus. Der große Traum von den Olympischen Spielen ist damit akut in Gefahr.

Chemnitz/Ruhpolding.

Bereits seit einiger Zeit lernt Tina Bachmann Russisch. "Ich brauche das für den Kopf", sagte die 27-Jährige. Gut gebrauchen könnte sie die Fremdsprache auch bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi. Dass sie im kommenden Februar ans Schwarze Meer möchte, daraus macht die Sächsin kein Hehl. Augenblicklich sieht es aber alles andere als rosig aus. "Ich bin von meinem Ziel weiter entfernt als ich jemals geglaubt habe. Warum das so ist, kann ich momentan nicht beantworten", meinte sie am Rande der offenen deutschen Meisterschaften in Ruhpolding.

Auf dem WM-Kurs von 2012, auf dem sie mit der Staffel Gold gewonnen hatte, landete Tina Bachmann am vergangenen Wochenende mit Skirollern auf den hinteren Rängen 15 (Einzel/15 km) und 18 (Massenstart/12,5 km). In beiden Disziplinen kamen in Ruhpolding jeweils zehn deutsche Skijägerinnen vor ihr ein. Damit war die zweifache Staffel-Weltmeisterin bei der Vergabe der Weltcupplätze, bei der die Ergebnisse der nationalen Titelkämpfe und der Sommerleistungskontrolle einfließen, chancenlos.

Auch IBU-Cup verpasst

Neben den gesetzten Andrea Henkel (Großbreitenbach), Miriam Gössner (Garmisch) und Laura Dahlmeier (Partenkirchen) erhielten Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkel), Franziska Preuß (Haag) und Franziska Hildebrand (Clausthal-Zellerfeld) die begehrten Fahrkarten zu den ersten drei Weltcups. Tina Bachmann verpasste sogar die Qualifikation für den IBU-Cup, der zweiten Liga, dem Sprungbrett in den Weltcup. Die Alternative heißt jetzt Deutschlandpokal, noch eine Etage tiefer.

Dieser Tage in Ruhpolding hatte die Bundespolizistin nicht mehr in die Waagschale zu werfen als ihren Kampfgeist. "Ich versuche, das Beste rauszuholen", sagte sie. Dennoch musste sie, zusätzlich gehandikapt durch eine infizierte Wunde am Fuß, einsehen, dass sie zur Zeit mit stumpfen Waffen kämpft. "Seit zwei Wochen geht gar nichts mehr. Dabei haben wir alles versucht, alles ausgeschöpft. Es ist wie eine unergründliche Tiefe, aus der ich nicht herausschauen kann", philosophierte sie. Mit bitterem Unterton in der Stimme meinte sie: "Ich muss das jetzt so hinnehmen, wie es ist."

Für die Vize-Weltmeisterin von 2011 im Einzel sind die mageren Meisterschaftsergebnisse eine weiterer Rückschlag. Anfang des Jahres hatten sie die Trainer beim Weltcup in Ruhpolding wegen schwacher Leistungen nach Hause geschickt. Die schlanke Wintersportlerin von der SG Stahl Schmiedeberg bestritt nach der Ausbootung keinen Weltcup mehr, auch die Weltmeisterschaft im tschechischen Nove Mesto fand ohne sie statt.

Weg konsequent gegangen

Nach der enttäuschenden Saison entschied sich Tina Bachmann, den heimischen Stützpunkt in Altenberg zu verlassen und ihren Trainingsmittelpunkt nach Bad Endorf an die Bundespolizeischule zu ver-legen. "Diesen Weg bin ich konsequent gegangen", erzählte sie. In Bayern trainiert sie bei Roland Biermann. Engelbert Sklorz, einst selbst ein erfolgreicher Biathlet und auch Sportschütze, kümmert sich um den richtigen Umgang mit dem Klein-kalibergewehr: "Wir haben viel, viel gearbeitet, Ich habe mich weiter-entwickelt und riesige Fortschritte beim Schießen gemacht", sagte Tina Bachmann, die vom Deutschen Skiverband (DSV) in diesem Jahr in keinen Kader berufen wurde. Trainingslehrgänge der Nationalmannschaft fanden ohne sie statt. Das tat weh. Auf ihrer Internetseite spricht sie von einem "direkten Schlag in die Magengrube" und fühlt sich aufs "Abstellgleis" geschoben.

Dass sie dort nicht hingehört, möchte Tina Bachmann beweisen, auch wenn die bitteren Niederlagen in Ruhpolding an der ehrgeizigen jungen Dame nagen: "Ich muss mir Gedanken machen, wie es in Zukunft weitergehen soll", meinte sie. Sie sagte aber auch: "Durch die Bundespolizei habe ich jeden Rückhalt, um weiterzumachen." Bleibt zu hoffen, dass sie die Flinte nicht wirklich ins Korn wirft.


Florian Graf und Simon Schempp springen auf Weltcup-Zug auf

Bei den deutschen Männern sind Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld), Andreas Birnbacher (Schleching) und Erik Lesser (Frankenhain) für den ersten Weltcup-Block im November und Dezember in Östersund, Hochfilzen und Annecy gesetzt. Darüber hinaus erhielten Florian Graf (Eppenschlag) und Simon Schempp (Uhingen) die Berufung in die erste Reihe.

Für die Athleten der Lehrgangsgruppe 1b besteht die Möglichkeit, sich über den IBU-Cup im schwedischen Idre für einen Weltcupeinsatz zu empfehlen. Zu den insgesamt acht Männern gehören u. a. Christoph Stephan (Oberhof) und Benedikt Doll (Breitnau). Bei den Damen starten vier Athletinnen in der "zweiten Liga". Darunter sind die Geschwister Nadine (Willingen) & Karolin Horchler (Clausthal-Zellerfeld) sowie Kathrin Lang (Gosheim), ehemals Hitzer. (fp)

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