70 Jahre "Freie Presse". Der Geburtstag wird mit einer Sonderausgabe gefeiert.

Moment! Das ist doch schon wieder gelogen!

"Schon wieder", stimmt zwar nicht. Aber - richtig - die ganze Wahrheit ist es diesmal tatsächlich nicht. Nicht für den Teil des Verbreitungsgebietes östlich von Zwickau. Für den feiern wir heute: 70 Jahre "Freie Presse", geborene "Volksstimme". 1946 waren wir zunächst zu zweit. Meine Oma las die "Volksstimme" noch bis kurz vor ihrem Tod, obwohl da seit mehr als 30 Jahren schon "Freie Presse" drüber stand. Seit 1963 nämlich. Ich hab sie nie gefragt, warum sie an dem alten Titel hing. Sie stieg aber auch in den Bus und fuhr nach "Chams", während ich den Fahrschein nach Karl-Marx-Stadt löste. Warum, auch das habe ich sie damals nicht gefragt. Dabei haben wir viel über die Welt geredet, wenn ich bei ihr war. Sie war im Bilde, solange sie die Nachrichten verfolgen konnte: "Freie Presse" auf dem Tisch und Bayern 1 im Radio. Die Zeitung, um zu wissen, was galt und wer beerdigt wird. Bayern, um zu wissen, was los war in der Welt. So in etwa erklärt in dieser Sonderausgabe auch der auf Rügen geborene und heute in München lehrende Medienwissenschaftler Michael Meyen die Mediennutzung in der DDR. Es ist einer der vielen ganz besonderen Artikel dieser Ausgabe, die ich Ihnen ans Herz legen möchte.
70 Jahre "Freie Presse". Das sind 70 Jahre mit unseren Leserinnen und Lesern in Zeiten, in denen diese Beziehung manchmal das einzig Stabile war im Leben. Keine Selbstverständlichkeit. Erst recht nicht nach der friedlichen Revolution 1989. Alt-Verleger Dieter Schaub, der die "Freie Presse" 1990 erwarb, gibt in dieser Ausgabe Auskunft, warum er trotzdem glaubte, dass die alte SED-Zeitung weiterhin ihre Leser finden werde.
Fast ein Pfund wiegt diese Ausgabe. Respekt den Zustellern! Es gibt viel zu lesen, auf mehr als 100 Seiten. Brisantes und Unterhaltsames. Und zu sehen gibt es auch Außergewöhnliches: Die Chemnitzer Künstlerin Bettina Haller hat exklusiv für diese Ausgabe eine Grafik geschaffen. Ihr Kunstwerk eröffnet die eigentliche Sonderbeilage nach dem aktuellen Teil der Zeitung.
Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und bedanke mich ganz herzlich für die gemeinsame Zeit gestern, heute und morgen!

Ihr Torsten Kleditzsch, Chefredakteur

11 Kommentare

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    gelöschter Nutzer
    29.06.2016

    Die "Freie"Presse war noch nie frei weder zu Ossizeiten, nocheute. Sie gehört derzeit einem Ludwigshafener Unternehmen.