Versöhnliche Töne bei Sportgala

Bei der 17. Chemmy- Verleihung versicherte das Eiskunstlauf-Paar Savchenko/Szolkowy, sich nach den jüngsten Differenzen wieder lieb zu haben. Ein Preisträger blieb der Gala fern, weil er seine Ehrung nicht nachvollziehen konnte.

Nach den öffentlich ausgetragenen Differenzen zwischen dem langjährigen Eiskunstlauf-Traumpaar Aljona Savchenko und Robin Szolkowy haben sich die Wogen offenbar wieder geglättet. Das wurde am Samstagabend während der Chemnitzer Sportgala im Autohaus Schloz & Wöllenstein deutlich. Erwartungsgemäß räumten die Seriensieger Savchenko/Szolkowy auch diesmal den Chemmy als beste städtische Mannschaft des vergangenen Jahres ab. Von Moderator René Kindermann zu ihrem augenblicklichen Verhältnis befragt, antwortete Aljona Savchenko: "Wir haben uns immer lieb." Und Robin Szolkowy ergänzte: "Natürlich haben wir uns lieb."

Bei so viel Liebe wird es auch den gemeinsamen Auftritt zur Eisshow "Imagine on Ice" am 26. April in der Chemnitz-Arena geben. "Es stand nie zur Debatte, dass wir dort nicht laufen", versicherte Szolkowy. Nachdem Aljona Savchenko beschlossen hatte, mit dem Franzosen Bruno Massot einen weiteren Anlauf Richtung Olympia-Gold zu nehmen, hatte der 34-Jährige enttäuscht reagiert und die geplanten lukrativen Show-Auftritte in Japan nach der WM abgesagt. Im Gegenzug hatten ihm seine Partnerin und Trainer Ingo Steuer angeblich vorgeworfen, sich nicht an die Abmachung gehalten zu haben, die Zukunftspläne Savchenkos erst Ende April zu verraten. "Es wird viel geredet. Und es handelt sich ja um eine Trennung, die immer mit Emotionen verbunden ist", bemühte sich Szolkowy zur Chemmy-Verleihung vor knapp 600 Besuchern um eine Erklärung.

Sportlerin des Jahres: Die erste Siegertrophäe des Abends hatte Sophie Scheder entgegengenommen. Wie bereits im Vorjahr war die Turnerin vom TuS Altendorf von den regionalen Sportjournalisten zur Chemnitzer Sportlerin des Jahres gewählt worden. Nach Auffassung ihrer Trainerin Gabi Frehse ist die 17-Jährige das größte Talent, das Chemnitz jemals hatte. Im Vorjahr war Sophie Scheder für ihre Erfolge als deutsche Turnerin des Jahres ausgezeichnet worden. "Mein nächstes Ziel ist die Europameisterschaft. Dort will ich am Stufenbarren eine Medaille holen", kündigte die Sportschülerin an. Ende März hatte sich das Ausnahmetalent bei einem Auswahl-Lehrgang im brandenburgischen Kienbaum am Fuß verletzt. In dieser Woche will die Altendorferin jedoch schon wieder ins Geräte-Training einsteigen.

Sportler des Jahres: Er ist erst 23, hat aber schon seinen sechsten Chemmy gewonnen. Auch diesmal führte kein Weg an Kugelstoßer David Storl vom LAC Erdgas vorbei. Storl hatte bei der WM in Moskau seinen Titel verteidigt und krönte sich damit zum jüngsten Doppel-Weltmeister aller Zeiten. Am Samstag konnte der bodenständige Vorzeigeathlet seine Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen, weil er sich im Trainingslager in Portugal auf die Wettkampfhöhepunkte dieses Sommers vorbereitet. "Am Mittwoch werde ich wieder in Chemnitz sein", berichtete Storl live am Telefon. Zuletzt hatte er sich mit einer Erkältung geplagt, die inzwischen jedoch abgeklungen sei. Der 23-Jährige freut sich in diesem Jahr besonders auf die deutschen Titelkämpfe Ende Juli in Ulm, bei denen es zu einem Novum kommt: Die Kugelstoßer werden ihren Wettkampf in der Innenstadt vor dem Ulmer Dom austragen.

