Titel und Trost von Tochter Amelie

Skilangläufer Valentin Mättig überzeugte bei seinem Heimspiel am Fichtelberg mit Gold und Bronze bei den nationalen Meisterschaften.

Oberwiesenthal.

"Deutscher Meister klingt erst mal nicht schlecht, auch wenn die ganz starken Läufer nicht gestartet sind." Valentin Mättig schmunzelt, als er das in den Wachshütten am Fichtelberg erzählt. Der Skilangläufer vom WSC Oberwiesenthal fuhr seinen ersten nationalen Titel am Samstag im 10-km-Freistilrennen ein. In der Verfolgung gestern rutschte das Brett nicht so wie erhofft. Der 24-Jährige fiel über 15 km in der klassischen Technik hinter Philipp Marschall (Rhöner WSV) und Bernhard Benedikt (Hirschau) auf den Bronzerang zurück. "Ich habe mehr am Schnee geklebt, als es vorwärts ging. Wahrscheinlich habe ich mich für den falschen Ski entschieden", wirkte Mättig traurig. Nur das freudige Gesicht seiner sechsjährigen Tochter Amelie, die Papa im Ziel in die Arme nahm, tröstete ihn ein wenig. Trainer Janko Neuber sprach seinem Schützling zusätzlichen Mut zu: "So was kann passieren", erklärte der Coach und fügte an: "Solche Leute wie den ,Valle' brauchen wir hier."

Valentin Mättig hat eine interessante Vita. Er stammt aus dem Verein, aus dem auch der letzte große Weltklasse-Skilangläufer der Region, René Sommerfeldt, hervorging: vom Bertsdorfer SV im Zittauer Gebirge. Wie sein großes Vorbild wechselte Mättig im Jugendalter nach Oberwiesenthal. Während er zunächst nur ehrfürchtig zu Sommerfeldt aufschaute, entwickelte sich später eine Freundschaft zwischen Talent Mättig und seinem Idol, die sogar ein Jahr in einer Gruppe zusammen trainierten.

Im Nachwuchs lieferte sich Mättig zum Beispiel mit Tim Tscharnke so manches Duell. Während der Thüringer bisher zwei Weltcupsiege erreichte und bei WM und Olympia startete, kämpft der Sachse um den Anschluss an die Elite. Auf die Frage, an was es denn noch fehlt bis zu den Spitzenathleten in der Loipe, antwortete Mättig kess: "Zuerst mal, dass ich gegen sie antreten kann."

Dies durfte er zumindest schon mal im vergangenen Sommer, als er bei der zentralen Leistungskontrolle alle deutschen Spitzenleute im Cross und auf Skirollern ebenso schlagen konnte wie Gaststarter Alexander Legkow. Und der Russe wurde in Sotschi immerhin Olympiasieger über 50 km. Auch wenn Cross und Skiroller nicht eins zu eins auf den Skilanglauf übertragbar sind, zeigen die Ergebnisse das Potenzial von Valentin Mättig. Dass er die starken Leistungen vom Sommer zu Saisonbeginn nicht auf den Schnee brachte, um eine Chance im Weltcup zu bekommen, begründet der junge Mann so: "Ich habe keinen Sponsor. Wenn es hier keinen Schnee gibt, fehlt mir etwas in der Vorbereitung. Lehrgänge auf dem Gletscher kann ich mir nicht leisten", sagt Mättig, der lediglich vom Landesskiverband Sachsen eine Förderung erhält und sich ansonsten mit seinem Lohn von der Ausbildung bei der Landespolizei Sachsen über Wasser halten muss.

Die berufliche Absicherung ist ihm viel wert, aber sie fordert ihn auch vier Monate ab April täglich in Chemnitz bis 16 Uhr. Danach trainiert er noch. Neuber bezeichnet ihn als völlig anderen Typen als der ehemalige Vize-Weltmeister René Sommerfeldt, den er ebenso trainiert hat: "Valentin ist eher der brave, aber ein sehr fleißiger Typ. René wollte immer einen Trainer dabeistehen haben, Valentin erfüllt die Vorgaben auch allein", vergleicht Janko Neuber die beiden Langläufer. Dass Sommerfeldt seinem "Nacheiferer" gehörig unter die Arme greift, lässt sich praktisch schwer umsetzen. Denn der 40-Jährige ist als Chef der deutschen Skitechniker den ganzen Winter im Weltcup unterwegs, während Mättig im Continentalcup versucht, sich für die Eliteliga aufzudrängen. Mättig: "Aber bei der Bestellung meiner Ski hat mir René geholfen." Sein Trainer weiß, dass es im Langlauf einen langen Atem braucht, der 24-Jährige noch längst nicht die Konstanz aufweist, "auch im Kopf noch nicht. Daran müssen wir arbeiten. Valentin hat schwere Zeiten hinter sich. Das gibt ihm vielleicht zusätzlich Kraft, weil er weiß, wie es sich es da unten anfühlt", hofft Neuber, der gestern noch zusätzlich Grund zum Jubeln hatte: Katharina Hennig, ebenso vom WSC Oberwiesenthal und schon am Vortag mit Gold dekoriert, gewann erneut vor Vereinsgefährtin Julia Belger in der Damenklasse.

Die 18-jährige Hennig fand durch zwei Siege beim Continentalcup und mithilfe einer Ernährungsumstellung mental und körperlich in die Spur. Im Ziel nahm die hübsche Erzgebirgerin freudestrahlend ihren Freund in die Arme: Jacob Vogt von der SG Holzhau holte in der U-18-Klasse ebenso Doppelgold. Zu feiern gab es also einiges.

Hinweis Eine Ergebnisübersicht lesen Sie in der Dienstagausgabe.

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