Eistänzer begeistern mit ihrer Geschichte

Bei den deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften sorgten Nelli Zhiganschina und Alexander Gazsi für den Höhepunkt

Hamburg.

Noch am späten Sonnabendabend, unmittelbar nach dem Schaulaufen, gingen Nelli Zhiganschina und Alexander Gazsi wieder auf Reisen. Bereits gestern wirkte das Tanzpaar bei einer Show in Litauen mit. Weitere Auftritte über die Feiertage im baltischen Land folgen. "Wir freuen uns darauf, es ist mal was anderes", meinte der 28-Jährige, der mit seiner Partnerin diese Zeit auch nutzen will, um von der Wettkampfbelastung einmal abzuschalten und neue Kraft für die im Januar folgende EM-Vorbereitung zu tanken. Am 28. Dezember gibt es dann einen Zwischenstopp im heimatlichen Chemnitz, um das traditionelle Weihnachtsessen mit Gänsebraten, Rotkohl und Klößen bei den Eltern nachzuholen. Dann steht zu Silvester eine Veranstaltung in Turin auf dem Programm, ehe im neuen Jahr die harte Übungszeit in Oberstdorf weitergeht.

Seit Sommer 2009 leben und trainieren die Moskauerin und der Sachse, die seit 2005 ein Duo bilden, im Allgäu. Seither haben sie sich unter Anleitung der Coaches Rostislav Sinicyn und Martin Skotnicky nicht nur zum deutschen Spitzenpaar schlechthin entwickelt. Sie schafften mit den Rängen sieben (2011) und acht (2012) auch den Sprung unter die besten Zehn in Europa. Dabei gehört es längst zu ihrem Markenzeichen, dass sie sich für ihre Kür immer ganz außergewöhnliche Geschichten einfallen lassen und diese als Schauspieler auf dem Eis gekonnt zelebrieren. So treten sie aktuell in der Kür als "Zombies", die für ein paar Nachtstunden ihre Gräber verlassen, auf. Diese Rollen gestalten sie mit viel Hingabe, ausdrucksstarker Mimik und Gestik sowie einer großen Portion Humor. Die geforderten Elemente sind dabei perfekt eingebaut.

Begeistert reagierten die Zuschauer ebenso in Hamburg, zuvor beim Grand-Prix-Wettbewerb in Moskau wurde das Duo von Fans überschwänglich gefeiert. Nachdem es zu Saisonbeginn noch nicht die entsprechenden Wertungen dafür gab, änderte sich auch das inzwischen. "Die Preisrichter haben sich daran gewöhnt. Ich sah sie während des Laufens sogar lachen. Das war sehr angenehm, gab uns ganz viel Motivation", erzählte Nelli Zhiganschina. In der russischen Hauptstadt gab es für die Ausführung sogar einmal neun Punkte, was beim möglichen Höchstwert zehn sehr selten passiert.

Aufgebaut haben sie ihre Programme dabei erstmals gemeinsam mit dem früheren Weltklasse-Eistänzer Ilia Averbuch (mit Irina Lobachov u. a. Welt- und Europameister, Olympia-Silber 2002), der heute als Choreograf tätig ist. Von ihm stammen dieses Mal die Ideen, die beide auf Anhieb verinnerlichten. "Es war für uns gleich interessant, diese Rollen zu spielen. Und wir haben immer noch so viel Spaß beim Darstellen, finden sie einfach toll", gerät die 26-Jährige mit strahlenden Augen ins Schwärmen.

Nun hoffen beide, dass sie mit dieser originellen Darbietung auch bei den bevorstehenden internationalen Meisterschaften auf der Erfolgsleiter ein Stück weiter nach oben klettern können. "Bei der EM wollen wir näher an das Treppchen heran, bei der WM nach zwei elften Plätzen unter die Top Ten kommen", nennt Alexander Gazsi die Wünsche, wobei er jedoch die Erwartungen nicht zu hoch schraubt. Gerade in ihrer Disziplin spielt die subjektive Bewertung noch immer eine sehr große Rolle, was sie selbst schon mehrfach in ihrer Laufbahn schmerzlich erfahren und deshalb einige Rückschläge verkraften mussten.

Derzeit stehen sie jedoch national unbestritten an der Spitze, gewannen ihren dritten Titel in Folge mit fast zwölf Punkten Vorsprung. Und die Chancen, dass sie sich 2014 ihren Traum vom Olympiastart erfüllen können, stehen bestens. Nachdem Nelli Zhiganschina alle Prüfungen mit Bravour gemeistert und alle notwendigen Formalitäten erfüllt hat, bekam sie Mitte November von den deutschen Behörden das entscheidenden Papier - die offizielle Einbürgerungszusicherung - per Post geschickt. Nun fehlt nur noch die Eintragung im Pass, um endgültig deutsche Staatsbürgerin (Voraussetzung für Olympianominierung) zu sein. Diese Formalie ist jedoch erst in einer Reisepause möglich, vielleicht zwischen EM und WM.

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