Nachwuchssportler des Jahres: Seinen Namen konnte er sich nicht aussuchen, aber er macht das Beste draus: Bahnradsportler Max Niederlag vom Chemnitzer Polizeisportverein gewann 2013 unter anderem EM-Gold im Teamsprint der Altersklasse U 23 und wurde dafür mit dem Chemmy als bester Nachwuchsathlet belohnt. "Dieser Preis ist viel wert, denn hier in Chemnitz bin ich groß geworden und habe mich nach oben gekämpft", sagte der 20-Jährige. Die Schuld an seinem Namen müsse er seinen Eltern in die Schuhe schieben. "Doch er ist ja bei mir nicht Programm", fügte Max Niederlag augenzwinkernd hinzu. 2014 will er zunächst gut in den Weltcup starten, um später "topfit zur WM anzutreten und vorn dabei zu sein".

Lebenswerk: Wo war denn bloß der Preisträger in dieser Kategorie? Er fehlte. Als Begründung hieß es, Gerd Schädlich könne aus privaten Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Im Gespräch mit der "Freien Presse" gab der ehemalige CFC-Trainer gestern zu, dass dies höchstens die halbe Wahrheit war. In Wirklichkeit blieb der 61-Jährige der Chemmy-Verleihung fern, weil er seine Ehrung nicht nachvollziehen konnte. Mehr noch: "Ich finde das Ganze eigenartig und bin darüber nicht begeistert", sagte Schädlich.

Schließlich sei das vergangene Jahr nicht so gelaufen, um ausgezeichnet zu werden. Nach einer 0:4-Niederlage gegen Münster war der Fußball-Lehrer Anfang Oktober mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. "Vor zwei Jahren sind wir als CFC zur Mannschaft des Jahres gewählt worden, weil wir aufgestiegen waren. Das fand ich in Ordnung", so Schädlich, der auch mit dem Begriff "Lebenswerk" seine Probleme hat: "Denn noch bin ich nicht in Rente gegangen."


"In den Einzeldisziplinen sind wir eine der erfolgreichsten Städte in Deutschland"

Nach der Chemmy-Verleihung führte "Freie Presse"-Redakteur Mario Schmidt mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig das folgende Gespräch.

Freie Presse: Entsprechen die Preisträger Ihren Vorstellungen?

Barbara Ludwig: Ja natürlich. Ich kann gut damit leben. Wir haben in Chemnitz das Glück, über eine große Auswahl an hervorragenden Sportlern zu verfügen. Ich freue mich für alle, die gewonnen haben.

Was waren für Sie die Höhepunkte des Abends?

Aus meiner Sicht war die Veranstaltung insgesamt sehr gelungen - Kompliment an die Organisatoren. René Kindermann hat sehr gut moderiert. Schön fand ich, dass diesmal Journalisten die Laudationes auf die Preisträger gehalten haben.

Wie enttäuscht sind Sie darüber, dass das Karriere-Ende des Eiskunstlaufpaares Savchenko/Szolkowy von Misstönen begleitet war?

Ich kann dazu nur sagen, dass ich den beiden und ihrem Trainer Ingo Steuer alles Gute wünsche.

Was bewegt Sie hinsichtlich der Chemnitzer Sportszene gegenwärtig am meisten?

Dass wir es weiterhin schaffen, so viele Talente zu entwickeln, um sie in die Spitze zu führen. Gemessen an der Größe von Chemnitz, sind wir in den Einzeldisziplinen eine der erfolgreichsten Städte in Deutschland.

Sicher sind Sie froh, dass der CFC aus dem Gröbsten raus ist.

O ja. Ich konnte bei Besuchen im Stadion mitunter schon nicht mehr hingucken. Der Abstieg des CFC wäre eine traumatische Vorstellung.

Thema unter den Gästen heute war auch das Sportforum. Was hat Sie bewogen, ein Handlungskonzept für die Anlage erstellen zu lassen?

Weil es das nächste Projekt ist, das wir angehen müssen. Erst war das CFC-Stadion an der Reihe, welches uns unterm Hintern weggebröckelt ist. Jetzt wollen wir die Sanierung des Sportforums in Angriff nehmen, um den jungen Sportlern bessere Bedingungen zu bieten.

Werden Bund und Land mitziehen?

Erst mal brauche ich eine Entscheidung des Stadtrates, die am 30. April fallen soll. Wenn es grünes Licht gibt, lade ich Vertreter von Bund und Land ein, um ihnen zu erklären, was wir vorhaben und dass wir die Verantwortung für das Sportforum gemeinsam wahrnehmen müssen.

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