Zwei Sachsen strampeln in den Alpen den Frust weg

Radsport: Christian Kux und Marcus Burghardt stellen sich bei der Österreich-Rundfahrt in den Dienst ihrer Rennställe - Perspektivgespräch im Eiscafé

Judendorf. Zwei sächsische Radprofis strampeln sich in den Alpen den Frust weg. Der Zschopauer Marcus Burghardt, im Vorjahr Etappensieger bei der Tour de France, wurde diesmal nicht von seinem Columbia-Team für die Frankreich-Schleife nominiert. Daraufhin wollte der 26-Jährige eine dreiwöchige Rennpause einlegen, stellt sich nun aber bei der Österreich-Rundfahrt in den Dienst seiner Mannschaft: "Es hat sich kurzfristig dieser Start ergeben. Wenn ich Ende des Monats bei der Sachsen-Tour vorn mitfahren will, brauche ich diese Belastung in den Alpen", ist Burghardt überzeugt.

Seine Aufgaben bestehen darin, den Gesamtführenden Schweizer Michael Albasini mit Trinkflaschen und Windschatten zu unterstützen und bei Attacken der Konkurrenz zu reagieren. Bei Massenankünften fährt Burghardt mit den Spurt für Spezialist André Greipel an. Dies hat bereits mit einem Tagessieg auf der 1. Etappe gut funktioniert. Gestern von Wolfsberg nach Judendorf-Straß- engel (139,3 km) kam Burghardt als 27. zusammen mit dem Hauptfeld mit 1:45 min Rückstand auf Tagessieger Dries Devenys (Belgien) ins Ziel. Kux belegte Rang 82 (5:19 zurück). Albasini verteidigte die Gesamtführung. Noch drei Tage heißt es durchhalten. Heute ist die 6. Etappe von St. Pölten nach Horn (189 km) wie gemacht für Ausreißer. Morgen folgt in Podersdorf am Neusiedler See ein 26 km langes Zeitfahren, bevor am Sonntag die letzte Etappe nach Wien ansteht. Nach den finalen zehn Stadtrunden vor den Prachtbauten am Wiener Ring möchte auch Kux ein zufriedenes Fazit ziehen. Der Chemnitzer, der in Leipzig wohnt, steht für die Milram-Equipe in Lohn und Brot. Die Saison verlief für den 24-Jährigen alles andere als zufrieden stellend. Wegen einer Virusinfektion, die sich Anfang November 2008 in Müdigkeit und hohen Pulswerten niederschlug, musste er lange pausieren und starke Medikamente einnehmen. Obwohl "Kuxer" im April/Mai noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, bestritt er die Türkei- und Katalonien-Rundfahrt. Dort war er mehr mit sich selbst beschäftigt, empfand jeden Hügel als steilen Berg, biss sich aber durch.

Doch wieder zuhause angekommen, musste der Spezialist für Eintages-Rennen erneut eine Hiobsbotschaft vernehmen. Für die Sachsen-Tour erhielt er keine Nominierung. "Die sportliche Leitung hat offenbar kein Vertrauen mehr in mich. Dabei fühle ich mich wieder gut und denke, dass ich mit den Kollegen, die für mein Team in Sachsen fahren dürfen, durchaus mithalten könnte", meint Christian Kux frustriert.

Auf Nachfrage bestätigt Milrams Sportlicher Leiter Christian Henn, dass Kux aus "sportlichen Gründen" nicht nominiert wurde. Während Kumpel Burghardt ab 22. Juli auf den heimatlichen Trainingsstrecken in der Region Chemnitz und im Erzgebirge fahren darf, muss Kux währenddessen in Italien bei einer Rundfahrt strampeln. Der Milram-Profi will das Beste aus der Situation machen. Am Jahresende läuft sein Vertrag bei den Milchmännern aus. Die Zeichen stehen wohl auf Abschied. Auch Burghardt könnte schon kommende Saison für einen neuen Rennstall arbeiten. Während dieser Rundfahrt in den Alpen saßen beide Sachsen, die im Winter schon mal auf Langlaufskiern gemeinsam in Geyer ein paar Kilometer abspulen, einen Abend zusammen im Eiscafé und erörterten die Perspektiven. Burghardt hat nach der Sachsen-Tour mit der Spanien-Rundfahrt, der WM in der Schweiz sowie Paris-Tours noch große Ziele. Kux will noch bei der Polen-Rundfahrt auf sich aufmerksam machen.

Bei allem Frust, der zeitweilig aufkommt - ist eines sicher: Die Freude am Radsport wollen sich beide nicht nehmen lassen.

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